Glosse: „Der Zeitstrahl“ oder die Verschwendung öffentlicher Mittel
Es war einmal ein „Geologischer Lehrpfad“ durch das Teufelstal, der auf Initiative eines Grunder Ratsherrn vor drei Jahrzehnten angelegt wurde. Die 15 großen Gesteinsbrocken, die vor 25 bis 385 Millionen Jahren entstanden, liegen entlang des Weges. Die Beschilderung aus Holz ist dem „Zahn der Zeit“ zum Opfer gefallen. Es sind keine Schilder mehr vorhanden.
Von Peter Schwinger
Bad Grund. In ehrenamtlicher Arbeit und honorarfrei machten sich drei Fachleute ans Werk, das Gestein neu zu bestimmen. 15 Tafeln aus Metall gilt es anzubringen, dazu eine große Informationstafel aufzustellen, wünschenswert auch Zementsockel für die Exponate. Das Projekt wurde im Januar 2008 vorgestellt; die Kosten werden je nach Ausführung mit bis zu 10.000 Euro beziffert.
Das Stadtsäckel erlaubte diese Ausgabe nicht. Ein Sponsor stand wie ein Fels bereit. Es galt, weitere zu finden, oder den fehlenden Betrag aus dem Stadtsäckel zu zahlen. Letzteres war nicht möglich, da als „freiwillige Leistung“ vom Landkreis nicht genehmigungsfähig.
Zu aller Überraschung trat jetzt ein Unbekannter in Aktion. „Par Ordre de Mufti“ wurde von ihm ein „Geologischer Zeitstrahl“ zum Hinweis auf das HöhlenErlebnisZentrum (HEZ) verordnet. Für 80.000 Euro soll ein Highlight für den Fremdenverkehr entstehen. Die Tausende von Besuchern des HEZ sollen dem Zeitstrahl durch das Teufelstal folgen.
Der Stadtdirektor erhielt die Order, einen Antrag auf EU-Zuschüsse zu stellen. Zu erwarten sind 33.000 Euro – den Eigenanteil kann die Bergstadt nicht aufbringen. Der Landkreis minderte den Betrag auf 8.000 Euro und trägt den Restbetrag aus dem Kreishaushalt. In „vorauseilendem Gehorsam“ wurde der Ausgabe im Haushalt mit 7:6 zugestimmt. Ohne zu wissen, wie der „Geologische Zeitstrahl“ gestaltet wird. Nur künstlerisch mit viel Glas und Metall sollen die Gesteinsbrocken präsentiert werden. Ist das im Sinne kommunaler Selbstverwaltung?
Ein Architekturbüro übernahm die Planung, sicher in Erwartung des Auftrages, und hat kostenlos eine Skizze erstellt, die dem Rat jedoch nicht vorliegt. Die Sachentscheidung soll nach Zusage der beantragten EU-Zuschüsse erfolgen. „Das Pferd wurde von hinten aufgezäumt!“ Sollten Rat und Einwohner der Gestaltung nicht zustimmen, weil der „Zeitstrahl“ möglicherweise nicht in die Harzer Landschaft passt, würde es eine Ablehnung sicher nicht geben.
Als Highlight für den Fremdenverkehr soll der „Geologische Zeitstrahl“ entstehen und Tausende Besucher sollen ihm zum HEZ folgen. Stimmt das? Nein, die Besucher des HEZ kommen in Bussen und Pkw und nutzen den Parkplatz am HEZ oberhalb des Weges durch das Teufelstal. Es gibt zwar einen Ausweichparkplatz am Beginn des „Geologischen Zeitstrahls“, doch der wird nur von sehr, sehr wenigen Besuchern genutzt. Kosten und Nutzen müssen zusammenpassen, sonst liegt Verschwendung von Steuergeldern vor.
Nun, das sollte kein Problem sein: „Par Ordre de Mufti“ werden alle Besucher die paar Kilometer zum Ausgangspunkt des „Geologischen Zeitstrahls“ geschickt, damit die Ausgabe von 80.000 Euro gerechtfertigt ist.
