Registrierung und Erstuntersuchungen

Der aufgefrischte Anmeldebereich im Kurparkhotel Bartels in Bad Gandersheim. (Foto: Fischer)

„Beobachter“ besichtigt Flüchtlingsunterkunft in Bad Gandersheim / Fragen und Perspektiven

Ungeachtet der politischen Debatten über die Verschärfung des Asylrechts, Begrenzung von Flüchtlingsströmen, Einrichtung von Transitzonen und konsequenteren Abschiebungen bei abgelehnten Asylanträgen gilt es die Realitäten der Flüchtlingssituation zu bewältigen. Der Unternehmer und Hotelberater Eckhard Melz hat sich dieser Aufgabe gemeinsam mit seinem Partner und Bauunternehmer Daune aus Duderstadt gestellt. Beide betreiben seit Januar dieses Jahres eine private Flüchtlingsunterkunft in Duderstadt für 500 schutzsuchende Persönlichkeiten. Seit gut vierzehn Tagen haben sie mit ihren neu gegründeten Gesellschaften im benachbarten Bad Gandersheim im ehemaligen Kurparkhotel Bartels eine Erstaufnahmeeinrichtung als „Hotel“ aus dem Boden gestampft. Sie tun das für den Staat. Der muss dafür reichlich Euros bezahlen.
Der Seesener „Beobachter” hatte zwei Stunden die Gelegenheit, mit Melz das Innenleben des Hotels anzuschauen, den Alltag der dort untergebrachten rund 200 Flüchtlinge (Melz) zu beobachten und mit ihm als Betreiber eine Reihe von Anliegen, Fragen und Perspektiven zu besprechen.

Denn, in Bad Gandersheim – wie überall in Deutschland – wird über die gigantische Aufgabe, eben der Aufnahme vieler Flüchtlinge, intensiv gesprochen. Nicht nur, weil es die Menschen interessiert. Melz ist sich bewusst, dass auch Sorgen, Ängste und Befürchtungen in den Köpfen sind und nicht immer offen ausgesprochen und nachgefragt werden. „So entstehen Missverständnisse und vielleicht auch falsche Vor-Urteile...“. Deswegen sei es gut und richtig, die Dinge offen anzusprechen. „Transparenz ist besser, als die Menschen im Unklaren über die Lage der Flüchtlinge zu lassen.“ Allerdings sei es schwierig, sich angesichts der Bewältigung und Unterbringung mit allen aus der Bevölkerung angetragen Fragen und Anliegen zu befassen. „Ich versuche das beim Runden Tisch. In Duderstadt haben wir damit gute Erfahrungen gemacht. Ich bin davon überzeugt, dass das auch in Bad Gandersheim der Fall sein wird.“ Der nächste Runde Tisch ist vom Bürgermeister-Amtsvertreter Bernhard Beitz für den 3. November ins Kurparkhotel für Flüchtlinge eingeladen worden.
Der „Beobachter“ wollte wissen? Wie ist es mit der amtlichen Registrierung der Flüchtlinge und einem vorgeschrieben Medizincheck? Melz: Ab kommenden Montag beginnen wir mit den ersten medizinischen Untersuchungen. Dafür konnte die Helios-Klinik Bad Gandersheim gewonnen werden. Die amtliche Registrierung würde früher beginnen. Dafür würde das zuständige Landesamt mit Sitz im Erstaufnahmelager Friedland Beamte (zum Beispiel Ex-Polizisten) einsetzen und nach Bad Gandersheim schicken. Die baulichen Voraussetzungen für die nötigen Räume im Kurparkhotel waren am Freitag noch im vollen Gange.
Melz berichtet von der Einstellung einer Halbtagskraft, die für die Koordination der Ehrenamtsbetreuung mit der Flüchtlingsunterkunft verantwortlich ist. Hier gibt es eine Kooperation mit der Bürgerinitiative „einLeben“, so Melz.
Die aufgefallenen Probleme mit Warmwasser seien beseitigt. Gemeinschaftlich zu benutzende Waschmaschinen würden angeschafft. Geplant ist ein Kinderspiel- und Fernsehraum.