Geschafft! Das Race across the Alps ist für Florian Schütte Geschichte

Florian Schütte hat es tatsächlich geschafft: Er hat am vergangenen Wochenende an dem wohl härtesten Eintagesrennen für Radfahrer auf der Welt teilgenommen und hat die 533,5 Kilometer mit 14534 Höhenmetern in 30:05 Stunden bewältigt.

533 Kilometer, 14534 Höhenmetern, 30 Stunden, 38 Grad Celsius und 40 Liter Wasser

Florian Schütte aus Greene hat es geschafft: Er hat am vergangenen Wochenene an dem wohl härtesten Eintagesrennen für Radfahrer auf der Welt teilgenommen und hat die 533,5 Kilometer mit 14534 Höhenmetern in 30:05 Stunden bewältigt. Am Donnerstag zuvor war das gesamte Team (Jan Wacker (Servicemann und Motivator), Stephanie Büchl (Begleitfahrzeugführerin und Medienbeauftragte), Maresa Lorenz (Teamchefin) und Florian Schütte nach Nauders gereist. Bei traumhaftem Wetter ging es vor dem Fahrerbriefing noch ein paar Kilometer einrollen. Am Abend folgte das Fahrerbriefing.

Dabei wurde der spätere Race-across-America-Sieger, Pierre Bischoff, aus Deutschland live via Telefon zugeschaltet. Beiderseitig wünschten sich alle Fahrer viel Erfolg. Das Fahrerfeld des RATA war sehr stark besetzt. Neben dem letztjährigen Sieger des Race across America, Severin Zotter, war der Titelverteidiger Robert Petzold, der 16-malige Starter des RATA Paul Lindner und die überragende Radmarathon Dame Nadja Prieling am Start in Nauders. Alle Fahrer freuten sich über die sonnige und trockene Wetterprognose für den Renntag. Der OK-Chef Gernot Weinig bremste die Euphorie mit der Feststellung, dass bei derartigen Witterungsbedingungen, erfahrungsgemäß eine überdurchschnittliche hohe Ausfallquote beschert.
Am Freitag um 13 Uhr ging es für alle Fahrer dann endlich los. Gestartet waren von 37 gemeldeten 30 Männer und zwei Damen, von den am Ende nur 23 Fahrer das Ziel erreichen sollten. Bei einem Rennen dieser Länge könnte man davon ausgehen, dass es in einem angenehmen Tempo losgeht. Falsch gedacht. Mit angenehmen 38 bis50 km/h ging es am Reschensee entlang nach Prad am Stilfser Joch. Der erste Berg mit 1900 Höhenmetern auf 28 km wartete auf die Fahrer. Es war schon warm bei 34 Grad in Gomogoi, aber oben war es dann bei 20 Grad angenehm.
Über die Abfahrt und Bormio ging es weiter zum Gaviapass und hinunter nach Aprica. Um 21.40 Uhr nach 8:40 Stunden Fahrzeit und 198 Kilometer ging es in die Rampe zum Mortirolo. Die 12,4 km mit maximal 18% Steigung bei 1300 Höhenmetern ging Florian mit vier weiteren Fahrern an. Somit herrschte ein reges Treiben auf dem Pass. Die Passhöhe wurde nach 210 km mit einem Kilometerdurchschnitt von über 20 km/h erreicht. „Die Abfahrten vom Mortirolo und später dem Apricapass konnte zum Regenerieren nutzen, um für den 34 Kilometer langen Berninapass Kraft zu schöpfen.
In der Dunkelheit wurde die Passhöhe bei genau 300 km um 4.20 Uhr erreicht. Oben warm anziehen und rein in die Abfahrt. „In den Abfahrten konnte ich viele Minuten auf die Konkurrenz gut machen. Am Berninapass holte ich einen Rückstand von über 10 Minuten zur Schweizerin Campassi auf“, berichtet Schütte.
Weiter ging es über den Albula im Sonnenaufgang in Richtung Davos. Nach einer kurzen Verwirrung über den Streckenverlauf vor Davos, fing es pünktlich zum Anstieg in den Flüelapass zum Regnen an. Während der Flüelapass nach 400 km noch gut zu fahre war, wurde der anstehende Ofenpass schon zu einer größeren Herausforderung.
Die letzten zwei Kilometer sind sehr steil und die Temeraturen stiegen wieder an. „An diesem Punkt kommen zum ersten Mal negative Gedanken und die Aufgabe rückt näher. Gerade mit Blick auf den vorletzten Berg, dem Umbrail (13,5 Km, 1126 Höhenmeter und 8,5%) fiel die Motivation in den Keller.
Nach insgesamt 24 Stunden Fahrzeit und 452 km saß ich im Gras am Straßenrand, nix ging mehr, die Knie taten weh und bei dem Blick auf die letzten 2 Berge und zirka 80 Kilometer war an einen Zieleinlauf nicht zu denken. Nur dank dem Team um Jan, Stephanie und Maresa war es dann im zweiten Anlauf wieder möglich, den Umbrail hoch zu fahren. Zu meinem Glück zog ein Gewitter in den Berg und der Starkregen und der Wind kühlten die Luft merklich runter, was mir sehr zu Gute kam. Im Anstieg sah ich dann einen Fahrer an seinem Auto stehen, den ich überholen konnte. Das motivierte ungemein.“
Nach einer Umziehpause runter vom Stilfser Joch in die trockene Abfahrt nach Prad. Der letzte Pass zog sich wie Kaugummi. Der Reschenpass mit 24 km bei 583 Höhenmetern und ständigem Gegenwind wollte nicht enden. „Dabei wurde ich auf einmal von dem Begleitauto meines Radkollegen Peter Scherrer überholt.
Das Auto und Peter hatte ich seit dem Gavia nicht mehr gesehen.“ Peter hatte zirka zwei Kilometer Rückstand und holte weiter auf. Zwischendurch waren es nur noch 2 bis 3 Minuten. „Beim diesem Anblick genehmigte ich mir nochmal einen Koffein Shot für die letzten 20 Kilometer. Das Team im Begleitauto hielt mich ständig auf dem Laufenden, was den Abstand zur Konkurrenz anging. Mein Techo zeigte 40 km/h auf gerader Strecke und 56 km/h bei leichter Neigung ins Ziel an.“
Nach 30:05 Stunden, 533,5 km, 14534 Höhenmetern, 17,8 km/h im Durchschnitt, bis 38 Grad Celsius, Regen, Gewitter und Nebel, ca. 40 Liter Wasser und dem perfekten Team war um 19:05 Uhr das Ziel in Nauders erreicht.
„Der Dank geht an das gesamte Team, meine Familie, alle Unterstützer und Sponsoren und die Facebook und Whatsapp Gemeinde, die über das gesamte Rennen mit ihrem Interesse und den Kommentaren mir enorm viele Motivation gegeben haben. Diese 30 Stunden werden alle nicht so schnell vergessen und wer weiß: „Nach dem Rennen ist vor dem Rennen.”