Die Höhe der Kurtaxe reicht nicht mehr aus

Der Unterhalt des Solehallenbads in Bad Grunds Gesundheitszentrum verschlingt jedes Jahr mehrere zehntausend Euro. Deshalb fordert Dr. Oswald Sander eine Anhebung der Kurtaxe. (Foto: Strache)
 
In Bad Grund ist ab sofort wieder ein Kurkartenkontrolleur unterwegs. (Foto: Strache)

Kurkartenkontrolleur soll die ordnungsgemäße Abführung kontrollieren / Werbung für die Kurtaxe

Von Maximilian Strache,
Bad Grund

Seit Jahren wird in Bad Grund die Kurtaxe in unveränderter Höhe erhoben. Unabhängig von Preissteigerungen, die den Betrieb des Kur- und Gesundheitszentrums belasten, wird trotzdem nur ein Betrag von 1,50 Euro pro Tag und Gast kassiert.
Ein Umstand, der nach Angaben von Dr. Oswald Sander, Geschäftsführer der Gesundheitszentrum Bad Grund GmbH, nicht länger tragbar ist. „Die Kosten für den Betrieb des Solehallenbades und des Heilstollens überschreiten die Einnahmen aus der Kurtaxe um ein Vielfaches. Auf dieser finanziellen Grundlage kann der Kurbetrieb nicht aufrecht erhalten werden“, erklärt Sander auf Anfrage des „Beobachter“.
Bereits vor drei Jahren, als der Kurbetrieb in Bad Grund wieder aufgenommen wurde, hat die Gemeinde einen Betrag von 1,76 Euro kalkuliert, um den Betrieb der Einrichtungen zu gewährleisten. Eingeführt wurde dieser kalkulierte Betrag aber bisher nicht. Sehr zum Ärger von Dr. Oswald Sander: „Ich verstehe einfach nicht, warum diese Berechnung nicht umgesetzt wurde. Bei 50.000 bis 60.000 Übernachtungen pro Jahr würden 30 Cent eine stattliche Summe ausmachen“, so Sander.
Gegenwärtig muss der Geschäftsmann nach eigenen Angaben Geld aus seinem Privatvermögen zuschießen, um den Betrieb aufrechtzuerhalten. „Im vergangenen Jahr habe ich rund 35.000 Euro in das Kur- und Gesundheitszentrum gesteckt. Im Vorjahr waren es sogar 70.000 Euro. Das kann auf Dauer nicht die Lösung sein“, betont der Betreiber mehrerer Pflegeeinrichtungen im Ort.
Nun soll ein Kurkartenkontrolleur dafür sorgen, einen besseren Überblick über die ordnungsgemäße Entrichtung der Kurtaxe zu erhalten. Samtgemeindebürgermeister Harald Dietzmann bestätigte gegenüber dieser Zeitung, dass die Verwaltung einen Kurkartenkontrolleur beauftragt hat. „Es handelt sich hierbei natürlich nicht um eine Vollzeitstelle. Der Kurkartenkontrolleur soll von Zeit zu Zeit in die verschiedenen Hotels und Pensionen gehen und Kontrollen durchführen.“
Darüber hinaus versprechen sich die Verantwortlichen vom neuen Kurkartenkontrolleur eine Art Werbeeffekt. „Wir hoffen, dass wir mit dieser Maßnahme die Bedeutung der Kurtaxe herausstellen können“, so Dietzmann.
Die Anregung, einen Kurkartenkontrolleur einzusetzen, kam von Dr. Oswald Sander. „In allen Kurorten, die mir bekannt sind, ist es grundsätzlich üblich, dass die Entrichtung der Kurtaxe überprüft wird. In Bad Grund wurde dies bislang leider vernachlässigt“, erklärt Sander.
Weiter führt Sander an, dass in anderen Kurorten der Region deutlich höhere Beiträge erhoben werden: „Bad Grund ist in der gesamten Region das Schlusslicht, was die Höhe des Kurbeitrages betrifft. Und selbst mit einer Erhöhung um 30 Cent würde sich daran kaum etwas ändern.“
Nach Recherchen des „Beobachter“ werden in anderen Kurorten der Region tatsächlich höhere Beiträge erhoben. Spitzenreiter ist dabei Bad Gandersheim. In der Roswi­thastadt werden 2,54 Euro pro Tag fällig. In Bad Sachsa, Bad Lauterberg und Bad Harzburg werden knapp zwei Euro fällig. In allen Ortschaften sind zudem Kurkartenkontrolleure unterwegs.
Das Gerücht, dass nach Bekanntgabe der Einstellung eines Kurkartenkontrolleurs durch die Verwaltung einige kurtaxpflichtigen Nachmeldungen von Beherbungsbetrieben eintrudelten, wollen Sander und Dietzmann nicht bestätigen. „Darüber ist mir nichts bekannt. Würde ich zu diesem Thema Stellung beziehen, könnte zudem der Eindruck entstehen, dass wir alle Hoteliers unter einen Generalverdacht stellen, was wir aber in keinen Fall tun“, so Dietzmann.
Auch Dr. Oswald Sander liegen keine genauen Zahlen vor: „Ich habe keine Erkenntnisse darüber, ob die Beherbergungsbetriebe bei der Weitergabe der Kurtaxe tricksen. Ich bin aber der festen Überzeugung, dass die Hoteliers und Gastwirte ehrlich sind.“
In einer Zusammenkunft mit Vertretern der Samtgemeinde, des Rates der Bergstadt, des Finanzamtes und des KTV hat Sander seiner Forderung nach einer Erhöhung desr Kurtaxe Ausdruck verliehen. „Mir geht es nicht darum, mich als Heilsbringer des Kurbetriebes aufzuspielen. Ich wollte nur für Transparenz sorgen und allen Verantwortlich verdeutlichen, vor welchen Problemen wir stehen.“
Ob der Forderung nach einer Erhöhung nachgekommen wird, ist bislang nicht bekannt.