Neuer Domfestspiel Intendant hält den Kurs

Bürgermeister Heinz-Gerhard Ehmen, designierter Intendant Christian Doll und Landrat Michael Wickmann (von links). (Foto: Strache)

Mit Altbewährtem und neuen Akzenten will Christian Doll im nächsten Jahr punkten

Von Maximilian Strache, Bad Gandersheim

Christian Doll wird das Amt des Intendanten für die Gandersheimer Domfestspiele zwar erst am 1. Oktober offiziell antreten, doch nach eigenem Bekunden fühlt er sich schon jetzt als Intendant. Denn in den letzten Wochen hat er bereits so viel am Programm für die Festspielzeit 2012 gearbeitet, als wenn die offizielle Amtsübergabe schon gelaufen wäre. Im Gandersheimer Ratssaal stellte er nun gemeinsam mit Aufsichtsratschef der Domfestpiel-GmbH, Landrat Michael Wickmann, und Gandersheims Bürgermeister Heinz-Gerhard Ehmen das neue Programm vor.
Den großen programmatischen Umbruch, so wie ihn manche vielleicht erwartet haben, hat der 40-jährige Schauspieler und Regisseur aus Köln nicht eingeleitet. Und das ist nach Aussage der Verantwortlichen auch so gewollt. „Wir wollten einen fließenden Übergang. Die eingeschlagene Route soll weiter verfolgt werden“, so Landrat Wickmann. Demnach strukturiert Doll das neue Programm auch ähnlich wie sein Vorgänger Professor Johannes Klaus.
Neben dem Kinder- und Familienstück „Der Räuber Hotzenplotz“ wird der designierte Intendant das bekannte Schauspiel „Tartuffe“ von Molière auf die Dombühne bringen. Dieses Stück wird er auch selbst inszenieren. Mit dem Musical „Chess“ will der gebürtige Kölner an den diesjährigen Erfolg von „Aida“ anknüpfen. Die Musik des Musicals wurde von den beiden männlichen Mitgliedern der Popgruppe ABBA, Benny Andersson und Björn Ulvaeus, komponiert. Der wohl bekannteste Song aus dem Musical dürfte „One Night In Bangkok“ sein. Der Text stammt übrigens von Tim Rice, der auch Autor von „Aida“ ist. Als viertes Stück im Hauptprogramm setzt Doll auf eine eigene Komposition. Die musikalische Krimikomödie „Blondgirl Undercover“ hat Doll zusammen mit dem musikalischen Leiter der Festspiele, Heiko Lippmann, geschrieben. Bei dem Stück handelt es sich, ähnlich wie bei dem diesjährigen Kassenschlager „Sprüh’s an jede Wand“, um eine Schlagerette. Über das Rahmenprogramm konnten gegenwärtig noch keine konkreten Planungen bekannt gegeben werden.
Doll ist sich recht sicher, dass er mit diesem Programmentwurf den Geschmack des Gandersheimer Publikums treffen wird. „Ich habe hier in den letzten Jahren bereits gute Erfahrungen sammeln können und mich mit den lokalen Gegeben- und Besonderheiten vertraut gemacht. Ich freue mich vor allem auf das begeisterungsfähige Publikum, das ich hier schon in der Vergangenheit erleben durfte“, sagte Doll.
Landrat Michael Wickmann betonte, dass der wirtschaftliche Wert der Domfestspiele für die Region in den nächsten Jahren noch stärker in den Mittelpunkt gerückt werden soll. „Die Regionalisierung der Domfestspiele, und dabei vor allem der Schritt in die wirtschaftliche Eigenständigkeit, hat sich positiv ausgewirkt. Die Domfestspiele sollen auch als kulturelles Fest, von dem die Stadt Bad Gandersheim lebt, vermarktet werden.“ In diesem Zusammenhang müsse vor allem dafür Sorge getragen werden, dass die Finanzierung gesichert ist.
Christian Doll ergänzte in Bezug auf die programmatische Ausrichtung der Festspiele 2012, dass bei der Auswahl der Stücke auch auf die Publikumswirkung geachtet werden müsse. „Mit musikalischen Stücken wie beispielsweise „Sprüh’s an jede Wand“ verdienen wir unser Geld. Musikstücke treffen den Zeitgeist. Das konnten wir in diesem Jahr beobachten“, so der Regisseur.
Doch trotz aller Konzepttreue möchte der gebürtige Kölner schon im nächsten Jahr einige neue Akzente setzen. „In den nächsten Jahren will ich vor allem einen Schwerpunkt auf Theaterpädagogik setzen. Ich möchte die Jugend stärker ansprechen und sie eventuell mit einem Jugendfestival im Vorfeld der Festspiele aktiv einbinden“, skizziert Doll seine Planungen. Auch die Zusammenarbeit mit regionalen Darstellern möchte der studierte Schauspieler nicht ausschließen: „Auch in der Provinz schlummert Qualität. Wir müssen sie nur ausmachen und entsprechend in Szene setzen.“
Auch die Frage, ob er schon konkrete Schauspieler für seine Stücke im Auge habe, antwortete Doll, dass er bereits mit einigen Schauspielern gesprochen habe. Zudem haben auch aktuelle Akteure ihre Bereitschaft signalisiert, wiederzukommen. Zwar kann Doll noch nicht auf ein derart großes Reservoir an Schauspielern wie Professor Johannes Klaus zurückgreifen, der stets Nachwuchs direkt von der Hochschule rekrutierte. Doch Doll hat in den vergangenen Jahren an vielen Theatern gearbeitet und so ein große Anzahl guter Kontakte. An guten Schauspielern wird es als auch im nächsten Jahr nicht mangeln.
Der offizielle Auftakt der Domfestspiele mit dem Schauspiel „Tartuffe“ erfolgt am 29. Juni 2012. Bereits am 23. Juni feiert das Kinder- und Familienstück Premiere. Die Gandersheimer Domfestspiele werden vom 23. Juni bis 19. August 2012 veranstaltet.
Zum Abschluss der Pressekonferenz gab der scheidende Geschäftsführer der Domfestpiel-GmbH, Ulrich Klötzner, bekannt, dass die Festspielsaison in diesem Jahr den Erfolg des Vorjahres übertroffen habe. „Wir hatten zwar kein gutes Wetter, doch die Zuschauer haben sich davon nicht abhalten lassen. Wir können sehr zufrieden sein. Darüber aber zu einem späteren Zeitpunkt mehr“, so Klötzner.