Auszeichnung für die innovative Vermittlung

Dr. Martin Eberle, Ortrud Krause, Dr. Sabine Schormann, Gero Geißlreiter, Prof. Dr. Roseneck, Günter Jentsch und Thomas Toebe (von links) freuen sich über den Museumspreis 2011.

HöhlenErlebnisZentrum in Bad Grund erhält den Museumspreis 2011 der Niedersächsischen Sparkassenstiftung

Von Sandy Heinzel
Bad Grund


Vor 385 Millionen Jahren entstand der Iberg als Korallenriff in der Südsee. In etwa dort, wo das heutige Madagaskar liegt. Damals krabbelten die ersten Wirbeltiere an Land – wohl auf der Suche nach Evolution. Ein paar Millionen Jahre später wuselten bereits kleine Säugetiere zwischen Dinosauriern umher, und erst vor etwa vier Millionen Jahren erschien das erste, menschenähnliche Wesen auf unserem Planeten. Seitdem ist viel Zeit ins Land gegangen, und es wurden noch einige Evolutionsphasen durchlebt, bevor wir im Heute und Jetzt angekommen sind. Inzwischen ist der Homo Sapiens wohl mehr oder weniger zivilisiert, hat den Höhlenbau perfektioniert und zückt nicht sofort die Keule, um Konflikte zu lösen.
Apropos Höhle. Das HöhlenElebnisZentrum in Bad Grund wurde vor etwas mehr als drei Jahren, im Juli 2008, eröffnet und konnte seitdem circa 265.000 Besucher willkommen heißen. In aller Munde war das Höhlenmuseum, als für die vor rund 3000 Jahren am südlichen Harzrand lebenden Vorfahren und deren Nachfahren mit dem „Museum am Berg“ im HöhlenErlebnisZentrum ein eigenes Museum gebaut wurde. Die Anthropologen der Universität Göttingen konnten die Knochenfunde aus einem Familiengrab der Lichtensteinhöhle analysieren und erreichten nach DNA-Vergleichen eine Weltsensation: Es konnte der älteste Stammbaum der Menschheitsgeschichte mit mehr als 120 Generationen erstellt werden.
Neben dem „Museum am Berg“ präsentiert das Höhlen­ErlebnisZentrum (HEZ) mit dem „Museum im Berg“ das Korallenriff, den Iberg, und die Iberger Tropfsteinhöhle. Grund für die Fachjury des Museumspreises, das HEZ auszuzeichnen, war aber nicht allein dieser wunderschöne Exot im Harzer Gebirge, sondern auch die vorbildliche Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern und das hervorragende Konzept dieser bedeutenden Stätte sowie die Arbeit von Museumsleiterin Ortrud Krause und ihrem Team, die sich besonders durch Kompetenz und Freundlichkeit auszeichnet.
Mit dem Museumspreis prämiert die Niedersächsische Sparkassenstiftung alle zwei Jahre Museen im Land, die Vorbildliches auf dem Feld der Museumsarbeit geleistet haben und mit ihrer Arbeit anderen Einrichtungen als beispielhaft vorgestellt werden können. In diesem Jahr wurde der Preis zum zehnten Mal vergeben. Das HöhlenErlebnisZentrum in Bad Grund hatte am vergangenen Donnerstag zahlreiche Pressevertreter, Sponsoren und Freunde in das Foyer eingeladen, um der Feierstunde beizuwohnen.
Begrüßt wurden die Gäste von Gero Geißlreiter, 1. Kreisrat des Landkreises Osterode, der besonders Prof. Dr. Reinhard Roseneck und Ortrud Krause sowie dem Architekten Dipl.-Ing. Uwe Kleineberg und den Anthropologen der Universität mit Dr. Susanne Hummel an der Spitze dankte. Aber auch der anwesende Landrat Bernhard Reuter sollte in der Laudatio von Gero Geißlreiter erwähnt werden. Reuter habe dieses Projekt schließlich maßgeblich gefördert. Und auch Dr. Sabine Schormann dankte dem Landrat im Namen der Niedersächsischen Sparkassenstiftung und des Landkreises Osterode: Dafür, dass er die Treue hält und auch am Tag der Auszeichnung Präsenz zeigte.
Stiftungsdirektorin Schormann konnte sich auch noch gut an die schwierigen Phasen des HEZ erinnern, empfand es aber dennoch als besonders wichtig, das Höhlenmuseum zu fördern und das eigene Erleben der Besucher in den Mittelpunkt zu stellen. An dieser Stelle zitierte sie Oscar Wilde, der einst sagte: „Denken ist wundervoll, aber noch wundervoller ist das Erlebnis“. Nicht nur die Ansprüche solcher Einrichtungen seien unter anderem durch ökonomische Zwänge, ein stark wachsendes kulturelles Angebot und den ständigen Bedarf nach Erleben gestiegen, auch die Konkurrenz ist präsenter denn je. Auch aus diesem Grund sollen Häuser, die den Spagat zwischen Forschen, Vermitteln, Bewahren, Sammeln und Präsentieren gekonnt meistern, gewürdigt werden.
Anschließend kam Jurymitglied Dr. Martin Eberle vom Gothaer Museum Schloss Friedenstein in seiner unterhaltsamen und lockeren Laudatio auf die sensationellen Knochenfunde zu sprechen. Diese seien nicht nur eine absolute Weltsensation gewesen, auch spreche es für die Schönheit der Region. Schließlich würde eine Familie sonst nicht seit 3000 Jahren hier ansässig sein. Außerdem nannte Eberle die Argumente für die Vergabe des Museumspreises. „Dem HöhlenElebnisZentrum ist es gelungen, wissenschaftliche Ergebnisse auf innovative, lebensnahe Weise für interessierte Laien verständlich zu machen. Dabei ist das Museum neue, zukunftsweisende Wege gegangen, die auszeichnungswürdig sind.“
Thomas Toebe, Vorsitzender des Vorstandes der Sparkasse Osterode am Harz freute sich: „Das junge HöhlenElebnisZentrum“ hat sich in unserer Region etabliert und erfährt enormen Zuspruch von Jung und Alt. Dies ist auch zum Wohle der hier lebenden Bevölkerung.“ Toebe zeigte sich davon überzeugt, dass das HEZ mit dem Landkreis als Träger in guten Händen sei und durfte schließlich den Museumspreis 2011 an Museumsleiterin Ortrud Krause übergeben.
Abschließend dankte Prof. Dr. Reinhard Rosenecke neben dem Kreisarchäologen Dr. Stefan Flint auch allen Sonderfachleuten und Handwerkern.