120 Teams erreichen das Ziel beim Oxfam-Lauf

Das Team der „Harzbreaker“ kommt aus Hamburg und hat sichtlich Freude kurz vor Schulenberg (Foto: Kluge)
 
Das bringt den Aschaffenburger Simon Strobel wieder auf die Beine. (Foto: Kluge)

Zweite Auflage des größten Spendenmarathons in Deutschland ist ein riesiger Erfolg

Von Camillo Kluge, Osterode

Auch die zweite Auflage des Oxfam Trailwalker durch den Oberharz war ein gigantisches Erlebnis. Sowohl für die 124 Teams, von denen lediglich vier die 100 Kilometer in 30 Stunden nicht bis zum Ziel durchhielten, als auch für Zuschauer und Supporter. Dabei waren die Bedingungen durch den hochsommerlichen Sonnabend härter als vor Jahresfrist, als es doch schon deutlicher herbstlicher war.
So ist es fast eine positive Überraschung, dass eigentlich nur ein Läufer wegen Kreislauf-Problemen vorzeitig nach Hause geschickt wurde. Und das auch noch recht frühzeitig. „Höhe Stieglitzeck ist der Patient zusammengeklappt“, verriet Patricia Nitzke vom Deutschen Roten Kreuz. Der Läufer hatte keine ernsten Schwierigkeiten, aber „ein Weiterlaufen haben wir untersagt.“ Die ärgste Verletzung zog sich allerdings ein Supporter zu. Eines der Zweierteams, die jedes Läufer-Quartett zur Unterstützung hat, sprengte sich in Höhe Checkpoint drei an der Wiese Lichtenborn unweit Torfhaus. „Ich bin auf eine Wurzel getreten und heftig umgeknickt“, klagte Sabine Eigemeier, die das Team Thermo mit unterstützte. Die erste Diagnose von Notarzt Jörn Krause war bitter: „Knöchelbruch“.
Das nahm nicht nur dem Team einen Supporter, sondern Eigemeier auch die Möglichkeit, den von den Teilnehmern so beliebten Checkpoint Lichtenborn zu besuchen. Dort hatten die Damen des PSV Osterode sich wieder richtig ins Zeug gelegt. „Eigentlich sind wir nur als Wasserstelle vermerkt“, gesteht Marianne Lossie, Frauenwartin im PSV. Doch mit leckerem Selbstgebackenen, Kaffee und Obst werden hier alle Teams, Supporter und sogar Zuschauer perfekt ver- und umsorgt. Nur mit dem in der Mittagszeit gnadenlos auf die Besucher knallenden Sonnenschein hatten sie nicht gerechnet, denn Sonnenschirme gab es keine. Dafür aber liebevoll gedeckt Biergarnituren, die sogar mit Tischdecken und Rosenschmuck verziert waren. „Das ist klasse hier“, sagte Philip Wegener von „Speedboys hoch4“, eine Mischung aus Hamburger und Münchener Jungs. Eine Kombination, die funktioniert? „Bis hierher gab es keine Probleme im Team“, feixte er, „aber wir sind ja erst bei Kilometer 37.“
Ein weiterer Höhepunkt ist die Pause in Schulenberg nach gut der Hälfte der 100 Kilometer. Unzählige Helfer aus dem Ort, angeführt vom Harzklub-Zweigverein und der Feuerwehr, sorgen hier für das Wohlergehen von Teams und Supportern. Letztere machten es sich auf der am späten Nachmittag im Schatten liegenden Wiese vor dem Gemeinschaftshaus gemütlich und entspannten, bis ihre Läuferteams kamen. Begrüßt wurden sie mit großem Hallo wie eigentlich überall auf der Strecke. Manche hatten hier Massagen bestellt, und so waren Massagebänke mit dem wunderbaren Blick auf die Talsperre im Sonnenuntergang aufgebaut. Aber auch wer nicht in Eigeninitiative solchen Luxus organisiert hatte, kam in den entspannenden Genuss knetender Hände. Raja Nagel und Laura Ziegenbein waren von einer Praxis aus Bad Lauterberg vor Ort, um sich den malträtieren Gliedmaßen der Athleten anzunehmen. Bernd Feldgiebel, der mit „Obermann Harzer Hiker“ als fünftes Team schon früh Schulenberg ansteuerte, genoss die Behandlung. „Das tut richtig gut“, lächelte er die beiden jungen Damen an.
Simon Straub genoss eine solche Behandlung auf der Wiese von seiner Supporterin. Er war mit seinem Team „The Restless Legs“ aus Aschaffenburg zum Trailwalker gekommen. „Der Harz ist eine tolle Landschaft, wirklich eine super Location“, lobte er das Landschaftsbild. Während sich mancher durchkneten ließ, nutzten andere die „Halbzeit“ zur Ruhe auf der Liege, zum Auftanken mit alkoholfreiem Weizenbier oder auch zum Rundgang im Kneipp-Becken oder einfach einem kühlenden Fußbad. Schließlich standen den Teilnehmern noch einige Kilometer bevor.
Denn auch in Wildemann oder am Campingplatz Prahljust, am Campingplatz Hahnenklee oder am Marienblick wurden die Sportler bestens umsorgt. Wobei das Team von Runner’s World „Die Waldgeister“ davon wieder kaum Gebrauch machte. Bereits eine Minute nach Mitternacht, also in gut 16,5 Stunden, hatte es die 100 Kilometer hinter sich gebracht. Die letzten Teams brachten die 100 Kilometer ganz gemütlich hinter sich, trudelten wenige Minuten vor Toresschluss im Ziel der Stadthalle Osterode wieder ein. Die meisten Teams verabschiedeten sich vom Oxfam-Trailwalker und vom Harz mit den gleichen Worten: „Auf Wiedersehen im nächsten Jahr.“