Dubiose Verhältnisse in einer Lutteraner Firma

59-Jähriger aus Lutter muss sich wegen Insolvenzverschleppung vor Amtsgericht verantworten

Vor dem Seesener Amtsgericht hat sich gegenwärtig ein 59-jähriger Mann aus Lutter wegen des Vorwurfs der Insolvenzverschleppung zu verantworten. Dem bereits mehrfach vorbestraften Angeklagten wird vorgeworfen, ein Lutteraner Gastronomie-Unternehmen faktisch geführt zu haben, obwohl eine 21-jährige Frau aus Lutter als Geschäftsführerin der englischen „Limited“ (Ltd.) in den Gesellschaftsverträgen geführt wurde. Der Angeklagte selbst äußert sich nicht nicht zu den Vorwürfen und lässt ausschließlich seinen Anwalt für sich sprechen. Das Gericht soll nun klären, wer tatsächlich das Sagen in dem Gastronomie-Betrieb hatte.
Im Zuge der Verhandlungen wurden bereits einige Zeugen gehört, die mit der Ltd. geschäftliche Beziehungen pflegten. Fast alle sagten aus, dass sie den Eindruck hatten, dass es der Angeklagte war, der die Fäden in dem Unternehmen gezogen habe und nicht die 21-Jährige, die auf dem Papier als Geschäftsführerin geführt wurde. Der 59-Jährige selbst behaart aber darauf, dass er nur Angestellter gewesen sei und keinerlei Vollmachten in dem Unternehmen besessen habe.
Schon in der Hauptverhandlung sagte die 21-Jährige aus, dass sie nur als Strohfrau agiert hat, um dem damaligen Lebensgefährten ihrer Mutter die Gründung der Gesellschaft zu ermöglichen. Die junge Frau musste nach der Pleite der Betriebs- und Verwaltungslimited Privatinsolvenz anmelden. Sie plagen nun Schulden in Höhe mehrerer Tausend Euro.
Auch ein 63-jähriger Gas­tronom aus Salzgitter, der dem Angeklagten das Wirtshaus seinerzeit verpachtet hatte, zeigte sich verwundert als er vor Gericht von der jungen Geschäftsführerin erfuhr. Er habe den Pachtvertrag mit dem 59-Jährigen abgeschlossen und nichts von einer Ltd. gewusst. Für ihn sei immer klar gewesen, dass der Angeklagte sein Vertragspartner war. Ein Blick in den Pachtvertrag soll am nächsten Verhandlungstag weiteren Aufschluss geben.
Umfangreich fiel die Aussage eines Langelsheimer Kaufmannes aus, der mit seinem Dienstleistungsbüro die Gründung der Ltd. begleitete. Im Dezember 2008 habe der Angeklagte zusammen mit der Tochter seiner Lebensgefährtin das Büro des 51-jährigen Kaufmannes in Astfeld aufgesucht, um die englische Limited zu gründen. Als Dienstleister für Büroservice habe er sich um die Anmeldung der Gesellschaft in England gekümmert und später auch die Buchführung für das Unternehmen übernommen. In seinem Büro klärte er die junge Frau über ihre Pflichten und die Risiken, die mit der Geschäftsführung einer englischen Ltd. verbunden sind, auf. Verwundert war er schon damals, da die 21-Jährige keine Rück- oder Verständnisfragen hatte, sondern seine Ausführungen nur abnickte. Nach der Unterzeichnung des Gesellschaftsvertrages habe er keinen weiteren Kontakt zu der jungen Dame gehabt. Die weiteren geschäftlichen Beziehungen wurden vom Angeklagten gepflegt und schnell stellten sich unüberbrückbare Differenzen ein. Die Unterlagen, die dem Büro des 51-jährigen Kaufmannes zur Erstellung einer ordentlichen Buchführung überlassen wurden, waren nicht vollständig. Ein Kassenbuch lag zu keinem Zeitpunkt vor. Nachdem er den 59-Jährigen mehrfach auf die Vorlage des Kassenbuches angesprochen hatte, wollte dieser ihn dazu drängen die Umsätze zu schätzen und auf Grundlage dieser Zahlen die Bilanzen zu erstellen. Eine Forderung, die der Kaufmann nicht erfüllen wollte und in der Folge die Geschäftsbeziehung beendete.
Am heutigen Mittwoch wird die Verhandlung vor dem Seesener Amtsgericht fortgesetzt. Unter anderem soll der Pachtvertrag mit dem Gastonomen aus Salzgitter überprüft werden.