Amerikaner kamen durch das Kelchtal

Durch das Kelchtal in Bad Grund drangen die amerikanischen Truppen ein und besetzten die Bergstadt.
 
Haus Renneberg wurde am 11. April 1945 in Brand geschossen, das daneben in der Burgstraße stehende Gebäude wurde amerikanische Kommandantur. Fotos: Kippenberg

Der Zweite Weltkrieg endete in Bad Grund und Windhausen am 11. April 1945 / Winfried Kippenberg erinnert sich

Am 11. April 1945 besetzten amerikanische Militäreinheiten die Bergstadt und beendeten damit den Zweiten Weltkrieg in Bad Grund.

Winfried Kippenberg war damals vier Jahre alt und erlebte das Kriegsende in Windhausen.
„Ich kann mich noch an einen feuerroten Himmel erinnern, der von der Burgruine Windhausen zu sehen war. Die Erwachsenen sprachen davon, dass Kassel von Flugzeugen angegriffen worden sei und in Flammen stehe”, schilderte Kippenberg seine Erinnerungen an die Zeit um den 11. April 1945.
An diesem Tag trafen die Amerikaner vom Solling kommend über Dorste im Gebiet von Windhausen ein. Weil das Brücktor im Verlauf der Eisenbahnstrecke Seesen-Osterode bei Windhausen und die Brücke über das Schlungwasser gesprengt worden war, bezogen die Amerikaner zunächst am Bahndamm Stellung.
Maschinengewehr-Feuer ging über Windhausen hinweg und einzelne Häuser wurden getroffen. Etwa das landwirtschaftliche Anwesen Renneberg am Brink – heute in der Burgstraße. Es geriet in Flammen.
Als ein beherzter Einwohner den Amerikanern mit einer weißen Fahne entgegenkam, marschierten die Truppen unter vorfahrenden Panzern in den Ort ein.
In Windhausen war die Brücke (Untere Harzstraße) an der Gaststätte Zur Alten Mühle gesprengt worden, was für die einmarschierenden Truppen kein Hindernis war. „Laut Zeitzeugenberichten setzten die Besatzungstruppen Ludwig Keinert senior auf einen Panzer und fuhren mit ihm in den Ort hin­ein”, berichtete Kippenberg.
Die Amerikaner durchsuchten und besetzten einige Häuser und richteten eine amerikanische Kommandantur ein, in der Wehrpässe eingezogen und Lebensmittelkarten ausgegeben wurden. „Auch in das Haus meiner Großeltern in der Burgstraße kam ein Soldat mit gezogener Pistole. Ich kann mich noch daran erinnern. Ich klammerte mich an meine Mutter, die vom Keller bis zum Dachboden alle Räume zeigte. Für sie muss das besonders schmerzlich gewesen sein, denn durch einen Angriff der Amerikaner im Breisgau fiel mein Vater”, schildert Kippenberg.
In Bad Grund marschierten Einheiten der 4th CavRenSp – eine amerikanische Aufklärungseinheit – von Gandersheim und Münchehof kommend ein. Eine Einheit unter Leutnant Mc Keand drang gegen 14 Uhr von Westen durch das Kelchtal in die Stadt ein. Ein Panzer riegelte die Bergstadt in Richtung Harz ab. Die Einheiten durchsuchten im östlichen Ortsteil die Häuser. Im übrigen Stadtgebiet übernahmen andere amerikanische Truppen die Hausdurchsuchungen.
Die örtlichen deutschen Truppen wurden von dem schnellen Vorstoß der Amerikaner überrascht. Der Stab der Kampfgruppe Görbig, der sich im Zuckerhaus in der Pfarrwiese 1 eingerichtet hatte, wurde gefangen genommen. Fünf deutsche Soldaten kamen dabei um. Oberst Görbig und weitere Soldaten seines Stabes ergaben sich.
Insgesamt gab es in Bad Grund 239 Gefangene. Neun Soldaten und zwei Einwohner wurden getötet. Das Offiziersnachwuchs-Bataillon des Grenadier-Regiments 517, das nach einem Fußmarsch am Vormittag des 11. April 1945 Bad Grund erreicht hatte, konnte sich im letzten Moment vor den amerikanischen Truppen in Richtung Harz absetzen. Der amerikanische Trupp C nahm die Harzhochstraße östlich von Bad Grund ein und kam dort unter Granatwerferbeschuss. Dadurch kam dieser Vormarsch zunächst ins Stocken. Im Bereich der Schurbergstraße wurden Panzersperren errichtet. Die von der Familie des Betriebsführers Paeseler genutzte Wohnung in der Clausthaler Straße wurde als eine der ersten Wohnungen besetzt, da sie einen Fernsprechanschluss hatte