Gelebte Ökumene mit Weihrauch und Gesang

Pater Eulogios (links) und Bischof Anba Damian (rechts) gestalteten den Gottesdienst in der Kapelle am Taubenborn. (Foto: Niemann)
 
Bischof Anba Damian (rechts) schenkt Pastor Henheik Brot. (Foto: Niemann)

Mit einem koptisch-orthodoxen Gottesdienst, der in Teilen ökumenisch gestaltet war, wurde Pater Eulogios in sein Amt eingeführt

„Wir sind glücklich und dankbar, hier sein zu dürfen“, sagte Bischof Anba Damian bei seiner Begrüßung in der Kapelle am Bad Grunder Taubenborn. Der Bischof ist das Oberhaupt der Koptisch-Orthodoxen Kirche in Deutschland (mit Sitz im Kloster Höxter-Brenkhausen), die vor Kurzem die Kapelle am Taubenborn übernommen hat.


Zu dem Eröffnungsgottesdienst am vergangenen Montag, bei dem auch der zuständige Priester Eulogios in sein Amt eingeführt wurde, waren Angehörige der Koptisch-Orthodoxen Kirche, aber auch viele Einwohner und Mitglieder des Ortsrates von Bad Grund gekommen. „Wir wurden hier in der Gemeinde und von der Schwesterkirche St. Antonius herzlich und mit viel Liebe aufgenommen“, so Anba Damian, „und dieser Platz im Herzen ist wichtiger als ein Platz mit vier Wänden.” Deshalb sei auch die gemeinsame Gestaltung des Gottesdienstes so wichtig gewesen, bei dem der Bad Grunder Pastor Michael Henheik und Pastor Uwe Brinkmann als Stellvertreter des Kirchenkreises Harzer Land durch Lesungen miteingebunden wurden. Da normalerweise ein koptischer Gottesdienst drei Stunden dauere, so Bischof Anba Damian, würde es heute von der Zeit aber eher evangelisch zugehen, scherzte dieser. Dennoch war wohl ein Gottesdienst dieser Art, der dann trotzdem noch über anderthalb Stunden dauerte, für die meisten Anwesenden ein besonderes Erlebnis. Begleitet von jeder Menge Weihrauchduft, vielen Gebeten, Gesängen und Zeremonien konnte man einen Einblick in die Tradition der altägyptischen Kirche gewinnen, die heute noch so ursprünglich wie in ihren Anfängen ist. So wird etwa der alte biblische Brauch, die Kirche ohne Schuhe zu betreten wie auch das tiefe Verbeugen der Gläubigen bis zum Boden praktiziert. Nach dem Empfangen der Heiligen Kommunion, die auch mit der Gabe von Brot und Wein verbunden ist, halten sich die Gläubigen ein Tuch vor den Mund, damit nichts vom Leib Christi verloren geht. Die Sprache während der Messe ist normalerweise das Koptische und das Arabische. Anlässlich des gemeinsamen Gottesdienstes wurden allerdings an diesem Tag das „Vater unser“ wie auch das Glaubensbekenntnis auf Deutsch gesprochen sowie auch deutsche Kirchenlieder gesungen. Praktisch jedes gesprochene oder gesungene Wort war auch mit einer segnenden Handlung verbunden. Und so ging der Bischof immer wieder mit Weihrauch durch die Reihen der Kirche und sprach leise: „Segen sei mit euch“ oder segnete die Anwesenden durch das großzügige Verteilen von Weihwasser.
„Es ist uns eine Ehre, Sie hier willkommen zu heißen“, sagte Pastor Henheik, der seit über zwei Jahren den Kontakt zu der Kirchengemeinde aufrecht hält. Henheik wie auch Pastor Brinkmann drückten ihre Freude darüber aus, dass man als Christen gemeinschaftlich handeln könne. Im Anschluss bat der Ortsbürgermeister Manfred von Daak die neue Kirchengemeinde, sich in das Goldene Buch der Bergstadt einzutragen.

Koptisch-Orthodoxe Kirche

Die Koptisch-Orthodoxe Kirche ist die altorientalische Kirche Ägyptens mit etwa 11 Mio Gläubigen in Ägypten. Kleinere Koptisch-Orthodoxe Gemeinden gibt es in Libyen, im Sudan und in einigen anderen Ländern. In Deutschland leben etwa 3500 Kopten.
Unterdrückungen und Christenverfolgungen zu ertragen, heißt für Kopten, das Kreuz Christi zu tragen. Deshalb nennen sie sich auch „Kirche der Märtyrer". Die Kirche führt sich auf den Heiligen Evangelisten und Märtyrer Markus zurück, der in Ägypten gewirkt und die Kirche gegründet haben soll.
Das Oberhaupt der Koptisch-Orthodoxen Kirche trägt ebenfalls wie das Oberhaupt der Römisch-Katholischen Kirche den Titel Papst (Heiliger Vater). Seine vollständige Bezeichnung ist Papst von Alexandria und Patriarch von ganz Afrika. Seit 2012 ist Tawadros II. das Oberhaupt mit Amtssitz in Kairo und Alexandria.