„Die umliegenden Kurorte machen das längst alle“

Ab dem 1. August muss der Kurbeitrag bereits ab der ersten Übernachtung kassiert werden

Bad Grund (cfk). Wie erkläre ich den Gästen den höheren Kurbeitrag? So lautete die Frage aus der Runde der Einwohner bei der Ratssitzung der Bergstadt Bad Grund anlässlich der beschlossenen Kurbeitrags-Erhöhung auf 1,80 Euro pro Übernachtung, 30 Cent mehr als bislang.
Ein offenes Ohr für Stichworte wie allgemeine Teuerung, Steigerung der Löhne, Mehrkosten in Vorhaltung der Infrastruktur oder einfach den Kurbeitrag als inklusiv und nicht extra angeben, schienen die wenigen Einwohner allerdings nicht zu haben. Besondere Empörung rief die neue Fälligkeit, die mit dem neuen Beitrag ab 1. August gilt, hervor. Denn dann muss ab der ersten Übernachtung der Kurbeitrag kassiert werden. „Die Rechtsprechung verlangt das so“, erklärte Stadtdirektor Harald Dietzmann, „die umliegenden Kurorte machen das längst alle.“
Kämmerer Volker Höfert hatte zuvor ausführlich die Gründe für die Anhebung ausgeführt. 215.714,89 Euro betrug das Defizit, das alljährlich zwischen der letzten Kalkulation 2010 und der Realität auflief.
„Eine Kalkulation beruht auf Annahmen“, erläuterte Höfert. Einige, wie die Anerkennung des Heilstollens, mit der eine jährliche Steigerung der Patientenzahlen verknüpft war, haben sich nicht bewahrheitet. Zudem war seinerzeit schon ein Kurbeitragsbedarf von 1,76 Euro errechnet worden, auf eine Erhöhung hatte das Gesundheitszentrum (GZ) aber verzichtet, der Betrag war bei 1,50 Euro geblieben. Mit der Nicht-Anerkennung des Heilstollens und der Höhlentherapie galt es sich konzeptionell neu auszurichten, die zusätzliche Prädikatisierung zum heilklimatischen Kurort wurde in die Wege geleitet.
Das hatte neue Verträge zwischen GZ und Bergstadt genauso zur Folge wie eben eine neue Kalkulation. Die hat nun die Erhöhung des Kurbeitrages, genauso mit sich gebracht wie Regelung, dass eventuelle Überschüsse zu Gunsten des GZ ausgeschüttet werden.
Das gilt, wenn die Kurbeiträge die Investitionen von GZ und Bergstadt in einem Jahr einmal gedeckt haben sollten. Neben dem Tagesbeitrag steigt freilich auch der Jahres-Kurbeitrag. Dieser wird auf 54 Euro erhöht, allerdings erst ab Januar 2013. Der Kinderbeitrag bleibt für ab Sieben-Jährige bei 70 Cent, jüngere Kinder sind kostenlos.
„Das ist Augenwischerei“, monierte Peter Schwinger, Sprecher der CDU. Statt auf eine Erhöhung bei den Kindern zu verzichten, sollten lieber Gutscheine oder Eintrittskarten den Kurbeitrag zahlenden Kindern gegeben werden. „das hat den Neben­effekt, dass sie mit ihren Eltern die Anlagen dann besuchen“, so Schwingers Gedanke. Sein Antrag diesbezüglich fand allerdings nicht die Mehrheit im Rat. Komplett gegen die Vorlage wehrte sich Jürgen Knackstedt von den Freien Wählern.
Er bemängelte nicht nur, dass „die Annahmen nicht der Realität“ entsprechen, sondern ist auch der Meinung, der Kurbeitrag ab der ersten Nacht „kostet viele Transitgäste“. Seiner Meinung nach sollten „die Weichen vom Kurort zum Fremdenverkehrsort gestellt werden mit der vorhandenen Infrastruktur.“
Dietzmann fand, Knackstedt stelle damit das gesamte System in Frage und verwies darauf, dass „ohne Engagement des GZ und des Kur- und Tourismusvereins hier „verbrannte Erde“ wäre.
„Kurbetrieb und Kurbeitrag bedingen auch die Infrastruktur für den Tourismus“, bemerkte KTV-Vorsitzender, „wie sollten wir das finanzieren, wenn wir nur noch den Tourismus haben?“ Für Sommermeyer steht fest, „es geht nur weiter, wenn wir in beide Richtungen investieren.“ Für SPD-Sprecher Richard Laux gab es ohnehin nicht viel zu diskutieren.
„Der Rat hat mit Mehrheit für den Erhalt als Kurort gestimmt“, sate Laux, „jetzt muss man auch den zweiten Schritt machen.“
In dem Zusammenhang konnte Dietzmann berichten, dass „die Anerkennung als heilklimatischer Kurort in Aussicht gestellt worden sei“, nachdem das Wirtschaftsministerium darüber abgestimmt habe. Bis Jahres­ende hofft er den Status für Bad Grund zugesprochen bekommen zu haben.
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