Ein heilsamer Schock

Die Konzertreihen vom KTV sind fester Bestandteil des Veranstaltungsprogramms in der Bergstadt. Hier lauschen rund 100 Zuhörer dem Musikzug Taubenborn beim „Abend der Liebe“ im Jahr 2011 (Foto: Kluge)
 
Peter Schwinger, neuer Vorsitzender des KTV.

Der neue KTV-Vorsitzende Peter Schwinger wünscht sich ein Miteinander im Tourismus

Als Peter Schwinger am 21. März das Grunder Atrium betrat, um wie jedes Jahr an der Jahreshauptversammlung des Kur- und Tourismusvereins Bad Grund (KTV) teilzunehmen, hatte er nicht damit gerechnet, dass er seinen Heimweg am Ende als neuer 1. Vorsitzender des Vereins antreten würde. Vielmehr war der 75-Jährige davon ausgegangen, dass sich nach Uwe Sommermeyers angekündigtem Rückzug ein Nachfolger findet, oder wenigstens der bisherige stellvertretende Vorsitzende Martin Spitzer die Geschäfte eine Zeit lang übernimmt.
Diese Hoffnung zerschlug sich aber schnell, als sich abzeichnete, dass weder ein Nachfolger in Sicht ist, noch das Spitzer bereit wäre, die Geschäfte zu übernehmen.
Vielmehr kam es noch dicker. Denn bereits im Vorfeld der Sitzung hatte auch Spitzer seinen Rückzug erklärt, und war ebenso wenig wie Sommermeyer bereit, das wichtige Amt kommissarisch zu leiten, zumindest so lange bis ein geeigneter Nachfolger gefunden wurde. Die Gründe für Spitzers Entscheidung liegen übrigens bis heute noch im Dunkeln.
Heute, knapp vier Wochen nach der dramatischen Generalversammlung, sagt Peter Schwinger, dass er die verzweifelte Suche nach einem neuen Vorsitzenden und die drohende Auflösung als äußerst „deprimierend“ empfunden hat. „Als sich zeigte das niemand bereit war den Vorstandsposten zu übernehmen, und die Abstimmung über die Auflösung kurz bevor stand, da hielt mich nichts mehr auf meinem Stuhl. Ich musste mich melden, damit der Verein nicht stirbt“, blickt Schwinger im Gespräch mit dem „Beobachter“ auf den Moment seiner Entscheidung zurück.
Bereut hat er seinen Beschluss bisher nicht. „Ich bin zwar schon 75, fühle mich aber nicht so. Deshalb denke ich, die Kraft und Erfahrung zu haben, dieses Amt für ein bis zwei Jahre auszuüben. Dann muss aber auch Schluss sein“, sagt Schwinger.
An die Konsequenzen, die eine Auflösung des Vereins zur Folge gehabt hätte, will der neue KTV-Chef eigentlich gar nicht denken: „Ohne den KTV würde in der Bergstadt eine Menge fehlen. Und es geht dabei gar nicht um den ganz großen Wurf. Es sind eher die vielen kleinen Dinge, die der Verein seit Jahren ehrenamtlich betreut und umsetzt“, erklärt der 75-Jährige.
Dabei denkt Schwinger unter anderem an die Jazz- und Blaskonzerte, das Walpurgis-Theaterstück, das Marktfest oder die alljährliche Blumenpflanzaktion; und natürlich auch an die regelmäßigen Werbe-Aktionen des Messeteams und die Erstellung und Verbreitung des Gäste-Journals.
Besonders ärgert es Schwinger, dass sich einige Hoteliers, Pensionsbetreiber, Gastronomen und ganz normale Bürger anscheinend nicht um den KTV, und damit auch die Zukunft einer lebens- und liebenswerten Bergstadt scheren. „Kleine Kurorte wie Bad Grund haben es schwer bei der großen Konkurrenz zu bestehen. Deshalb kommt es bei uns noch viel mehr darauf an, dass möglichst alle an einem Strang ziehen. Wenn sich die Bürger und Gastgeber der Gemeinde als eine Einheit präsentieren, dann überträgt sich diese Stimmung auch auf unsere Besucher“, ist Schwinger überzeugt.
Der KTV-Vorsitzende weiß natürlich, dass niemand gezwungen werden kann, den KTV zu unterstützen. Dennoch hofft er, dass einige Gastronomen und Bürger, die sich bisher gegen eine Mitgliedschaft gesperrt haben, die Beinahe-Auflösung als einen „heilsamen Schock“ erleben und umdenken.
Dem Walpurgisfest am 30. April sieht Schwinger relativ gelassen entgegen. „Natürlich hängt mit einer solch großen Veranstaltung viel zusammen. Ich bin aber nicht allein, sondern habe viele Unterstützer.“ So ist beispielsweise auch Uwe Sommermeyer noch mit im Boot. Er kümmert sich beispielsweise mit um das Walpurgis-Spiel am Hübichenstein und steht auch sonst gern mit Rat und Tat zur Seite. Besonders dankbar ist Peter Schwinger aber seiner Frau. „Wenn meine Ehefrau nicht so geduldig wäre, dann könnte ich meine ganzen Ehrenämter nicht ausüben.“
Einen Nachfolger hat Schwinger übrigens auch schon im Visier. Es handelt es sich dabei um einen jungen Hotelier. Es ist Marc Jungblut, dessen Eltern das Parkhotel Flora betreiben. Aktuell fühlt er sich für diese Aufgabe aber noch zu jung und möchte sich erstmal im elterlichen Betrieb einfinden und seine Sporen verdienen.