Geplantes Pumpspeicherwerk stößt auf geteiltes Echo

Marko Schmidt vom EFZN. (Foto: Strache)
 
Zahlreiche Bergstädter sind der Einladung ins Atrium gefolgt. (Foto: Strache)

Verunreinigung des Trinkwassers kann ausgeschlossen werden

Von Camillo Kluge, Bad Grund

Eine Information über das mögliche Pumpspeicherwerk im Wiemannsbuchtschacht lockte viele Neugierige ins Atrium. „Jahrhundertelang ausgebeutet, danach von der Preussag etwas im Stich gelassen, sollten wir glücklich über diese Idee sein und das Projekt unterstützen“, gab Bad Grunds Bürgermeister Manfred von Daak wohl nicht nur seine Einstellung preis, wie der eifrige Applaus des Plenums zeigte.
Marko Schmidt vom Energieforschungszentrum Niedersachsen (EFZN) hatte in einem Referat erläutert, wie „Windenergiespeicherung durch Nachnutzung stillgelegter Bergwerke“ funktioniert und wieso die Wahl auf den Harz gefallen sei. Wichtig bei seiner Betrachtung waren die Erhöhung der Erzeugungskapazität, damit der Harz möglichst keine Energie mehr zukaufen muss, sowie in dem Zusammenhang die Möglichkeit, diese selbst erzeugte Energie auch zu speichern. Dabei betonte Schmidt, dass regenerative Energieversorgung ein filigranes System sei, das „nur praktikabel wird, wenn alle Teile ineinandergreifen“.
Anhand dreidimensionaler und fast schon zu spezifischer Details erläuterte er, warum das EFZN beim Wiemannsbuchtschacht die idealen Voraussetzungen für eine solche Speicheranlage erkannt hat. Letztlich wäre hier mit dem im Vergleich zu den meisten anderen wenigsten Aufwand das Pilotprojekt in die Wege zu leiten. Auch deutete er an, dass noch längst nicht alle Schwierigkeiten, auch technischer Art, gelöst seien. Der Sorge bezüglich einer Verunreinigung von Gewässern widersprach Schmidt. Im Gegenteil wäre der Gewässerschutz, der derzeit „vom Landkreis aus Kostengründen etwas vernachlässigt wird“, so Schmidt, eine Auflage für den möglichen Betreiber des Pumpspeicherwerks. Er zeigte sich zuversichtlich, sein Ziel zu erreichen: „Ökostrom speichern vor 2020“.
„Wir brauchen grüne Regelenergien, die unsere Speicher auffüllen“, betonte auch Professor Hans-Peter Beck, Projektleiter am EFZN. Er betrachtet die vorliegenden Pläne „platt gesagt als ein Vehikel, um den Bergbau aus dem 19. in das 21. Jahrhundert zu transportieren.“ Die Befürchtungen, das Trinkwasser könne leiden, sei mit den Harzwasserwerken besprochen worden, und deren Geschäftsführer, Renke Droste, habe keine Gefährdung gesehen. Und die Gefahr, durch die Bewegung des Wassers im Berg eine Art Beben zu erzeugen, die Grünen-Ratsherr Jürgen Rähmer andachte, schmetterte Beck ab: „In Thüringen stehen zehnmal so große Anlagen, da gibt es auch keine Beben.“
Die andere Befürchtung, die laut wurde, war die ums liebe Geld. „Müssen wir bezahlen, was hier verbockt wird?“, lautete eine Frage aus dem Plenum. Auch die Wirtschaftlichkeit eines solchen Unterfangens, verglichen mit einem Braunkohlekraftwerk, rief bei einem Frager arge Skepsis hervor. Und was passiert, wenn auf Erz oder andere Rohstoffe gestoßen wird?
Bezüglich der Wirtschaftlichkeit beruhigte Thomas Kruckow von der Initiative Zukunft Harz, die Pumpspeicherwerke als eine ihrer Zukunftsvarianten führt, die Gemüter. Denn niemand werde investieren, wenn er sich nicht sicher ist, dass seine Investition Früchte trägt. Denn schließlich sollen nicht Gemeinde oder Land hier aktiv werden, sondern es soll möglichst ein Energieversorger an Bord geholt werden. Erzfunde oder ähnliches „genießen Vorrang und würden abgebaut“, sagte Schmidt klar. Allerdings könne man den Abbau dann ja gleich so strukturieren, dass im Anschluss mit möglichst wenig Aufwand dann ein Pumpspeicherwerk in die Stollen integriert werden könne. Auch würden sicher einige Arbeitsplätze entstehen, der Investor auf das Wissen der Bergleute zurückgreifen, „das nicht aus irgendwelchen alten Akten zu erlesen ist“, so Schmidt.
Landrat Bernhard Reuter begrüßte die Veranstaltung, zeigte sich angetan von der positiven Resonanz aus dem Plenum. „Wir wollten ein Meinungsbild“, sagte er, „und ich nehme jetzt mit, dass wir das Projekt weiter verfolgen sollen.“ Schließlich erlaubte er sich eine kleine Vision: „Wenn wir es gut hinbekommen, sind wir ein Vorzeigeprojekt in der Hochtechnologie.“