Demografischer Wandel fordert Zusammenarbeit

Der öffentliche Nahverkehr wie beispielsweise am Gittelder Bahnhof soll durch bessere Parkmöglichkeiten attraktiver werden.

Bad Grund entwickelt mit der Stadt Osterode ein Handlungskonzept / Geburtenrückgang und ein hoher Altersdurchschnitt

Kein niedersächsischer Landkreis verliert jedes Jahr so viele Einwohner wie die Stadt Osterode.

Was Todesfälle, Geburtenrückgang und Altersdurchschnitt betrifft, steht die Kreisstadt in der Statistik ganz vorn. Auch in der Gemeinde Bad Grund werden immer weniger Kinder geboren. Aufgrund dieser traurigen Tatsache soll die Zusammenarbeit der beiden Kommunen ausgebaut werden um dem demografischen Wandel entgegenzuwirken.
Ein wichtiges Ziel dieser Kooperation ist das gemeinsame Einwerben von Fördermitteln aus dem Städtebauförderungsprogramm „Kleinere Städte und Gemeinden“, einer Initiative des Bundesministeriums für Verkehr und digitaler Infrastruktur.
Deshalb haben die Stadt Osterode und die Gemeinde Bad Grund zusammen mit der „planungsgruppe lange puche“ ein kommunenübergreifendes Integriertes Entwicklungs- und Handlungskonzept (IEK) entwickelt. In diesem Konzept werden einzelne Handlungsfelder, wie zum Beispiel „Schul- und Bildungsversorgung“ oder „Seniorenversorgung“ betrachtet und in konkrete Strategien beziehungsweise Projekte übertragen.
Diese Strategien wurden mit den Räten, bestehend aus Verbands- und Vereinsmitgliedern, Vertretern aus beiden Verwaltungen und Einwohnern erarbeitet.
Als wichtigste Handlungsfelder wurden die Schul- und Bildungsversorgung, die Familienversorgung und -betreuung, die Versorgung von Senioren, das Gemeinschafts- und Vereinswesen und die Kultur-, Freizeit- und Sportversorgung festgelegt. Überdies wurden auch die Mobilitätsvorsorge, Verkehrsinfrastruktur, Arbeitsstätten, Katastrophenschutz und Verwaltung als Handlungsfelder identifiziert.
Im Mittelpunkt der wichtigsten Handlungsfelder stehen unter anderem die Sicherung gleichwertiger Lebensverhältnisse, der Erhalt beziehungsweise die Reaktivierung wichtiger Bezugspunkte des öffentlichen Lebens wie beispielsweise der örtlichen Bahnhöfe, seniorengerechter Wohnraum, eine effektive Verwaltung, die Barrierefreiheit öffentlicher Einrichtungen, Leerstandsbehebung, die Schaffung einer tragfähigen Infrastruktur und Arbeitsplatzbeschaffung.
Mit diesem Projekt soll der Verlauf und das schnelle Voranschreiten des demografischen Wandels beeinflusst werden. Vor allem die stark sinkenden Schülerzahlen in der Gemeinde Bad Grund zwingt die Kommune, das Grundschulsystem neu zu gestalten. Diese Tatsache könnte auch dazu führen, dass es in Zukunft nur noch einen zentralen Schulstandort nebst Außenstelle geben wird. Dies wurde während der Gemeinderatssitzung am 20. März deutlich (der „Beobachter“ berichtete).
In diesem Fall müsse über eine sinnvolle Nachnutzung der dann leerstehenden Schulgebäude beraten werden.
Neben den Schulen und Behörden fordert der Bevölkerungsrückgang in der Gemeinde Bad Grund auch die Vereine heraus. Sie könnten zukünftig aufgrund der rückläufigen Mitgliederzahlen Probleme bekommen, da es immer schwieriger wird, Freiwillige für die Vorstandsarbeit zu finden.
Im Handlungsfeld Kultur-, Freizeit-, Sportversorgung und dem damit einhergehenden Vereinswesen ist deshalb eine ortsübergreifende Stelle für die Vereinsarbeit geplant. So soll eine Vereinskooperation beider Kommunen sichergestellt werden, indem sich beispielsweise Sportvereine zusammenschließen.
Im Bereich der Familienversorgung und -betreuung wird eine flexible 24-Stunden-Betreuung für die Kinder anvisiert. Sie soll gewährleisten, dass Eltern ihre Sprösslinge rund um die Uhr in die Obhut von Erziehern geben können. So könnten auch Arbeitsplätze mit flexiblen Einsatzzeiten ausgeübt werden.
Der öffentliche Nahverkehr soll durch bessere Parkmöglichkeiten beispielsweise am Gittelder Bahnhof interessanter für die Bürger werden. Dort sollen zukünftig auch Aufladestationen für E-Bikes und Elektroautos eingerichtet werden.
Die Kosten für die Umsetzung des IEK werden auf rund zehn Millionen Euro für beide Kommunen geschätzt. Bisher wurde das Programm nur beschlossen. „Bis einzelne konkrete Projekte umgesetzt werden können, bedarf es der Genehmigung durch das Sozialministerium“, so Bürgermeister Harald Dietzmann. Wie viel die Gemeinde Bad Grund und die Stadt Osterode hierfür finanziert bekommen, ergibt sich aus den Verwaltungsvereinbarungen. Auch diese wurden noch nicht getroffen.