„Der Letzte macht das Licht aus“ – Mende am Ende

Die Firma Mende wird zu Grabe getragen.
 
Nach 125 Jahren muss die Firma Mende in Gittelde ihren Betrieb einstellen. Alle Hoffnung der Belegschaft wurde am Ende enttäuscht.

220 Arbeiter verlieren ihren Job / Unternehmen wird verwertet

Nach langem hin und her ist es jetzt offiziell. Die Firma Mende in Gittelde / Teichhütte stellt mit sofortiger Wirkung den Betrieb ein. Versuche, das Unternehmen an einen Investor zu verkaufen, der den Geschäftsbetrieb fortführt, sind in letzter Minute gescheitert. Ein Verwertungsunternehmen hat den Zuschlag erhalten.

Von Maximilian Strache

Gittelde / Teichhütte. „Mein Mann und seine Kollegen fühlen sich, als habe man ihnen ein Messer in die Brust gestoßen.“ Diese Worte erreichten am Mittwoch um 16.50 Uhr das elektronische Postfach der Redaktion. Verfasst hat sie die Ehefrau eines Mende-Mitarbeiters. Weiter schreibt sie: „Drei Wochen vor Weihnachten kann sich irgendwo da draußen jemand die Hände reiben und freuen, zukünftig noch fettere Braten an Weihnachten essen zu können.“ Natürlich entstammen diese Worte einer Feder, die nicht mit Tinte, sondern mit Wut und Verzweiflung schreibt. Doch trotzdem beschreiben diese Worte nur allzu deutlich, wie es vermutlich in vielen der rund 220 Mende-Mitarbeiter aussieht.
Es ist kaum mehr als eine Woche her, da standen über 100 Mitarbeiter vor dem Verwaltungsgebäude in Gittelde / Teichhütte und demonstrierten lautstark für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze. In den Büros tagte der Gläubigerausschuss und beratschlagte über die Zukunft der Firma. Gestern wurde den Mitarbeitern in einer Betriebsversammlung im Atrium das Ergebnis eröffnet. Der Betriebsratsvorsitzende berichtete im Rahmen dieser Veranstaltung, dass die Verhandlungen mit einem russischen Investor, der die Geschäfte weiterführen wollte, gescheitert seien. Grund dafür sei jedoch nicht der Kaufpreis des Unternehmens gewesen. Zudem betonte der Betriebsratsfunktionär mehrfach, dass man alles versucht habe, um das Unternehmen doch noch zu retten. Am Ende sei den Verantwortlichen jedoch die Zeit davongelaufen. Aus eigener Kraft konnte das Unternehmen über den 30. November hinaus nicht mehr existieren.
Den Zuschlag hat jetzt ein Maschinen-Verwertungsunternehmen erhalten. Insgesamt seien etwa 50 Investoren an dem Unternehmen interessiert gewesen. Ende Oktober waren es noch vier. Ab Mitte November buhlten noch zwei Investoren um den Zuschlag.
Nach „Beobachter“-Informationen wurde den Mitarbeitern die Nachricht über das Aus schon am Mittwochnachmittag indirekt verkündet. Den Arbeitern der Nachtschicht wurde mitgeteilt, nicht mehr zur Arbeit antreten zu dürfen.
Für die Mitarbeiter des Traditionsunternehmens dürfte die Entscheidung vor allem im Hinblick auf die jahrelange Zitterpartie ein Schlag ins Kontor sein. Schon seit langem übte sich die Belegschaft in Lohnverzicht, verbunden mit der Hoffnung, einen Beitrag zum Erhalt der Firma leisten zu können. Nun erweist sich die Opferbereitschaft der Arbeiter als zwecklos. Ein Großteil der Arbeiter wird freigestellt und kann stempeln gehen. Die restliche Belegschaft wird mit der Abwicklung des Unternehmens betraut.
Für die Region und vor allem für den Flecken Gittelde ist dies die zweite große Firmenschließung innerhalb nur weniger Jahre. Nach der „Fuba“, dem einst größten Arbeitgeber, schließt nun auch das Gittelder Traditionsunternehmen Mende. Ob der angespannten Wirtschaftslage im Landkreis Osterode am Harz wird es für viele Mende-Mitarbeiter schwierig werden, einen neuen Job zu finden.