Geologischer Zeitstrahl sorgt für Gesprächsstoff

Bauauschuss der Bergstadt ist sich nicht einig / Abstimmung erfolgt trotzdem

Viel Mühe hatte sich Wilhelm Rögener gemacht, um dem Bau- und Umweltausschuss der Bergstadt Bad Grund seine Sicht eines geologischen Lehrpfades im Teufelstal darzustellen. Denn der Ausschuss sollte eine Projektentscheidung fällen und damit auch noch den Weg für einen Ingenieursauftrag frei machen.

Von Camillo Kluge

Bad Grund. „Der Begriff Zeitstrahl ist aus meiner Sicht grundfalsch“, sagte der agile über 70-jährige Bergbauexperte. Er wählte den Begriff Gesteinspfad, könnte sich aber auch mit einem geologischen Lehrpfad oder ähnlichem anfreunden. Doch ist der Name eines der kleinsten Probleme, die bei der Ausschusssitzung zutage traten.
Rögener hatte sich die Hilfe von Dr. Hans-Joachim Franzke und Dr. Rainer Müller, beide am Institut für Geologie und Paläontologie der TU Clausthal-Zellerfeld tätig, gesichert und die 15 Gesteinsbrocken, die derzeit noch als „Geologischer Wanderpfad im Teufelstal“ verstreut liegen, wissenschaftlich bestimmen und einordnen lassen. Warum die 15 Gesteinsbrocken laut Beschlussvorlage auf nur noch ein Dutzend schrumpften, wusste übrigens niemand im Ausschuss zu sagen.
Bis hin zu verschiedenen Variationen, wie man die Gesteine anordnet, zum Beispiel nach Alter oder nach Entfernung zum Harz, hatte sich Rögener Gedanken gemacht. Selbst eine Beschilderung hatte er bereits skizziert, um den Besuchern die notwendigen Informationen zukommen zu lassen. „Als ich gehört habe, dass dieses Projekt 80.000 Euro kosten soll, sind mir die Haare zu Berge gestanden“, echauffierte sich Rögener. Die Idee, die Steine auf irgendwelchen Stahlwangen zu platzieren, erachtet er als Verschandelung für das Teufelstal. „Die Steine haben verdient, dass sie bleiben wo sie hingehören. Sie sind mit dem Boden verwachsen“, so Rögener. Allein die mit gut 13.000 Euro veranschlagten Nebenkosten ärgerten ihn maßlos. „Die Vorlagen, die ich hier heute präsentiere“, sagte er, „sind mit wissenschaftlicher Unterstützung entstanden, und zwar bislang zum Nulltarif.“
Auch die Ausschussmitglieder waren nach dem Vortrag Rögeners nicht davon überzeugt, dass die Vorlage so wie sie vorliegt, unbedingt umgesetzt werden müsse. „Es ist geplant, die Exponate in geeigneter Weise aufzuarbeiten, visuell zu erklären und künstlerisch in Szene zu setzen“, heißt es in der Vorlage. Der „Geologische Zeitstrahl soll eine erkennbare Verbindung zwischen Kurort und besucherstarkem Höhlenerlebniszentrum bilden“, steht wenig später. Sogar eine Kostenaufstellung mit „12 Stelen aus gedoppelten Stahlwangen einschließlich Fundament, verzinkt und nass lackiert mit knapper Grafik“ für 39.000 Euro werden detailliert genannt.
„Ob das mit dem Stahl sein muss?“ fragte denn auch Matthias Lenz (SPD). Sein Genosse Michael Besoke stellte die Frage, was es koste, wenn die Fördermittel nicht beansprucht würden? Rögeners Kalkulation zu Folge sollten 20.000 Euro ausreichen. Uwe Sommermeyer, ebenfalls SPD, suchte die ideale touristische Darstellung. Seiner Meinung nach müsste dies recht „spektakulär geschehen“, wolle den Weg vom Höhlenerlebniszentrum durchs Teufelstal attraktiv gestalten. Dem widersprach Rögener hingegen: „Das Gestein braucht nicht künstlerisch dargestellt zu werden, 350 Millionen Jahre sprechen für sich“, spielte er auf das unvorstellbare Alter der Steine an.
Reinhard Pohl, CDU-Ratsherr und als Einwohner dem Ausschuss beiwohnend, sah hingegen das eigentliche Ziel des Weges nicht realisierbar. Der Weg oberhalb des Eisensteinstollens sei zu steil und unwegsam, als dass er als Zuweg zum Höhlenerlebniszentrum dienen könne. Zudem komme die schwierige Querung der Straße. Peter Schwinger, CDU, teilte den Optimismus eines unerwarteten Besucherandrang durch den Geologischen Zeitstrahl nicht. „Eine günstigere Variante dürfte den Kosten-Nutzen-Faktor eher entsprechen“, meinte er.
Woher die in der Vorlage genannten Kosten in Höhe von 79.000 Euro bei zwölf Steinen stammen, wusste der Ausschuss nicht genau zu beantworten. „Die sind in einer Kostenermittlung kalkuliert oder geschätzt worden“, sagte Bürgermeister Manfred von Daak (SPD), der wiederholt betonte, dass „ein besonderes Augenmerk auf die Verbindung zum Höhlenerlebniszentrum“ gelegt wurde. Auf die Frage, ob Partner im Finanzierungsplan, sollten die kalkulierten Kosten deutlich unterboten werden und man nur noch einen Teil der zugesagten Mittel abfragen, dann nicht auch bereitwillig weniger geben, meinte van Daak: „Das müsste gehen.“ Er betonte jedoch, dass die Zuschüsse nur bei Projekten mit touristischer Relevanz fließen. Die Frage, wer entscheidet, ob „touristische Relevanz“ vorliegt, blieb jedoch unbeantwortet.
So wurde der Beschluss mit der Ergänzung, dass der Bauauschuss sich in die weiteren Detailplanungen einbringt und auch Wilhelm Rögener als Fachmann in die Planungen einbezogen wird, mit zwei Gegenstimmen abgesegnet.