Die Wasserkraftwerke im St. Andreasberger Samsonschacht

Harz Energie nutzt die Oberharzer Wasserwirtschaft zur Energiegewinnung

800 Meter führt die Grube Samson in die Tiefe. Heute, wo früher die Harzer Bergleute stundenlang über Leitern in den Berg hinabstiegen, betreibt die Harz Energie zwei Wasserkraftwerke. Eins in 130 Metern Tiefe und das andere in 190 Metern unter der Erdoberfläche. Erreichbar sind die Kraftwerke nur über die weltweit einzige erhaltene Fahrkunst, die eine derartige Distanz überbrückt.

Von Maximilian Strache

St. Andreasberg. Boulevard Seesen hat sich auf den waghalsigen Trip in die Tiefe gemacht und sich im Inneren der Grube Samson einen Eindruck von der Stromgewinnung mittels Wasserkraft verschafft.
Bevor es mit dem unheimlich wirkenden Fahrgeschäft in die Tiefe geht, sind zwei rostige Eisenleitern zu überwinden. Ein in Erwartung des Fahrgeschäfts eher leichtes Hindernis. Zusammen mit Fotografen, Journalisten und zwei Mitarbeitern der Harz Energie legen wir unser Leben auf die Trittbretter der Fahrkunst. Bereits im Jahr 1837 wurde das abenteuerliche „Fahrstuhlsystem“ eingebaut. Die Drahtseile, die für unsere Sicherheit garantieren sollen, stammen glücklicherweise aus den 1940er Jahren. Sie sind also noch nicht so alt.
In gegenläufiger Bewegung der armstarken dick mit dunklem Fett überzogenen Drahtgeflechte stehen sich im Totpunkt die Trittbretter auf gleicher Höhe gegenüber. Dann heißt es zufassen und umsteigen, sonst ist das Trittbrett weg.
Für die Harzer Bergleute, so die fachkundigen Begleiter, war die Fahrkunst eine Sensation. Sie bedeutete eine enorme Arbeitserleichterung. Für Journalisten stellt sie eher eine Herausforderung dar, deren Überwindung eine Menge Mut erfordert. Bei der Schachtanlage Samson handelt es sich im Übrigen um die bedeutendste Grube des ehemaligen Andreasberger Bergbaureviers. Die Grube Samson war das Flaggschiff des Silberbergbaus.
In 130 Metern Tiefe befindet sich das Kraftwerk Grüner Hirsch, das Ziel unserer Fahrt in die Tiefe. Die Stromerzeugung liegt bei rund 2600000 Kilowattstunden im Jahr. Der Geräuschpegel ist ohrenbetäubend und macht Gespräche unmöglich. 400 Liter Wasser schießen pro Sekunde durch die Turbinen. Dies entspricht, so die Experten, einer Nennleistung von 456 Kilowatt. In einer Tiefe von rund 190 Metern liegt ein weiteres Kraftwerk. Der Sieberstollen. Er produziert rund 1200000 Kilowattstunden pro Jahr. Glücklicherweise bleibt uns diese Abfahrt aus Zeitgründen erspart. Übrigens: Seit Inbetriebnahme beliefern beide Wasserkraftwerke das öffentliche Stromnetz.
Interessant war der Ausflug unter die Erdoberfläche allemal. Doch eins steht fest: Wir sind froh uns für den Journalismus entschieden zu haben und nicht für die Arbeit im Bergwerk. Auf Dauer wäre das sicher nichts.