Julia Friede mit Roswitha-Ring ausgezeichnet

Franziska Schwarz (links), Bürgermeisterin der Stadt Bad Gandersheim, verlieh Julia Friede am Sonntag den Rosiwtha-Ring. (Foto: Kielhorn)
 
Wie für ihre Rosalinde in „Wie es euch gefällt“ (im Bild mit Moritz Fleiter als Orlando) kam es auch für Julia Friede zu einem Happy-End. (Foto: Hillebrecht / Die Foto-Maus)

Publikumspreis der Stadt Bad Gandersheim am letzten Spieltag der 57. Domfestspiele überreicht

Julia Friede ist die Trägerin des Roswitha-Rings der 57. Gandersheimer Domfestspiele. Am vergangenen Sonntag verlieh die Bürgermeisterin der Stadt Bad Gandersheim, Franziska Schwarz, der Schauspielerin die prestigeträchtige Auszeichnung.

Der Roswitha-Ring wird seit dem Jahr 1975 von der Stadt Bad Gandersheim an ein weibliches Ensemblemitglied der Gandersheimer Domfestspiele für „herausragende künstlerische Leistungen“ vergeben und ist seit 1998 ein Publikumspreis. In ihrem zweiten Jahr bei den Gandersheimer Domfestspielen überzeugte Friede ihr Publikum in der Hauptrolle der Rosalinde in der Shakespeare-Komödie „Wie es euch gefällt“ und als Hund im Kinder- und Familienstück „Eselhundkatzehahn“. Damit ist sie die erste Ringpreisträgerin mit einer Hauptrolle im Schauspielklassiker seit Carmen Heibrock vor genau zehn Jahren, die damals als Roxane in „Cyrano de Bergerac“ zu sehen war.
Nach wochenlangem Sommerwetter schien am Sonntag selbst der Himmel ein wenig wehmütig zu sein, dass die 57. Gandersheimer Domfestspiele nach knapp zwei Monaten Spielzeit nun zu Ende gehen würden. Dennoch waren etwa 400 Besucher erschienen, um am letzten Spieltag der Festspielsaison der diesjährigen Preisverleihung des Roswitha-Rings beizuwohnen.
Aus ganzem Herzen dankte Bürgermeisterin Franziska Schwarz dem Festspielensemble für die hervorragenden Leistungen in dieser Spielzeit, aber auch den Offiziellen und Unterstützern, ohne die eine Realisierung solcher Festspiele nicht möglich wäre. Besonderer Dank galt auch den Medienvertretern für eine besonders intensive und positive Berichterstattung in dieser Spielzeit, welche es ihr noch einfacher gemacht habe, die Festspiele mit großem Stolz nach außen hin zu vertreten.
Bevor Franziska Schwarz den Namen der Gewinnerin des Publikumspreises verkündete, waren die Herren des Festspielensembles noch einmal an der Reihe: In einfallsreichen musikalischen, schauspielerischen und selbst gedichteten Beiträgen huldigten sie den sechs weiblichen Ensemblemitgliedern der Spielzeit, die ihrer Meinung nach alle den Roswitha-Ring verdient hätten.
Außerordentlich überrascht und glücklich sei Festspielintendant Christian Doll über das Votum für Julia Friede zur Ringpreisträgerin gewesen, wie er in seiner Laudatio verriet. Allein aufgrund der deutlich geringeren Vorstellungszahlen des Schauspielklassikers sei es statistisch eher unwahrscheinlich, dass eine Schauspielerin, die nicht bei den beiden Musiktheaterproduktionen mitgewirkt habe, bei den Festspielen mit dem Roswitha-Ring ausgezeichnet werde. Verdient habe Julia Friede ihn jedoch unbedingt, bekräftigte Doll.
Dass er die Shakespeare-Komödie „Wie es euch gefällt“ in dieser Spielzeit ins Programm genommen habe, habe viel mit der Preisträgerin zu tun. Die Spiellust der jungen Schauspielerin in der vorangegangenen Spielzeit habe ihn inspiriert, das Stück ins Programm zu nehmen. Mit der Hauptrolle der Rosalinde habe er Julia Friede eine große Verantwortung übertragen, mit der sie hervorragend umgegangen sei. Eine Figur zu spielen, die immer im Mittelpunkt steht und alle Fäden in der Hand hält, erfordere großes Können und vor allem auch viel Kraft und Durchhaltevermögen. In der Probenarbeit habe Friede eine ungeheure Spielfreude an den Tag gelegt, dabei sei der Motor ihrer ungeduldigen Suche oft der Zweifel und die Wut.
Großes Lob sprach Doll ihr auch für ihre Interpretation der Rolle des Hundes im Kinder- und Familienstück „Eselhundkatzehahn“ aus. Diese Rolle in der Gandersheimer Uraufführung habe sich Friede spezifisch gewünscht und sie passe, so Doll, perfekt zu ihr, sei sie schließlich vor allem Eines: „Rock’n’Roll“.
Julia Friede gab im Vorjahr ihr Debüt im Ensemble der Gandersheimer Domfestspiele. Nach langen Jahren als festes Ensemblemitglied am Theater Bielefeld spielte sie in ihrem ersten Jahr in Bad Gandersheim die Hauptrolle der Giacinta im Schauspielklassiker „Sommerfrische“ sowie die Lovis und viele weitere Rollen im Kinder- und Familienstück „Ronja Räubertochter“.
In der Spielzeit 2015 war die an der renommierten Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ in Berlin ausgebildete Schauspielerin neben ihren Hauptrollen auf der Festspielbühne auch in einem Liederabend zu erleben. Gemeinsam mit dem Musiker und Komponisten Dominik Dittrich begeisterte sie mit „Friede in Gandersheim!“ das Publikum in der Bad Gandersheimer Ratsschänke, die bereits einige Tage im Voraus ausverkauft war.
Im kommenden Jahr wird Julia Friede nicht bei den Gandersheimer Domfestspielen auf der Bühne zu sehen sein, da sie bereits in der kommenden Woche ein längerfristiges Festengagement am Stadttheater Bremerhaven antreten wird. Wie Christian Doll in seiner Laudatio für Friede betonte, hoffe er jedoch inständig darauf, dass sich eine gemeinsame Zusammenarbeit, gerne auch bei den Domfestspielen, bald wiederholen möge.