Nachlese Vortrag des Portals zur Geschichte

"... und Joseph kocht den Brei." Mittelalterliche Altäre aus Gandersheim" (Thorsten Henke M.A.) um 18.30 Uhr im Martin-Luther-Haus

Im Rahmen der Vortragsreihe zum Frauenstift Gandersheim und seinen Schätzen lud Thorsten Henke, Museumsleiter des Portals zur Geschichte, am vergangenen Montag zu dem für dieses Jahr letzten Vortrag ins Martin-Luther-Haus ein. Mehr als 30 Interessierte waren gekommen, um etwas mehr über die mittelalterlichen Altäre bzw. Altarwerke aus Gandersheimer Kirchen zu erfahren.
Von den vielen Gandersheimer Altären haben sich in der Stiftskirche nach dem Bildersturm von 1543 und den Verlusten der Jahrhunderte nur 3 Altarwerke erhalten.
Im Vordergrund der Ausführungen stand zunächst die Geburtsszene im Mittelschrein des Dreikönigsaltars, der sich heute auf dem Hohen Chor der Stiftskirche befindet. Hierbei ging es vornehmlich um den recht unscheinbaren und etwas an die Seite gerückten Josef, der den Brei zubereitet und sich mit einer Nebenrolle in der Heilsgeschichte begnügen muss.
Dabei wird die theologische Lehre ins Bild gesetzt, nach der Josef eben nicht der leibliche, sondern lediglich der Nährvater Jesu ist. Eigentlich stammt dieser Altar aus der Mauritiuskirche, die nach einem Brand Ende des 16. Jahrhunderts in den Rathausneubau einbezogen wurde. Der Altar kam erst einmal in die St. Georgskirche und von hier aus dann später an seinen jetzigen Standort. Zum Marienretabel in der Antoniuskapelle der Stiftskirche erfuhren die Zuhörer, dass Unklarheiten darüber bestehen, wo dieses einmal gestanden hat, bevor es im 18. Jahrhundert auf der Empore seinen Platz bekam. Bei diesem Altar sind die Figuren auf Grund der vielfach noch vorhandenen Attribute viel besser zu erkennen als beim Dreikönigsaltar. Thorsten Henke zog hier auch Vergleiche zum Marienretabel auf der Nonnenempore des Klosters Wienhausen. Abschließend ging er auf den Bartholomäusaltar ein, den einzigen für die Stiftskirche nachgewiesenen Altar, der sich in der gleichnamigen, vom Kanoniker Heinrich von Sebexen gestifteten Kapelle befand. Dieser ist heute in der Ausstellung des Klosters Brunshausen zu sehen.
Interessant für die Zuhörer waren natürlich besonders die Beschreibungen der Außenseiten der Altarflügel, die für den Betrachter der Altäre nur sehr selten oder überhaupt nicht zu sehen sind.
Wie im Mittelalter das Schauen im Vordergrund stand, wurden an diesem Abend den Besuchern die Augen geöffnet für das, was die Bilder und Figuren aussagen wollten.
Es war wieder einmal eine sehr gelungene Veranstaltung, die hoffentlich mit neuen Vorträgen im Jahr 2013 eine Fortsetzung findet.