Bei Bad Grund entsteht ein Pumpspeicherwerk

Der Wiemannsbuchtschacht bei Bad Grund ist 700 Meter tief. Bis 2020 soll dort das erste Pumpspeicherwerk im Harz entstehen. Die Kosten liegen zwischen 150 und 200 Millionen Euro. (Foto: Strache)

Im Wiemannsbuchtschacht soll ein Pilotprojekt starten / Inbetriebnahme ist voraussichtlich 2020

Die ehemaligen Berkwerksstollen im Harz könnten in den nächsten zehn Jahren wieder an wirtschaftlicher Bedeutung für die Region gewinnen. Grund sind Planungen, in den alten Stollen Pumpspeicherwerke zu bauen, um Energie aus Solar- und Windkraftanlagen zu speichern. Eine Pilotanlage soll in Bad Grund errichtet werden.

Von Maximilian Strache

Osterode / Bad Grund. Im Zuge der politisch eingeleiteten Energiewende werden die alten Schächte wieder interessant. Das Energie-Forschungszentrum Niedersachsen hat ein Konzept für eine Pilotanlage bei Bad Grund (Wiemannsbucht) erarbeitet, die bereits 2020 in Betrieb genommen werden kann. Dies erläuterte Marko Schmidt, Projekt-Koordinator, im Rahmen der 4. Harzer Energiesparmesse in Osterode am vergangenen Freitag.
Schmidt führte aus, dass es bisher sehr schwierig sei, durch Solar und Wind gewonnene Energie zu speichern. Ständige Wetterveränderungen führen dazu, dass Strom aus alternativer Energiegewinnung nicht so zuverlässig zur Verfügung steht wie aus Kohle- oder Atomkraft. Folge sind erhebliche Schwankungen in den Stromnetzen. Die Netze können sogar zusammenbrechen, wenn zu viel oder zu wenig Strom fließt.
Eine Möglichkeit, Energie zu speichern, ist Wasserkraft. Die Funktionsweise dieser Technik ist relativ einfach. Produzieren die großen Windkraft-Anlagen an der Küste viel Strom, wird diese Energie genutzt, um im unterirdischen Harzer Pumpspeicherwerk erhebliche Mengen Wasser in ein Becken zu pumpen. Herrscht Windstille, und die Anlagen an der Küste produzieren keinen Strom, entsteht eine Versorgungslücke. Dann wird das Wasser abgelassen und fließt mit hoher Geschwindigkeit durch Turbinen, die dann Strom erzeugen. Die Fallhöhe des Wassers beträgt 600 bis 650 Meter. Vom Prinzip her ist diese Technik nichts anderes als der klassische Dynamo am Fahrrad. Nur, dass die Turbinen im Pumpspeicherwerk durch Wasserkraft in Bewegung gesetzt werden.
Mit dem so gewonnenen Strom können nach Angaben der Experten 20.000 Haushalte einen Tag mit Strom versorgt werden.
Die Kosten für das Pilotprojekt belaufen sich je nach Umfang des Werkes auf 150 bis 200 Millionen Euro.
Der Staatsekretär im niedersächsischen Ministerium für Umwelt und Klimaschutz, Stefan Birkner, betonte, dass das Land Niedersachsen bestrebt ist, den Anteil erneuerbarer Energien konsequent auszubauen.
Insgesamt stehen im Harz neun ehemalige Bergwerke zur Verfügung, die potentiell für diese technische Umsetzung in Frage kommen.
In Bad Grund soll am Dienstag, 24. Mai, eine Informationsveranstaltung mit dem Titel „Windenergiespeicherung durch Nachnutzung stillgelegter Berkwerke“ durchgeführt werden.