Für einen Euro ist der Märchengrund zu haben

Wilhelm Claasen hat sieben Jahre zusammen mit seiner Frau Marlis den Märchengrund betrieben. (Foto: Kluge)

Ehepaar Claasen muss den Märchenwald aus Altersgründen abgeben / Sieben Jahre haben sie ihn gepflegt

Von Camillo Kluge,
Bad Grund

Etwas abgeschieden zwischen Höhlenerlebniszentrum und Teufelstal liegt das Märchen- und Sagental, oder „wie viele auch sagen: der Märchengrund“, sagt Wilhelm Claasen. Seit sieben Jahren kümmert er sich mit seiner Frau Marlis darum, dass die Besucher die Bilder zu populären Märchen sowie Sagen rund um Bad Grund ungestört genießen können. Doch jetzt suchen die beiden dringend einen Nachfolger. „Mit 80 Jahren kann ich einfach nicht mehr alles so in Schuss halten“, sieht Claasen die Zeit für seinen endgültigen Ruhestand gekommen.
Acht Motiv-Häuschen stehen im Märchengrund. Von außen wirken sie verwittert, hier und da ist etwas geflickt, dichtes Spinnwebgewölle hängt in einigen Ecken. „Die muss man jeden Tag weg machen, so schnell sind da wieder neue“, sagt Claasen. Doch das Innenleben der Häuser, die vielen Bilder zu den Märchen, sind wunderschön anzuschauen. Das Lob reicht Claasen weiter. Sein Vorgänger Dieter Brandt hat 1971 den Märchenpark angelegt und „alle Figuren mit der Hand geschnitzt.“ Den Jäger mit der Flinte, die sieben Zwerge und Schneewittchen, Dornröschen und viele Märchenfiguren und Szenen mehr sind da in liebevoller Handarbeit entstanden. Per Knopfdruck drehen sich die bis zu fünf Bilder auf einer Scheibe. Doch bleibt jedes Bild ausreichend lange stehen, sodass, und das ist das besondere hier, die Eltern den Kindern das Märchen auch entsprechend erzählen können. „In anderen Parks läuft ein Band, hier war immer das Ziel, dass die Familie durchgeht, die Eltern oder Großeltern den Kindern die Märchen erzählen“, betont Claasen.
Freilich darf auch die Sagenwelt rund um König Hübich und den Hübichenstein nicht fehlen. Walpurgis ist genauso ein Thema für ein Bild wie „Die silbernen Tannenzapfen“ oder „König Hübich und der Förstersohn“. Und da diese Sagen den Besuchern denn doch zumeist unbekannt sind, sind die in wenigen Zeilen auf einem Blatt, das die Besucher bekommen, skizziert.
Besucher kommen reichlich in der Zeit zwischen Ostern und dem 1. November. Angefangen von Kindergartengruppen, Urlaubern und internationalen Gästen, ehemaligen Bad Grunder Bürgern, die heute mit ihren Kindern einen Ausflug in die eigene Kindheit unternehmen, bis hin zu Seniorenkränzchen. „Die schwelgen dann in seligen Erinnerungen“, lächelt Marlis Claasen, die sich nur an zwei wirklich nervige Gäste in den sieben Jahren erinnern kann. „Eigentlich sind die Gäste immer nett“, sagt sie. Lediglich einen Euro kassieren sie bei Kindern, 1,50 Euro bei Erwachsenen. „Reich wird man hier nicht“, sagt Claasen, aber „die Kosten sind immer gedeckt.“ Liebe und viel Herzblut stecken halt mit darin, dieses Kleinod zu betreiben.
Und einiges an Arbeit. Die Grünflächen sind gepflegt zu halten, hier und da kleine Reparaturen an den Märchenhäusern zu erledigen. Die Wege haben sie gerade erst letzten Herbst erneuert. „12 Tonnen Kies und Schotter haben wir ganz alleine verteilt und damit die ausgespülten Wege wieder in einen ordentlichen Zustand versetzt“, sagt Marlis Claasen. Nicht nur da hätte sie sich einmal über Unterstützung der Gemeinde gefreut. „Geworben wird eifrig mit uns, aber es wäre auch schön gewesen, wenn sich mal jemand hätte blicken lassen und uns Hilfe angeboten hätte“, moniert Marlis Claasen. Nun suchen sie liebevolle Hände, die den Märchengrund fortführen. „Wenn zugemacht wird, vergammelt hier alles“, befürchten sie. Für einen symbolischen Euro kann man neuer Besitzer des Märchen- und Sagentales werden. „Man muss nicht viel finanziell investieren“, betont Claasen. Die Pacht an die Forst beträgt per anno einen unteren dreistelligen Betrag. Doch verdient Familie Claasen ja auch am Kiosk ein paar Euro extra, Kaffee und Eis gehen genauso wie Kaltgetränke. „Wir haben wirklich viel Spaß daran, aber wir können es wirklich nicht mehr leisten“, hoffen sie, dass bald ein Nachfolger gefunden wird.