Neuer Intendant bei Gandersheimer Domfestspielen

Christian Doll – Regisseur, Intendant und Schauspieler bringt frischen Wind in die Kur- und Festspielstadt

Bad Gandersheim (bo). „Ich hoffe, dass die Spielzeit 2012 tatsächlich eine „Spiel-Zeit“ wird, in der das Spiel und die Darsteller im Vordergrund stehen und die Zuschauer mitgerissen werden.“ Das wünscht sich der neue Intendant der Domfestspiele, Christian Doll. Und die Chancen dazu stehen gut, denn alle vier Regisseure standen, bevor sie ins Regiefach gewechselt haben, selbst auf der Bühne.
Auch Dolls Stückauswahl klingt vielversprechend, denn er hat Stücke ausgewählt, die von starken Charakteren getragen werden. Auf dem Spielplan stehen Klassiker wie „Tartuffe“, „Der Räuber Hotzenplotz“, das weltberühmte Musical „Chess“ und eine Uraufführung: „Blondgirl Undercover“.
Doll ist in Bad Gandersheim kein Unbekannter: nach zwei musikalischen Produktionen „Und es war Sommer“ und „Flieg mich zum Mond“ hat er im vergangenen Jahr mit großem Erfolg das Kinderstück „Pinocchio“ inszeniert. In Braunschweig läuft am Staatstheater zurzeit seine Inszenierung „Fleisch ist mein Gemüse“ nach dem Roman von Heinz Strunk.
Neben seiner umfangreichen Arbeit als Intendant wird Doll auch selbst Regie führen. Seine Wahl fiel auf den Klassiker Tartuffe, Molieres große Komödie über Heuchelei und bürgerliche Doppelmoral. „Molière erzählt mit seinen Figuren von den Abgründen und den verrückten Eigenheiten der Menschen. Aber er lässt uns nicht in Schwermut fallen, sondern zeigt uns einen Weg auf, über die Absurdität und Widersprüchlichkeit menschlicher Beziehungen zu lachen,“ sagt Christian Doll, „ Molieres Figuren sind klug und hintertrieben, verführerisch und komisch. Traumrollen für Schauspieler.“
Aber auch als Autor wird Doll bei den Festspielen in Erscheinung treten. Gemeinsam mit dem musikalischen Leiter der Festspiele, Heiko Lippmann, hat Doll das Stück „Blondgirl undercover“ geschrieben, eine musikalische Krimikomödie.
Inszeniert wird das Blondgirl von Craig Simmons, einem künstlerischen Multitalent.
Der Amerikaner gehört zu den profiliertesten Musical-Regisseuren in Deutschland. Er hat sich mit mitreißenden Inszenierungen von Stücken wie „Der kleine Horrorladen“, „Hair“, „Kiss me Kate“, „The Rocky Horror Show“ und „Vom Geist der Weihnacht“ einen exzellenten Ruf in der gesamten Republik erarbeitet. Mit „Blondgirl undercover“ bringt Simmons, der bereits mit Superstars wie Liza Minelli und Eartha Kitt zusammengearbeitet hat, in Gandersheim eine musikalische Hommage an große Agentenfilme und bekannte Krimiserien auf die Bühne. „Craig Simmons wird das Blondgirl unterhaltsam und spannend umsetzen“ verspricht Christian Doll, „Ich bin sehr glücklich, dass ich ihn für die Gandersheimer Domfestspiele gewinnen konnte“,
Das Musical “Chess“ wird Christian Hockenbrink inszenieren. Hockenbrink ist wie seine Regiekollegen Doll und Simmons zunächst Schauspieler gewesen. Nach Stationen in großen Häusern wie den Münchner Kammerspielen und dem Schauspielhaus Zürich, inszenierte er neben seiner Arbeit als Schauspieler zunächst am Nationaltheater Mannheim. Seine erste Produktion als Regisseur war eine Begegnung mit Bob Dylan: „True Dylan“, Sam Shepards Stück über den großen amerikanischen Songwriter. Mit „Chess“ wird Hockenbrink abermals mit großen Poplegenden in Berührung kommen. Die Musik zu der Geschichte stammt von Benny Andersson und Björn Ulvaeus, den musikalischen Köpfen der ehemaligen schwedischen Band ABBA. Die Dialoge zu dem Musical schrieb übrigens Tim Rice, derselbe Texter wie schon bei „Aida“, der musikalischen Produktion, die im letzten Jahr auf der Dombühne zu sehen war. Die bekanntesten Lieder aus „Chess“ sind die Hits „One Night in Bangkok“ und „I Know Him So Well.“
Das Kinderstück „Der Räuber Hotzenplotz“ übernimmt der Schauspieler, Autor und Regisseur Max Merker. „Max interessiert sich in seiner Arbeit für eine spielerische und sehr körperliche Erzählweise. Er versucht mit den Darstellern und den Zuschauern Phantasieräume zu öffnen. Genauso, wie ich es mir für ein Kinderstück wünsche.“, schwärmt Doll. Merker selbst findet die Figur des Räubers unglaublich spannend: „Ein schrecklicher, mit sieben Säbeln bewaffneten Anarchist – es reizt mich, diesen Klassiker der Kinderliteratur neu zu erzählen.“
Der Münchner studierte Philosophie sowie Schauspiel und Körpertheater an der Folkwang Universität in Essen und hat zuletzt am Stadttheater Bern „Werther“ nach Goethe und „Durch Geister fahren“ von Daniela Janjic inszeniert. Für sein eigenes Stück „Tristan – a cocktail called love“ bekam er den Preis der Jury beim „100 Grad Festival“ in Berlin, sowie den Publikumspreis und den Preis der Jury beim ARENA-Festival Erlangen/Nürnberg.

Die Gandersheimer Domfestspiele beginnen am 23. Juni 2012 mit der Premiere „Der Räuber Hotzenplotz“ von Otfried Preußler. Karten sind an der Kartenzentrale in Bad Gandersheim (Tel. 05382-73777) oder online unter www.reservix.de zu erwerben.