Bei Ausbildung durchs Feuer gegangen

Realistische Übungsbedingungen: Bei der so genannten Heißausbildung werden die Feuerwehrleute für viele mögliche Gefahrenquellen sensibilisiert. (Foto: bo)

Brandschützer der Samtgemeinde Bad Grund durchlaufen besondere Schulung

Bad Grund (ds/bo). Die seit einigen Jahren stetig wachsenden Anforderungen an die Freiwilligen Feuerwehren und insbesondere die Atemschutzgeräteträger tragen zu einer Intensivierung der Ausbildung entscheidend bei. Zu diesem Zweck werden in regelmäßigen Abständen Fortbildungen zu speziellen Themen aus dem Bereich Atemschutz durchgeführt. Das sichere Beherrschen der vorhandenen Technik und das richtige Anlegen der persönlichen Schutzausrüstung wird dabei immer wieder geübt.
Das allein reicht aber noch nicht aus. Auch das Vorgehen mit der geeigneten Taktik oder das Verhalten bei einem Notfall bedarf einem hohen Ausbildungsaufwand - und das zusätzlich zu den allgemeinen Übungsdiensten in der Ortsfeuerwehr.
Die Häufigkeit von Zimmer- oder Wohnungsbränden verringerte sich in den letzten Jahren nach und nach. Die Intensität, und damit die um ein Vielfaches erhöhte Gefährdung der Einsatzkräfte, nimmt dagegen immer mehr zu. Vor diesem Hintergrund wurde nun den Feuerwehren der Samtgemeinde Bad Grund (Harz) erstmalig eine Ausbildung unter realistischen Bedingungen in der Brandübungsanlage in Bad Gandersheim ermöglicht. Sie wird vom Landkreis Northeim auf dem Gelände der Feuerwehrtechnischen Zentrale seit gut fünf Jahren betrieben.
Voran gingen aber erst einmal diverse theoretische und praktische Aus- und Weiterbildungen zum Thema Innenangriff und besonders zur Handhabung eines Hohlstrahlrohrs. Bereits im Vorfeld waren dabei das Interesse und die Motivation der Brandschützer, trotz des zusätzlichen Zeitaufwands, auf einem hohen Niveau.
Gegliedert in drei Gruppen zu je acht Personen durchliefen die Brandschützer aus Badenhausen, Bad Grund, Eisdorf, Gittelde, Willensen und Windhausen über den ganzen Samstag verteilt die Praxisausbildung in der Brandübungsanlage. Diese besteht aus zwei aneinander gebauten Containern und wird mit Gas betrieben.
Bevor es aber richtig losging, wurde auf einige wichtige Regeln und Verhaltensweisen aufmerksam gemacht und eine Einweisung in den Ablauf der Ausbildung gegeben. Anschließend folgten die Herstellung der Einsatzbereitschaft der Atemschutzgeräte und das Anlegen der Schutzkleidung.
Fertig ausgerüstet wurde ein erster Durchgang ohne Verrauchung mit einem Ausbilder durch gemacht, bei dem die diversen Sicherheitseinrichtungen gezeigt und erklärt wurden. Sollte es zu einem Notfall kommen, kann binnen weniger Sekunden der gesamte Container entlüftet und rauchfrei gemacht werden. Weiterhin wurde eine kurze Wärmegewöhnungsphase durchgeführt, bei der die Brandstellen einzeln nacheinander gezündet wurden.
Als Einstieg erwartet die Teilnehmer ein so genanntes „Hot Door“-Element: Eine Metalltür, die elektrisch beheizbar ist und den Einsatzkräften einen typischen Wärmeverlauf simuliert. Im Inneren folgen darauf zwei Brandstellen. Vorher müssen aber noch einige kleine Hindernisse bewältigt werden, bei denen man schon langsam mit den hohen, in der Anlage herrschenden Temperaturen in Berührung kommt. Den eigentlichen Brandraum erreicht man danach durch eine weitere Tür. Hier im zweiten Container sind dann mehrfach hintereinander ein Flächenbrand und ein sich säulenartig nach oben ausbreitendes Feuer zu bekämpfen. Dabei dürfen Truppführer und -mitglied aber nicht die an der Decke plötzlich durchzündenden Rauchgase aus den Augen verlieren; denn hierbei werden vereinzelt Temperaturen im Deckenbereich von über 1.200 Grad Celsius erreicht. Schnellstens müssen sich dann beide in eine sichere Position begeben und mit einem breiten Wasserschirm (Mannschutz) vor dem so genannten „Flash-Over“ schützen.
Ein ebenfalls mit umluftunabhängigem Atemschutz ausgerüsteter Ausbilder hält sich während der gesamten Übungsphase in unmittelbarer Nähe des Trupps in der Anlage auf, um bei Bedarf unterstützend tätig zu werden. Von einem Steuerungs- und Überwachungsstand aus kann ein weiterer Ausbilder (Bediener) durch Scheiben und zusätzliche Kameras das Vorgehen im Inneren überwachen.
Jeder Teilnehmer durchläuft die Brandübungsanlage einmal als Truppführer und in einem zweiten Durchgang als Truppmitglied. Somit können die unterschiedlichen Aufgaben als Strahlrohrführer oder bei der Sicherstellung einer ausreichenden Schlauchreserve verdeutlicht werden. Abschließend folgen die gemeinsame Auswertung der Übung und lehrreiche Hilfestellungen vom Ausbilder für die sichtlich erschöpften Trupps.
Die Kosten für diese nicht alltägliche, jedoch äußerst sinnvolle Schulungsmöglichkeit unter realen Bedingungen werden von der Samtgemeinde Bad Grund getragen.