Bei Milchpreisen Spielraum nach oben nutzen

Auf zwei sehr unterschiedliche Tendenzen weist das Landvolk Niedersachsen hin: Die Nachfrage und damit auch die Preise für Butter weisen eindeutig positive Vorzeichen auf, ähnliches gilt für Käse. Als völlig unbefriedigend dagegen bezeichnet Vizepräsident Heinz Korte die Situation für Trinkmilch und Frischprodukte. „Die Preise in diesem Segment hinken deutlich hinterher und müssen bei den anstehenden Preisverhandlungen mit dem Lebensmitteleinzelhandel angehoben werden“, gibt Korte die Einschätzung der Milch- und Molkereiwirtschaft wider. Die Beteuerungen des Lebensmitteleinzelhandels und der Verbraucher für eine höhere Wertschätzung von Lebensmitteln sowie regionale Präferenzen müssten auch im Preisniveau zum Ausdruck kommen. „Die Molkereien können den Verzicht auf höhere Erlöse gegenüber den Milcherzeugern nicht rechtfertigen und werden betriebswirtschaftlich entscheiden“, sagte Korte. Als eindeutig lukrativer für Milchprodukte bezeichnete er zurzeit den internationalen Markt, auch mit Käse und Butter erzielten die Molkereien für das Milchgeld um bis zu 15 Cent je Kilogramm höhere Preise als für Trinkmilch und Frischprodukte.

Die Milchviehhalter haben nach Statistiken der Landesvereinigung der Milchwirtschaft Niedersachsen (LVN) nach einem Hoch im Jahr 2011 in diesem Jahr wieder deutliche Einbußen beim Milchgeld hinnehmen müssen. Nach einem durchschnittlichen Auszahlungspreis von 34,60 Cent je Kilogramm gaben die Auszahlungspreise um rund 15 Prozent nach. Im Gegenzug haben die Landwirte deutlich mehr für Futtermittel, Energie und andere Produktionsmittel ausgeben müssen. Gleichwohl bewertet LVN-Vorsitzender Jan Heusmann den Milchmarkt zurzeit positiver als im Krisenjahr 2009. In erster Linie nährt die stabile Nachfrage die Hoffnungen für wieder anziehende Preise. In Deutschland und Europa, noch mehr aber in Drittländern sind Molkereiprodukte gefragt. Allein im ersten Halbjahr 2012 stiegen die Exporte von Magermilch- und Molkenpulver oder Käse um 25 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die Nachfrage trifft auf eine saisonale rückläufige Erzeugung, mit einem in vielen Regionen witterungsbedingt stärkeren Rückgang als erwartet. Die hiesigen Erzeuger haben auf das unbefriedigende Preisniveau reagiert und über den Kraftfuttereinsatz die Milcherzeugung gedrosselt. Vor diesem Hintergrund sieht die LVN wie das Landvolk bei den Milchpreisen nur Spielraum nach oben, den die Molkereien jetzt ausnutzen müssen. Der Handel muss die höheren Preise akzeptieren und umsetzen.