Der Jugendarbeit stehen schwere Zeiten bevor

Trotz der schwierigen Zukunft ist den Mitarbeitern im Jugendcafé noch nicht ihr Lächeln und ihre gute Laune verloren gegangen. (Foto: Strache)

Ehrenamtlicher Jugendpfleger von Windhausen kündigt sein Amt / Jugendcafé steht auch vor Problemen

Von Camillo Kluge
Windhausen / Badenhausen

Zum Monatsende hat Holger Beyer, ehrenamtlicher Jugendpfleger der Gemeinde Windhausen, sein Engagement gekündigt. Das wurde jetzt beim Ausschuss für Jugend, Senioren, Sport, Fremdenverkehr, Kultur, Heimatpflege und Umwandlung publik. Ein Nachfolger ist derzeit nicht in Sicht.
Doch ist das nicht das einzige Damoklesschwert, das über der Jugendarbeit der Samtgemeinde schwebt. Denn mit dem Aus der Beschäftigungsinitiative Samtgemeinde Bad Grund (BIS) zum Jahresende droht auch dem Jugendcafé in Badenhausen und der dort angebotenen Nachmittagsbetreuung für Schulkinder das Ende. „Die Jugendräume in Eisdorf und Gittelde berührt das aber nicht“, sagt Melanie Henschel, Jugendpflegerin der Samtgemeinde.
Auch in Windhausen stellt sich nach der Ausschuss-Sitzung die Situation zum Glück für den Nachwuchs nicht ganz so dramatisch dar, wie es im ersten Moment klingt. Zweieinhalb Jahre hat Beyer mit Unterstützung von Cordula Funke den Jugendraum in Windhausen geführt. „Er hat viel in der Jugendarbeit bewegt“, lobte der stellvertretende Gemeindedirektor Grupe und betonte die „für uns Verwaltungsleute sehr angenehme Zusammenarbeit.“ Nun brauche man schnellstmöglich einen geeigneten Nachfolger, denn der Jugendraum benötigt „klare Regeln und Strukturen, allein schon wegen der Haftung“, so Grupe. „Wir brauchen eine Bezugs- und Vertrauensperson vor Ort, ein Springer ist nicht effektiv“, betonte Grupe. Doch auch wenn Beyer zum Monatsende dieses Amt gekündigt hat, muss die Gemeinde nicht unter Hochdruck einen Nachfolger präsentieren. „So lange kein Nachfolger da ist, mache ich erst einmal weiter“, sagte Beyer zu.
In diesem Amt zweieinhalb Jahre durchzuhalten, ist also nicht nur „aller Ehren wert“, wie Grupe meinte, sondern es beweist auch, dass einiges an Herzblut in die Tätigkeit eingebracht wurde. Kummerkasten, Beschäftigungstherapeut, Ratgeber und Spielkamerad sind nur einige Funktionen, die der Ortsjugendpfleger ausfüllen sollte. Dazu sind noch Ideen einzubringen, um die bunte Jugendgruppe zwischen 12 und 21 Jahren zu begeistern. Grupe legte den Ausschuss-Mitgliedern jedenfalls ans Herz: „Guckt über den Zaun, sprecht mit den Nachbarn, vielleicht findet sich so ein geeigneter Kandidat.“
„Eigentlich kann den Posten jeder übernehmen“, sagt Henschel, gibt aber gleich einige Voraussetzungen vor. Vor allem ein Interesse an der Jugend und an dem, was die Jugend interessiert, sollte ein ehrenamtlicher Jugendpfleger haben. „Er kann nicht schreiend davon laufen, wenn die ihre Musik einmal aufdrehen“, nennt sie ein Beispiel, „er muss an der Jugend dran sein.“
In Eisfeld und Gittelde, wo zwei weitere Jugendräume der Samtgemeinde installiert sind, geht alles weiter seinen Gang. „Eigentlich sind die Jugendräume auch Selbstläufer“, sagt Henschel, „ich greife da eigentlich nirgends ein.“ Wenn Probleme auftauchen, ihr Rat oder ihre Hilfe gefragt sind, steht sie aber jederzeit zur Verfügung. So hat sie in Eisdorf mitgeholfen, auch die jüngere Zielgruppe zum Jugendraum zu führen. „Jetzt teilen sich die Tätigkeit dort drei junge Leute, die einst selbst regelmäßig Gast im Jugendraum waren“, sagt sie. Vielleicht ein Modell, das in Windhausen greifen kann, denn nicht überall hat man das Glück wie in Gittelde, wo ein Sozialpädagoge dieses Amt schultert. „Besonders wichtig sind verlässliche Zeiten“, betont Henschel.
Die gibt es auch noch beim Jugendcafé, doch wenn es dabei bleibt, dass BIS endet, muss dringend über ein neues Konzept nachgedacht werden. „Ohne die Ein-Euro-Kräfte sind viele Sachen nicht mehr möglich“, so Henschel. Die Ein-Euro-Kräfte sind immerhin pädagogische Fachkräfte, die sich im Laufe der mehr als drei Jahre BIS zu festen Bezugspersonen für die Kinder entwickelt haben. Und die Kinder lernten zwar einen gewissen Grad Selbständigkeit, aber auch ein förderliches Miteinander im Umgang. Doch ohne BIS droht das Aus für die Nachmittagsbetreuung samt Essensausgabe und Hausaufgaben-Betreuung. Genauso wird das bislang üppige Ferienpass-Angebot nur noch eingeschränkt umzusetzen sein. „Solte das Jugendcafé tatsächlich schließen müssen“, sagt Henschel, „müssen dringend Alternativen her.“