Die „Ära“ des Doppeljahrgangs überstanden

Die Abiturienten aus Bad Grund (obere Reihe von links): Laura Marx, Alexander Langner, Lisa Brinkman; (untere Reihe von links) Francesca Knopp, Julia Klingsöhr und Julia Völkel. Es fehlt Marius Klingebiel. (Foto: bo)

147 Abiturienten lassen ihre Schulzeit hinter sich – darunter sieben Bad Grundner

Von Julia Klingsöhr, Bad Grund

„Nie mehr Schule“ heißt es seit mehr als einer Woche für die Abiturienten des Tilman-Riemenschneider-Gymnasiums in Osterode. Damit ist für die zurückbleibenden Schüler und Lehrer die Ära des berüchtigten Doppeljahrgangs überstanden, Erinnerungen an die Zeit voller organisatorischer Herausforderungen aber bleiben. Eine wechselhafte Zeit liegt hinter den 147 Abgängern, auf die sieben Bad Grunder Abiturienten zurückblicken.
„Wir haben zusammen gelernt, gelacht und geweint“, fasst Francesca Knopp die vergangenen zwei Jahre zusammen.
Bis dahin war es allerdings ein langer Weg. Zu Beginn der Oberstufe gab es keinen Zusammenhalt im Jahrgang, der aufgrund der Verkürzung der Schulzeit bis zum Abitur aus zwei Teilen bestand: den „Juniors“, die nach zwölf Jahren, und den „Seniors“, die nach 13 Jahren ihre Schulzeit beendet haben. „Am Anfang haben wir uns gar nicht getraut, uns zu melden. Die „Seniors“ waren vom Stoff her einfach viel weiter“, sagt Lisa Brinkmann, die wie Francesca Knopp von den Bad Grundnern zum jüngeren Teil des Jahrgangs gehört.
Doch durch die vielen gemeinsamen Aktionen wuchsen die Schüler nach und nach zusammen. Ein besonderes Erlebnis innerhalb dieser Entwicklung war für Julia Klingsöhr der Laternenlauf durch die Osteroder Innenstadt. Dort wäre der Gemeinschaftssinn zum ersten Mal deutlich zu spüren gewesen. Laura Marx sieht die interne Jahrgangsfeier dagegen als Schlüsselereignis: „Danach war nichts mehr, wie es vorher war. Wir wurden praktisch zu einer großen Familie.“ Und auch Alexander Langner hat sich wohl gefühlt: „Was mir am besten gefallen hat? Die Leute. Ich wurde extrem freundlich aufgenommen, als ich neu dazu kam. War echt cool.“
Allein der letzte Monat wäre so toll gewesen, dass man ab der Abifahrt Anfang Juni noch einmal alles wiederholen könne, sagen die Sieben. Für Julia Völkel war der Tag der Ergebnisverkündung besonders emotional: „Alle lagen sich, glücklich alles hinter sich zu haben, in den Armen. Das Gefühl vergisst man nicht.“ Auch die beiden Abibälle wären voller solcher Momente gewesen.
Was es an dieser Zeit auszusetzen gibt? Im Bezug auf den Doppeljahrgang nichts, allgemein gesehen dagegen schon.
Vermisst haben die Abiturienten oft den Dialog zwischen der Schulleitung und den Schülern. Sie hätten sich hinsichtlich des Abiturablaufs oft unzureichend informiert gefühlt. Schade wäre es auch gewesen, dass sie am Tag der Ergebnisverkündung ihre Freude nicht mit den anderen Schülern hatten teilen können. Durch einen merkwürdigen Zufall hatten an diesem Tag die Bundesjugendspiele stattgefunden.
Alexander Langner stört zudem das ewige „Schubladendenken“ der Lehrer: „Sobald sie dir gegenüber Vorurteile entwickelt haben, kommst du aus dieser Ecke nicht mehr raus. Zum Glück sind diese Lehrer aber die Ausnahme.“
Aus den zwei Jahren nehmen die sieben Bad Grundner aber vor allem die schönen Erinnerungen mit: das Laternelaufen im Herbst, die interne Jahrgangsfeier, die Abifahrt nach Bulgarien, die emotionale Ergebnisverkündung, den Chaostag, die Entlassung, die Abibälle und die „unglaublichen Leute“.
Nach 18, 19 und 21 Jahren in Bad Grund, zieht es die Abiturienten nun aber in die Ferne. Francesa Knopp möchte an der Fachhochschule Nordhausen Sozialmanagement oder in Hildesheim Sozial- und Organisationspädagogik studieren. Als Vorbereitung auf ihr Studium absolviert sie ein Praktikum beim Deutschen Roten Kreuz in Osterode.
Lisa Brinkmann wird nach dem Sommer nach Halle ziehen, um beim MDR eine Ausbildung zur Kauffrau für Audiovisuelle Medien zu beginnen. Innerhalb der drei Jahre wird sie unter anderem beim Radiosender Jump und auch beim Fernsehen in Leipzig im organisatorischen Bereich tätig sein.
Bonn heißt die neue Heimatstadt von Julia Klingsöhr. Im Rahmen eines Freiwilligen Sozialen Jahres in der Kultur wird sie im Goethe-Institut das Freizeitprogramm der ausländischen Studenten organisieren und betreuen.
Laura Marx arbeitet für die Dauer eines Freiwilligen Sozialen Jahres in der Heliosklinik in Bad Gandersheim. Dort wird sie die Hebammen und Schwestern im Bereich der Gynäkologie und auf der Geburtsstation unterstützen.
Julia Völkel strebt, wie Julia Klingsöhr, ein Freiwilliges Soziales Jahr in der Kultur an. Im Buddenbrookhaus in Lübeck wird sie Ausstellungen entwickeln und betreuen sowie im Museumsshop und Archiv arbeiten.
Die Bewerbungen von Alexander Langner haben zurzeit einige Musikhochschulen auf dem Tisch. Am liebsten würde Alexander in Mannheim Popmusikdesign mit E-Bass im Hauptfach und Keyboard im Nebenfach studieren.
Im Interview fehlte Marius Klingebiel, der momentan als Rettungsschwimmer der DLRG in Wilhelmshaven arbeitet.
Insgesamt machten 35 Schüler aus der Samtgemeinde Bad Grund ihr Abitur am Tillmann-Riemenschneider Gymnasium in Osterode. Alle Namen gibt es im Internet unter www.beobachter-online.de.