Ein Sensationssieg in Bad Gandersheim

Überschwängliche Glückwünsche wenige Minuten nach Bekanntgabe des Endergebnisses: Vicky Cioffo ließ es sich ebensowenig nehmen wie alle anderen SPD-Mitglieder, die sich am Wahlabend im „Napoli“ getroffen hatten, der gerade frisch gewählten neuen Bürgermeisterin Franziska Schwarz zu gratulieren. (Foto: Hillebrecht)

Bürgermeisterwahl: Franziska Schwarz um 21 Prozent vor Amtsinhaber Heinz-Gerhard Ehmen

Der Jubel war grenzenlos und auf dem ganzen Markt zu hören. Gegen 19.20 wurde am Sonntag der Sensationssieg Fakt: Die Gandersheimer Wahlbürger haben sich für den Wechsel entschieden. Und dies mit unerwarteter Deutlichkeit.

Mit 58,77 Prozent zog Franziska Schwarz gleich im ersten Wahlgang ein unerwartet hohes Stimmenpotenzial auf sich und ließ dem bisherigen Amtsinhaber bei seiner Kandidatur zu einer dritten Amtszeit als Bürgermeister keine Chance. Heinz-Gerhard Ehmen lag diesmal abgeschlagen bei 37,63 Prozent. Auf den dritten Kandidaten, Axel Cholewa, entfielen 3,6 Prozent.
In absoluten Stimmen hieß dies: Schwarz 2903, Ehmen 1859 und Cholewa 178. Die Wahlbeteiligung erreichte damit nicht ganz die mindestens erhoffte 60-Prozent-Marke, sie blieb bei 59,4 Prozent stecken. Das waren von den insgesamt 8448 Wahlberechtigten genau 5018, die ihre Stimme zur Bürgermeisterwahl abgaben.
Der Trend zeichnete sich früh ab: Schon die ersten Ergebnisse der Auszählung, die rasch nach den voran ausgezählten Europawahlen aus den Wahllokalen des Stadtgebietes gemeldet wurden, fielen deutlich an Franziska Schwarz. Nicht ganz unerwartet, aber eben auch noch nicht mit dem Gewicht eines großen Stadtwahllokales. Doch mit jedem neuen Ergebnis blieb es beim Trend. So gut wie kein Wahllokal konnte Ehmen überhaupt für sich entscheiden, eine der wenigen Ausnahmen war Ackenhausen.
Mit staunenden Blicken verfolgten die SPD-Mitglieder im Napoli am Markt die eintrudelnden Ergebnisse. Die Höhe sei völlig unerwartet, kommentierten die Schwarz-Unterstützer das Geschehen und brachen nach der Bekanntgabe des endgültigen Ergebnisses in lauten Jubel aus.
„Unglaublich, ich kann es noch gar nicht fassen“, so die Reaktion der überraschten kommenden Bürgermeisterin Franziska Schwarz, die von allen Seiten mit Glückwünschen und Blumen bestürmt wurde.
Deprimierte Gesichter hingegen bei den Anhängern von Heinz-Gerhard Ehmen, die sich in der Ratsschänke trafen. Ehmen selber war vor 20 Uhr noch gar nicht in Bad Gandersheim, um eine erste Stellung­nahme zum Wahlergebnis abzugeben. Seine Anhängerschaft zeigte sich bei der Suche nach Erklärungen für den erdrutsch­artigen Sieg seiner Konkurrentin eher wortkarg: „Es gibt bei einer demokratischen Wahl eben Gewinner und Verlierer, so ist das eben“, fasste es Rudolf Hermes in demokratischen Gleichmut.
Mit Wohlwollen nahmen fast alle indes auf, dass es in Bad Gandersheim keinerlei Notwendigkeit zu einer möglichen Stichwahl gab. Die wünschte sich keine Seite. Kandidat Axel Cholewa schaffte es immerhin, mehr Stimmen einzusammeln, als er an Unterstützerunterschriften zur Kandidatur beibringen hatte müssen, spielte aber mit seinem Endergebnis von 3,6 Prozent kaum mehr als eine Statistenrolle in diesem Bürgermeisterentscheid.
Für Bürgermeister Heinz-Gerhard Ehmen endet damit eine über 21 Jahre andauernde Tätigkeit in Bad Gandersheim. Zuerst seit 1993 als Stadtdirektor, nach 2001 als hauptamtlicher Bürgermeister. Die Amtszeit Ehmens geht aber nach der Wahl nun noch bis zum 31. Oktober dieses Jahres. Am 1. November tritt Franziska Schwarz offiziell die Nachfolge an. Genug Zeit also, um den Übergang gleitend vorzubereiten.