Goldonis „Sommerfrische“ in neuer Fassung

Thomas Klenk.

Thomas Klenk und Ulrich Cyran entwickeln Urlaubskomödie für Gandersheimer Domfestpiele neu

Die renommierten Schauspieler und Theatermacher Thomas Klenk und Ulrich Cyran arbeiten als Kreativ-Team an einer neuen Fassung von Carlo Goldonis Komödientrilogie „La trilogia della villeggiatura“ für die 56. Gandersheimer Domfestspiele.

Für Goldoni selbst mag diese Trilogie nur ein Werk unter vielen gewesen sein – doch heute ist die Geschichte über eine Feriengesellschaft, die sich trotz Überschuldung auf eine exzessive Urlaubsreise begibt, vielleicht das aktuellste Stück des italienischen Meisters der Komödiendichtung.
Für die Gandersheimer Inszenierung, die am Donnerstag, 3. Juli Premiere feiert, bringen Thomas Klenk und Ulrich Cyran die „Sommerfrische“ nun in eine Form, die bei knapp zwei Stunden Spielzeit spritzig und böse zugleich ist, und bei der man sich als Urlauber und Konsument von heute immer wieder selbst entdecken wird.
Ulrich Cyran und Thomas Klenk sind dabei ein eingespieltes Team. Gemeinsam gründen die beiden derzeit etwa mit dem „Werktheater Wiesbaden“ ein eigenes Theater, das im kommenden Herbst eröffnet wird. Cyran, der einem breiteren Publikum durch zahlreiche Fernsehauftritte – zum Beispiel „Tatort“, „Ein Fall für Zwei“, „Alarm für Cobra 11“ und viele mehr – bekannt wurde, ist dabei für die Neuübersetzung und das Erstellen einer Bühnenfassung zuständig. Thomas Klenk, seit 2006 als Schauspieler am Staatstheater Nürnberg engagiert, übernimmt die Regie der Gandersheimer Inszenierung. Bereits jetzt arbeiten die beiden eng zusammen, um eine ideale Fassung zu erstellen.

„Langweiler“ verboten, „Schnarchhühner“ erlaubt

Bei der Erarbeitung der neuen Übersetzung und Fassung will sich Ulrich Cyran auf den Kern des Stückes konzentrieren: „Die Themen, mit denen sich die Figuren in der „Sommerfrische“ herumschlagen, haben sehr viel mit uns heute zu tun“, beschreibt er. „Wie schafft man es, die eigene Lebenslust zu behalten, wenn die Kasse leer ist und die Gläubiger schon vor der Türe stehen? Wie gehen wir mit dem Druck um, uns vor unseren Freunden und sonstigen Mitmenschen als hip, großzügig und liquide zeigen zu müssen?“
Während bisherige Fassungen der Komödientrilogie oft eine Laufzeit von über vier Stunden haben, wird Cyrans Version unter zwei Stunden bleiben. Mit seiner Übersetzung aus der italienischen Originalversion – unterstützt von einer muttersprachlichen Übersetzerin – versucht er, eine Sprache zu finden, die direkt und lebendig, und dabei den Schauspielern „in den Mund geschrieben“ ist. „Bei Goldoni werden Leute gerne mal als “Marmotta”, Murmeltier, beschimpft. In älteren Fassungen wurde das oft einfach als “Langweiler” übersetzt. Ich versuche da schon, eine Variante zu finden, die gleichzeitig genauer ist und mehr Spaß macht“, beschreibt Cyran seine Herangehensweise an einem Beispiel. „Mein derzeitiger Favorit: “Schnarchhuhn”!”