Bad Grund entpuppt sich an Walpurgis als Partymeile

 

Tausende pilgerten in die Bergstadt / Teuflisch gute Stimmung und kesse Hexen / Bands rockten ab

Ganz im Zeichen von Walpurgis stand Bad Grund am vergangenen Samstag. Der Ortskern war weiträumig gesperrt, buntes Treiben an teilweise vier Bühnen gleichzeitig lockte viele tausend Schau- und Feierlustige in die Bergstadt.

Von Camillo Kluge

Bad Grund. Nachmittags zogen nicht nur die Buden und Fahrgeschäfte die Kinder in ihren Bann. Für den teuflischen und Hexennachwuchs waren viele Spiele vorbereitet. Dosenwerfen und Fichtenzapfen-Zielwurf, Dinge erfühlen oder Nägel einschlagen begeisterten ebenso wie der Clown, der Luftballonfiguren bastelte oder die lustigen Tänze, die kleine und große Hexen vorführten. Dabei waren die Hexen sogar international. Ein Gruppe aus Schweden hatte sich mit vielen Nachwuchshexen eingefunden und machte alle Hexentänze fehlerfrei und voler Begeisterung mit.
Derweil traten auf der Rockbühne auf dem Hübichplatz fünf Bands an, um sich im „Wacken Metal Battle“ zu messen. Doch war es wohl noch zu früh für die Metal-Rocker, denn noch war die Menge der Fans der harten Klänge auf dem Platz recht überschaubar. Dabei ließen Gruppen wie „Dust Bolt“ ihre wilden Mähnen in klassischer Metaller-Manier nur so fliegen. Besonders Sänger und Gitarrist Lenny B. dürfte auch einige Mädchen mit seiner hüftlangen lockigen Mähne neidisch gemacht haben. Doch je später es wurde, desto mehr füllte sich auch der Hübichplatz. Mit den Formationen „Johnny Deathshadow“, die durch ihre gruselige Maskerade die hässlichsten Hexen und Teufel locker übertrafen, über die Seesener Größe „Exit Inside“, bis hin zu „Planet Emily“ oder „Unzucht“ am späten Abend wurden dann jedoch viele Fans gelockt und die Rockbühne dicht umlagert.
Hier waren die meisten Zuschauer schwarz gewandet, Hexen und Teufel kaum zu sehen. Auch am Marktplatz hielt sich deren Aufkommen am Abend in Grenzen. Die meisten Hexen waren somit am Hübichenstein aufzufinden, wo „Luzifer und der Fuhrmann“ viele Hundert Zuschauer auf der Felsenbühne begeisterte.
Förster und Fuhrleute bangen wegen unheimlicher Ereignisse, die ihnen im Wald widerfahren sind. Doch der wackere Fuhrmann Franz ignoriert alles Warnen und auch die Bitten seiner Braut Gertrud und fährt noch eine Fuhre holen. Doch auf der Rückfahrt von Mönchehof nach Bad Grund gerät er in die Fänge des Hexenvolkes samt Luzifer. Die wollen ausschweifend feiern, doch der Fuhrmann stört und wird verzaubert. Gertrud kann ihn dank der Hilfe von König Hübich und seiner Zwerge mit einem Kreuz nicht nur befreien, sondern das grauselige Hexenvolk auch wieder verjagen. Kurzweilig präsentiert sich die Geschichte, gigantisch dagegen die Bühne. Diese Kulisse ist einmalig, und bildete wieder den perfekten Hintergrund für ein Walpurgisschauspiel. Den Darstellern war anzumerken, wie viel Spaß ihnen die Aufführung bereitet, genauso wie dem begeisterten Publikum.
Gefeiert wurde an den beiden Musikbühnen und später auch im Atrium allerdings bis spät in die Nacht. Die Maikönigin hatte schon längst die Wintergeister vertrieben, die Kirchturm zweimal geschlagen, als rund um die beiden Bühnen Ruhe einkehrte. Im Atrium hingegen, da tobte das Partyvolk bei der „Freaky Night“ zu House, Minimal und Electro bis in den frühen Morgen.