Harzer Höhenvieh vor dem Aussterben bewahren

Reinhard Wollenweber opfert einen großen Teil seiner Freizeit für die Pflege der 23 Tiere.
 
Kai Wollenweber führt ein Tier mit dem Hütehund Judy im Rahmen des Harzer Heimattages durch die Grundner Innenstadt.

Interessengemeinschaft Bergwiesen betreibt mit 23 Tieren traditionelle Landschaftspflege im Raum Bad Grund

Das Harzer Rote Höhenvieh sicherte einst für die Bergleute und ihre Familien den Lebensunterhalt. Als heimische Rinderrasse waren die Tiere an die klimatischen Bedingungen angepasst und halfen die steilen Harzer Berghänge zu bewirtschaften. Milch und Fleisch der Nutztiere waren wichtige Nahrungsquellen. Dann begannen andere Hochleistungsrassen das Harzer Höhenvieh als Nutztier zu verdrängen bis es im Jahr 1996 fast ausgestorben war.

Heute leben wieder 23 Tiere in Bad Grund. Im Rahmen der Agenda 2000 wurde im März 1999 die Interessengemeinschaft (IG) Bergwiesen und Harzer Rotes Höhenvieh gegründet. Mit der Idee Landschaftspflege im Raum Bad Grund zu betreiben, legten Reinhard Wollenweber, Wolfgang Domröse, Hubert Rennhofer und die Agendabeauftragte Petra Schmalle vor elf Jahren den Grundstein für die heutige Arbeit mit den Tieren.
„Wir sind dort, wo sonst keiner hinkommt“, sagt Reinhard Wollenweber Vorsitzender der IG. Die Grünflächenpflege in der Gemeinde wird an steilen Hängen und steinigen Wiesen betrieben, die mit Maschinen nicht bewirtschaftet werden können. Traditionsgemäß eignet sich die Beweidung mit dem Harzer Roten Höhenvieh am besten, um die Flächen rund um Bad Grund zu pflegen und die Artenvielfalt auf den Bergwiesen zu erhalten.
Die Herde ist in vier Gruppen aufgeteilt und befindet sich von Mai bis November auf den Weiden. Die Flächen sind einen halben bis sieben Hektar groß und gehören größtenteils nicht der Interessengemeinschaft. Gärten von Mitgliedern und Privatleuten, ebenso wie von der Forst gepachtete Flächen weidet die Herde ab. Auf der größten Wiese im Aboretum kommt die traditionelle Harzer Kuhglocke zum Einsatz, damit die Tiere schnell zu finden sind.
Wie viel Zeit vergeht bis die vier Gruppen unter Einsatz des Treibewagens auf eine andere Weide gebracht werden, ist von der Größe der jeweiligen Weide abhängig. Manchmal verbringen die Tiere sechs bis acht Wochen auf einer Weide; manchmal aber auch nur drei bis vier Tage.
Im November zieht die gesamte Herde in das von der Forst gepachtete Winterquartier bei Wiemannsbucht um. Dort leben die Tiere in zwei oder drei Gruppen und ernähren sich von Heu, Stroh und Grassilage. In der Zeit bis Januar bringen die Harzkühe, die älter als zwei Jahre sind, ihre Kälber zur Welt – in diesem Jahr waren es acht. Doch die Interessengemeinschaft kann nicht den kompletten Nachwuchs behalten, da die Ernährung der Tiere mit hohen Kosten verbunden ist. Die Tiere werden verkauft, teilweise auch geschlachtet.
Möglich wird die Arbeit mit den Tieren erst durch Spenden und den Beitrag der 60 IG-Mitglieder. Die Gelder fließen ausschließlich in die Versorgung und Haltung des Harzer Rotes Höhenviehs. Angeschlossen an den Kur-und Touristikverein Bad Grund erfährt die ehrenamtliche Arbeit auch durch die Beschäftigungsinitiative (BIS) der Samtgemeinde Unterstützung. Ein Beschäftigter der BIS kontrolliert jeden Tag die Elektrozäune auf den Weiden und stellt sicher, dass die Tiere genug Wasser haben.
Reinhard Wollenweber fährt abends auch noch einmal auf die Weiden, denn der regelmäßige Kontakt mit der Herde ist sehr wichtig. Es ginge schließlich nicht nur darum Besitzer des Harzer Roten Höhenviehs zu sein, sondern auch ein gemeinsames Leben mit den Tieren zu führen.Bei Interesse an der Arbeit der Interessengemeinschaft (IG Bergwiesen), erteilt Reinhard Wollenweber unter der Rufnummer (05327) 1234 gerne weiterführende Informationen.