Die Walpurgisnacht rückt näher

Während Marieke sich ziert und auf Mutters Schoß will, tragen Hannah, Verena und Cinja (von rechts) ihren Elfentext vor.
 
Fred Langner versucht den kleinen Willi auf seine Rolle mit Kim (rechts) und Lara einzustimmen.

Proben mit den Jüngsten: Die kleinen Profis machen das Ganze nicht zum ersten Mal

Die Walpurgisspiele am Hübichenstein in Bad Grund haben eine lange Tradition. Mit wenigen Ausnahmen werden sie alljährlich am 30. April als Höhepunkt der Walpurgisfeiern seit 1950 aufgeführt. Im Laufe der Jahrzehnte ist der Aufwand enorm gestiegen. Mittlerweile sind gut und gerne 60 Personen rund um das Stück engagiert – und das weit mehr, als nur die zweimal 90 Minuten zu Generalprobe und Aufführung.
„Den spiele ich schon immer.“ Kim winkt lässig ab. Der Elfjährige gibt sich lässig, schließlich verkörpert er bereits zum vierten Mal bei der Aufführung in diesem Jahr dann den „Zwerg Bubi“. Es muss im 2. Schuljahr gewesen sein, als er einen der verteilten Werbezettel, mit denen die Walpurgis-Spielgemeinschaft frisches Darsteller-Blut suchte, mit nach Hause nahm und sich vornahm mitzumachen. Seitdem verkörpert er eben den „Bubi“.
Die Kinder, die als Zwerge und Elfen auftreten, müssen ebenso proben wie die Großen, auch wenn ihre Textpassagen meist deutlich kürzer sind. Und dennoch „so ganz auswendig kann ich meinen Text noch nicht“, gesteht Kim. Klar, „Need for Speed“ auf der Playstation ist auch spannender als Texte zu lernen. Und dann noch „die vielen Hausaufgaben“, lamentiert Kim, allerdings nicht ganz ernsthaft. Andererseits ist es bis zur Generalprobe noch einige Wochen hin, bis dahin wird der Text schon sitzen.
Lara wird nun zum vierten Mal den „Zwerg Kucki“ verkörpern. Auch bei der Zehnjährigen sitzt der Text noch nicht perfekt. Cinja ist ebenfalls seit vier Jahren am Start, allerdings hat sie die Rolle gewechselt. „Erst war ich Zwerg“, schildert die Neunjährige, „aber die Elfenkostüme sind viel hübscher“, schwärmt sie und wechselte ihren Charakter. Hannah hingegen hat die Begeisterung für die Spiele in die Wiege gelegt bekommen. Schließlich ist Papa Holger Diener schon seit Jahren Urian. „Da wollte ich auch immer mitmachen und bin jetzt schon seit Jahren Elfe“, sagt Hannah – um genau zu sein, seit drei Jahren.
Während Verena, die bereits zum dritten Mal als Maienkönigin auftritt, ihre Passage vorträgt, sitzt Marieke etwas schüchtern auf Mamas Schoß. Gerade tobte sie noch durch den Probenraum, doch jetzt, wo sie gefordert ist, geniert sie sich etwas. Fred Langner lächelt. Alles halb so wild, kleinen Kindern verzeiht man das gerne. Und Text hat Marieke ohnehin nicht, sie soll eigentlich nur im Gefolge der Maienkönigin mitziehen. Der kleine Willi will ebenfalls nicht so recht an diesem Abend. Beim Toben und Unfug machen düste er vorneweg mit verschmitztem Grinsen, doch jetzt, wo er als kleiner „Zwerg Willi“ gefordert ist, da schämt er sich, schmiegt sich an Mutter Andrea. So etwas kann eben passieren, wenn man mit Kindern arbeitet.
Bei den Proben ist das alles nicht ganz so dramatisch. Da legen die Regisseure Fred Langner und Andreas Lehmberg etwas mehr wert auf Betonung und Gestik. Wobei auch nicht immer alle Kinder anwesend sind. Wenn dann die Walpurgisnacht näher rückt, werden auch die Kinder ernsthafter agieren müssen, den Text sicher gelernt haben. Und im Notfall, wenn es doch einen Text-Hänger gibt, sitzen die drei Souffleusen Natalie Paland, Cati Naumann und Wiltrud Schirmer nicht nur bei der Aufführung sondern auch bei den Proben dabei.
Allerdings wünscht sich Langner noch ein paar Kinder mehr. „Wir hatten schon einmal mehr Zwerge“, gesteht er. Dabei hat Lara „schon Werbung bei mir an der Schule gemacht, aber leider ist keiner gekommen“, sagt sie. Dass die Zwergenschar jedoch weiter schrumpft, scheint unwahrscheinlich, denn nicht nur Lara verspricht: „Ich bin nächstes Jahr wieder dabei.“