Pröpstin Elfriede Knotte will Bischöfin werden

Die Bad Gandersheimer Pröpstin Elfriede Knotte kandidiert für das Bischofsamt im Sprengel Schleswig und Holstein.

Größter Sprengel der Nordkirche lockt / Ein Gegenkandidat bei der Wahl am 11. April im Dom zu Schleswig

Elfriede Knotte (57), Pröpstin in Bad Gandersheim, kandidiert für das Bischofsamt im Sprengel Schleswig und Holstein der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland (Nordkirche). Der Nominierungsausschuss hat sie zusammen mit Gothart Magaard (58) aufgestellt, der bereits seit 2009 als Bischofsvertreter in dem Sprengel tätig ist. Das Amt hatte ursprünglich Bischof Gerhard Ulrich inne, der als Vorsitzender der Kirchenleitung zusätzliche Aufgaben im Zuge des Fusionsprozesses zur Nordkirche übernehmen musste. Seit Februar 2013 amtiert er als Landesbischof mit Sitz in Schwerin. Die Wahl ist am Freitag, 11. April, im Dom zu Schleswig vorgesehen.
Dort findet am Sonntag, 16. März, 14 Uhr, ebenfalls ihr Vorstellungsgottesdienst statt. Außerdem ist am 19. März um 19 Uhr ein Vortrag im Evangelischen Bildungswerk des Kirchenkreises Plön-Segeberg in Bad Segeberg vorgesehen. Zum Sprengel Schleswig und Holstein gehören die acht Kirchenkreise Altholstein, Dithmarschen, Nordfriesland, Ostholstein, Plön-Segeberg, Schleswig-Flensburg, Rantzau-Münsterdorf und Rendsburg-Eckernförde sowie die Nordschleswigsche Gemeinde in Dänemark mit mehr als einer Million Mitglieder in insgesamt 365 Kirchengemeinden. Er ist der größte Sprengel der Nordkirche.
Elfriede Knotte wurde als erste Frau in der Landeskirche Braunschweig 1995 in das Propst­amt gewählt. Als Pröpstin hat sie die Aufsicht über die Kirchengemeinden, die Pfarrämter und die Inhaber und Verwalter kirchlicher Dienststellen. Zusammen mit dem Propsteivorstand ist es ihre Aufgabe, das kirchliche Leben in der Propstei anzuregen und zu fördern. Dazu gehört unter anderem die Visitation von Kirchengemeinden. Durch ihre Mitgliedschaft im Pröpstekonvent ist sie eingebunden in die Leitungsstrukturen der Landeskirche Braunschweig. Ihre Predigtstätte ist die altehrwürdige Stiftskirche in Bad Gandersheim.
Die Theologie kreativ und kommunikativ anzuwenden, ist das Anliegen von Elfriede Knotte. Geboren im oberbergischen Nümbrecht und aufgewachsen in Wuppertal, war ihre Jugend stark von der Mitwirkung im CVJM geprägt. Bereits aus dieser Zeit, so erzählt sie, stamme ihre profunde Bibelkunde, die sie durch die historisch-kritische Exegese im Theologiestudium in Wuppertal und Göttingen ergänzt habe. Biblisch predigen, berührend, anregend und verständlich, dafür schlage ihr Herz. Stets gehe es ihr darum, als Theologin anschlussfähig zu sein an die Lebenswirklichkeit der Menschen: „Ich bin gerne volksnah.“
Als Pröpstin der Landeskirche Braunschweig ist sie mit einer Hälfte ihrer Stelle auch Gemeindepfarrerin geblieben. Eine glückliche Kombination, wie sie findet, denn die pastorale und seelsorgerliche Arbeit sei ihr auch im Leitungsamt wichtig: „Ich möchte nah bei den Menschen sein. Bei denen, die hauptamtlich in der Kirche mitarbeiten, aber auch bei denen, die nicht zur Kerngemeinde gehören.“
Die verwitwete Mutter von zwei erwachsenen Kindern will empfindsam bleiben gegenüber den existenziellen Fragen der Menschen, denen sie begegnet. Auch gegenüber den Anliegen der Vertreterinnen und Vertreter des öffentlichen Lebens, in Politik und Gesellschaft, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur. Die christliche Stimme, ist sie überzeugt, müsse im öffentlichen Gespräch hörbar bleiben. Auch aus Verpflichtung gegenüber dem Gemeinwohl.
Ihre sozialethische Überzeugung speist sich unter anderem aus dem konziliaren Prozess für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung, der den Kirchen weltweit seit den 1980er Jahren wichtige Impulse vermittelt. Elfriede Knotte war Propsteibeauftragte für diese Initiative und besuchte als Delegierte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) 1998 die Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) in Harare (Simbabwe).
Eine enge Verbundenheit pflegt die Pröpstin mit dem Konfirmanden-Ferien-Seminar (KFS), einem besonderen Modell des kirchlichen Unterrichtes in der Landeskirche Braunschweig. Jedes Jahr nehmen daran bis zu 1000 Jugendliche teil.