Kultur ist nicht den Städten vorbehalten

Gerhard Brunke, Dr. Klaus George, Bürgermeister Bodo Mahns und SG-Chef Peter Kühlewindt bei der Enthüllung der Infotafel am Thieplatz in Alt Wallmoden (von links). Im Anschluss daran wurde noch die Tafel am Ehrenfriedhof ihrer Bestimmung übergeben. Und wer die Tafeln nun in voller Pracht sehen möchte, sollte sich am besten schleunigst auf den Weg nach Alt Wallmoden machen.

Infotafeln in Alt Wallmoden enthüllt / Historische Plätze sind Teil des weltgrößten Geoparks

Die Kulturförderung im ländlichen Raum ist Dr. Klaus George, Geschäftsführer vom Regionalverband Harz, ein ganz besonderes Anliegen. Dr. George vertritt nämlich die Auffassung, dass nicht nur in der Stadt sondern auch auf dem Land und in den Dörfern kulturelle Schätze im Verborgenen liegen, und nicht die ihnen gebührende Anerkennung erfahren.

In der Samtgemeinde Lutter rennt George mit dieser Einstellung offene Türen ein, denn mit Protagonisten wie Harzklub-Chef Gerhard Brunke, Samtgemeindebürgermeister Peter Kühlewindt oder Wallmodens Bürgermeister Bodo Mahns trifft der Regionalverbands-Geschäftsführer auf einen Schlag Mensch, der von den kulturellen Qualitäten seiner Heimat überzeugt ist und diese auch präsentieren möchte.
Auf Initiative vom Harzklub unter Federführung von Gerhard Brunke wurden deshalb drei Informationstafeln erstellt, die gleich zwei wichtige Aufgaben erfüllen. Zum einen informieren die Tafeln über historische Gegebenheiten und zum anderen tun sie dies zweisprachig. In hochdeutsch und in plattdeutsch, um diese alte Sprache vor dem Aussterben zu bewahren.
Gestern wurden zwei der Tafeln in der Ortschaft Alt Wallmoden enthüllt. Die erste Tafel, die bei eiskaltem Wind von ihrer Schutzplane befreit wurde, steht auf dem Thieplatz in Alt Wallmodens Dorfmitte. Der Text, den Brunke höchstpersönlich verfasst hat, und Heinrich Broihan ins plattdeutsche übersetzte, gibt Auskunft über die Geschichte und Bedeutung dieses einst für Versammlungen wichtigen Platzes. Der Thieplatz, dessen Erscheinungsbild die große Thielinde bis zu ihrer Fällung im Jahr 2005 prägte, war nämlich ein wichtiger Treffpunkt für die Dorfbewohner. Auf dem Platz fanden nicht nicht nur Versammlungen statt sondern dort wurde auch Recht gesprochen.
Der Infotext erinnert zudem an die Pumpenfabrik Weule, die in Alt Wallmoden ansässig war. Zeugnis dieser Arbeit gibt heute noch die alte Schucke, eine Wasserpumpe aus dem Jahr 1870 die in direkter Nachbarschaft zur inzwischen neu gepflanzten Eiche steht. Und, dass der alte Wasserspender auch bei Minus drei Grad noch seinen Dienst versieht, demonstrierte Brunke gleich mehrfach.
Die zweite Schautafel, die gestern ihrer Bestimmung übergeben wurde, steht vor der kleinen Kapelle am Ehrenfriedhof. Auch hier ist der Infotext zweisprachig verfasst. Der geneigte Betrachter erfährt dort beispielsweise, dass der erste Gottesdienst vorliegenden Aufzeichnungen zufolge im Jahr 1517 abgehalten wurde. Ferner wird auch die heutige Nutzung der Friedhofskapelle erklärt.
Samtgemeindebürgermeister Peter Kühlewindt dankte in seiner kurzen Ansprache nicht nur Brunke und Broihan für ihr Engagement, sondern auch Dr. Klaus George. Der Regionalverband Harz hat die Finanzierung aller drei Tafeln, die dritte befindet sich an der Aussichtsplattform der „Schlacht von Lutter am Barenberge“, übernommen und dieses Projekt somit überhaupt erst ermöglicht.
In der Regel, dies führte Dr. George aus, „trägt der Regionalverband nur 50 Prozent der Kosten bei derartigen Projekten. Dieses Mal konnte aber eine Ausnahme gemacht werden“, erläuterte der Regionalverbands-Geschäftsführer ohne näher auf die Gründe einzugehen.
Den neuen Tafeln kommt aber noch eine weitere Bedeutung zu, wie Wallmodens Bürgermeister Bodo Mahns verriet. In zwei Jahren soll in Alt Wallmoden bekanntermaßen das 1.000-jährige Bestehen des Dorfes gefeiert werden. Die Vorbereitungen für diesen großen Festakt laufen im Hintergrund bereits auf Hochtouren, und die Arbeiten an den Infotafeln haben so manches historische Detail zutage gefördert, die für die Feierlichkeiten nicht unwichtig sind. Darüber hinaus machte Mahns deutlich, dass die Planungen und die umfangreichen Recherchen in der Geschichte Alt Wallmodens ohne so „alte Hasen“ wie Broihan, Brunke oder auch Pastor Röttke gar nicht möglich wären. „Wir können uns wirklich glücklich schätzen, Menschen in unseren Reihen zu wissen, denen die Aufarbeitung und Darstellung der örtlichen Geschichte so am Herzen liegt“, sagte Mahns.
Die historischen Plätze in Alt Wallmoden und auch die Plattform zur „Schlacht von Lutter am Barenberge“ sind Bestandteil des Geoparks Harz - Braunschweiger Land - Ostfalen, dem weltgrößten seiner Art. Ein Geopark ist ein klar abgegrenztes Gebiet. Um die geologische Vielfalt im Geopark veranschaulichen zu können, wird ein flächendeckendes Netz von Landmarken und Geopunkten aufgebaut. Landmarken sind weithin sichtbare oder besonders bekannte Punkte im Geoparkgebiet. In Teilgebieten des Geoparks gruppieren sich um die einzelnen Landmarken bis zu 15 Geopunkte. Geopunkte wiederum sind Fenster in der Erdgeschichte wie natürliche oder künstliche Aufschlüsse, Besucherbergwerke, Quellen, Dolinen und andere markante Landschaftsformen.