Flugkünstler im Mondschein beobachtet

Eine gelungene Überraschung: Wolfgang Rackow hatte die flugunfähige Fledermaus Charly dabei. (Foto: Niemann)

Kinder waren mit dem NABU rund um den Taubenborner Teich unterwegs, um Fledermäuse in Aktion zu sehen

Sie haben große Ohren, spitze Zähne und hauchdünne Flügel: Fledermäuse kommen erst in der Dämmerung zum Vorschein und beeindrucken durch ihre Flugkünste. Im Rahmen des Ferienprogrammes der Gemeinde Bad Grund konnten 14 Kinder und auch einige Eltern diese Flugkünste hautnah rund um den Taubenborner Teich in Bad Grund erleben.

Um halb zehn Uhr abends ging es bei Vollmond zusammen mit NABU-Mitglied Wolfgang Rackow (Regionalbeauftragter für Fledermausschutz des Landkreises Osterode) auf Entdeckungstour. Die erste Station führte die Gruppe zu den Mietshäusern in der Schlesierstraße, in denen zahlreiche Zwergfledermäuse ihr Quartier unter dem sogenannten Harzer Unterdach haben. Da man die Rufe der Fledermäuse, die sich im Ultraschall-Bereich befinden, nicht hören kann, hatte Rackow eine Art Fledermausdetektor dabei, der die Töne hörbar machte, noch bevor die Tiere zu sehen waren. „Fledermäuse sind coole Tiere“, erklärte er den Kindern, denn diese könnten auch sehr gut eine Strecke aus dem Gedächtnis fliegen. Zudem seien die kleinen Kobolde der Nacht sehr ortstreu und würden nur in einem Umkreis von 500 Metern um ihr Quartier herum jagen. Auch dass Fledermäuse keine Vampire seien sondern schutzwürdige Tiere, die teilweise vom Aussterben bedroht seien, erklärte Rackow. Zwergfledermäuse würden im Schnitt zwischen fünf und sieben Jahre alt, wiegen ungefähr fünf Gramm und hätten eine Spannweite von 25 Zentimetern. Dennoch könnten sich die Tiere in ein Spaltenquartier von nur zwölf Millimetern quetschen. Erstaunlich sei zudem, dass die Tiere in einer Nacht rund ein Viertel ihres Gewichtes an Nahrung aufnehmen würden.
Ausgestattet mit Taschenlampen konnte die Gruppe auch einige Wasserfledermäuse beobachten, die ihre Nahrung dicht über dem Taubenborner Teich fingen. Der Höhepunkt des Abends war aber die Überraschung, die Rackow am Ende lüftete. Er hatte Charly dabei, einen großen Abendsegler, der leider flugunfähig ist und um den sich die NABU-Mitglieder mit einer Sondergenehmigung abwechselnd kümmern. Die Kinder waren begeistert, denn sie durften dabei zusehen wie Wolfgang Rackow die Fledermaus mit Mehlwürmern fütterte. Aber so niedlich diese Tiere auch seien, erklärte er, seien es immer noch Wildtiere und keine kuscheliegen Haustiere.

Fledermäuse
gehören zu einer sehr alten Säugetiergruppe. Bereits vor etwa 50 Millionen Jahren gab es Fledermäuse auf der Welt. Heute leben auf der Erde etwa 1250 Fledermausarten, die Mehrzahl von ihnen bewohnen die tropischen Klimazonen. In Europa kommen etwa 35 unterschiedliche Fledermausarten vor, in Deutschland sind es 24 und in Niedersachsen 18.