56. Festspielzeit wurde feierlich eröffnet

Aufsichtsratsvorsitzender Michael Wickmann. (Foto: bo)
 
Der neue Landesbischof Dr. Christoph Meyns. (Foto: bo)

Landesbischof: Theater soll verwirren / Intendant: Drei Blickwinkel zum Spielzeitthema „Macht“

Mit einem Festakt in der Stiftskirche sind die 56. Gandersheimer Domfestspiele offiziell eröffnet worden. Die Begrüßung nahm dabei der Vorsitzende des Aufsichtsrates der Domfestspiel-gGmbH, Landrat Michael Wickmann vor. Mit Blick auf das Programm und den gut laufenden Kartenvorverkauf – mehr als 35.000 Karten sind bis zur Premiere des ersten Abendstückes bereits abgesetzt – dürfe man den Rang des Kulturleuchtturmes Domfestspiele als gefestigt ansehen.
Zudem, so Wickmann weiter, seien die Domfestspiele auch vor der offiziellen Eröffnung schon im Gange gewesen und hätten mit dem tollen Theaterfestival der Jugend sowie dem Start des Kinder- und Familienstückes „Ronja Räubertochter“ für öffentliche Wirkung gesorgt.
Einen ersten öffentlichen Auftritt – noch vor der offiziellen Amtseinführung in Kürze – hatte der neue Landesbischof und Nachfolger von Dr. Friedrich Weber, Dr. Christoph Meyns. Er warf einen Blick in die Bibel und fand dort Parallelen zum Theater der Domfestspiele.
Szenen, die in der Bibel beschrieben würden, könnten auch als Beschreibung für die Festspiele passen. Und sogar eine Art Charakterisierung von Grußworten finde sich dort. Weiter heiße es, Theater verwirre. Und das solle es wohl auch, wenn man es richtig wahrgenommen habe. Durch die Kunst des Schauspiels werde der Zuschauer in die täglichen Konflikte und Emotionen hineingezogen. Theater durchbreche Lebenslügen und fördere die Wahrhaftigkeit. Das könne durchaus verstörend sein, aber auch heilsam. In diesem Sinne wünsche er den Festspielen eine wunderbar verwirrende, produktiv irritierende Spielzeit, so Landesbischof Meyns.
Letztmalig begrüßte als Bürgermeister der Stadt Heinz-Gerhard Ehmen die Gäste der Domfestspiele zur Eröffnung einer Spielzeit. In seiner sachlichen, auf die Inhalte der Spielzeit ausgerichteten Ansprache verwies er auf die besondere Bedeutung der Domfestspiele als Kulturträger. Kultur sei für Bad Gandersheim ein eminent wichtiger Standortfaktor, vor allem mit Blick auf Zukunftsentwicklungschancen. Ehmen dankte dem Ensemble, das mit seiner Spielfreude auch in diesem Jahr für Aufführungen höchster Qualität sorgen werde.
Intendant Christian Doll schickte seinen Ausführungen ebenfalls breiten Dank voraus und freute sich, dass die Bemühungen um die Jugend im dritten Jahr echte Früchte getragen haben. Danach setzte er sich mit dem Thema der Spielzeit – „Macht“ – auseinander. Diese werde zu recht kritisch betrachtet. Insgesamt stelle sie ein ungeheuer großes Thema dar, das nur in Anregungen auf die Bühne gebracht werden könne. Dabei gebe es für ihn in diesem Jahr drei Blickwinkel.
Zum Ersten: Leben ist Wille zur Macht. In Anlehnung an das Nitzsche-Zitat könne dies unterschiedlich ausgelegt werden. Anstatt einer negativen Sicht könne der Wille zu Macht aber auch ein Weg zur Gestaltung sein, wenn die Macht als treibende Kraft genutzt werde, eigene Möglichkeiten auszuschöpfen. Man könne sich sogar der Macht – zum Beispiel der Liebe – unterwerfen, und dadurch gleichzeitig an Macht gewinnen.
Zum Zweiten: Die Macht der Frauen. Das passe nun besonders gut zu Bad Gandersheim mit seinem Rang als einstiges Zentrum machtvoller Frauen, über die Geschichte und ein markanter Kaisersaal noch eindrucksvoll künden. Frauenpower in den Festspielstücken verkörpern Ronja, Evita oder die Marquise der Merteuil in „Gefährliche Liebschaften“ in unterschiedlichsten Formen.
Und zum Dritten: Das Thema „Macht und Ohnmacht“ wie „Theater und Spiel“ als Kampf um die Macht aus Angst vor der Leere. Dieser wird besonders deutlich in der Komödie „Sommerfrische“. Hier ist jeder nur mit sich selbst beschäftigt und überhaupt nicht in der Lage, eine gemeinsame Lösung für die erdrückenden Probleme zu finden. Damit sei das Stück eigentlich nicht gerade Mut machend. Aber durch die Energie der Spieler werde es zu einem wunderbaren Moment des Theaters. Dort sei sie dann zu erleben, die Macht des Spiels, so Intendant Christian Doll.
In Vertretung des leider zur Eröffnung verhinderten Schirmherrn Ministerpräsident Stephan Weil übernahm Justizministerin Antje Niewisch-Lennartz die Vertretung. Weil wird am kommenden Freitag bei der Premiere von „Evita“ dabei sein. Die Justizministerin stellte in ihrem Grußwort fest, dass die Domfestspiele eine deutliche Anziehungskraft ausstrahlen. Dafür sorge der durchgehend hohe künstlerische Anspruch. Die Komödie Goldonis sei zeitlos, so die Justizministerin in ihrem Grußwort in der Stiftskirche weiter. Goldonis habe ja auch den Ausspruch geprägt, Komödie solle schlechte Sitten bloßstellen und lächerlich machen.
Die Qualität der Festspiele mache aus, an einem hohen Anspruch festzhalten, in Bad Gandersheim auch weiterhin europäische Literatur zu inszenieren. Antje Niewisch-Lennartz beglückwünschte den Intendanten zu einer guten Spielzeit mit jetzt schon großer Resonanz. Sie bezeichnete es als mutig, gleich drei musikalisch geprägte Produktionen zu zeigen. Dieser Mut werde aber offenbar auch belohnt. So sei es gut, dass Dolls Vertrag nun schon bis 2017 verlängert sei. Das er weiter mutig bleiben solle, wünsche ihm das Theaterland Niedersachsen.
Die feierliche Eröffnung in der Stiftskirche wurde in diesem Jahr natürlich wieder durch Akteure des Festspielensembles umrahmt. Gela Megrelidze, Pianist in der Festspiel-Band, begeisterte mit zwei Stücken auf dem Steinway-Flügel und machte Lust auf mehr, was bei einem speziellen Konzertabend mit ihm im Rahmenprogramm zu hören sein wird.
Unter seiner Begleitung war Anna Preckeler zu hören, während Franziska Schuster zur Begleitung durch Heiko Lippmann mit „Verlass mich nie“ einen Vorgeschmack auf die in dieser Woche folgende „Evita“ gab.