Heilende Kraft der Natur im Inneren des Ibergs

Sabine Isermann bringt den Patienten Tee und unterweist Erstbesucher.

Atemtherapie für Lungen- und Bronchialkranke /Viele Patienten können wieder frei durchatmen

Der Heilstollen ist das heilklimatische Alleinstellungsmerkmal der Bergstadt Bad Grund schlechthin. Die gesunde und reine Luft im Inneren des Ibergs hilft nicht nur Heuschnupfenallergikern oder Asthmatikern, bei verschiedenen Krankheitsbildern im Bereich Lunge und Bronchien bietet die Heilstollentherapie in dem Eisenstollen Hilfe und Erleichterung. „Es ist eine Atemtherapie für Lungen- und Bronchialkranke“, fasst Sabine Isermann, die für das Gesundheitszentrum Bad Grund die Patienten im Stollen betreut, zusammen.
Sie bringt den Patienten, die sich pro Sitzung in dem konstant sieben Grad kalten Stollen zwei Stunden aufhalten müssen, nach einer Stunde Tee und unterweist die Erstbesucher: „Nicht schlafen“, lautet ihre erste Mahnung, der mollig in Decken eingemummelt auf bequemen Liegestühlen ruhend gar nicht so leicht Folge zu leisten ist. „Die Atmung ist dann zu flach und die Sauerstoffaufnahme nicht so hoch und intensiv“, begründet sie die Vorgabe, und fügt Augenzwinkernd hinzu: „Und Schnarchen stört die Mitbesucher.“
Zudem gebe es tatsächlich sehr viele sensible Patienten, die auch einfach die Ruhe genießen wollen, lediglich vom unregelmäßigen Geräusch tropfenden Kondenswassers unterbrochen. „Die stören sich tatsächlich schon daran, wenn ein anderer die Zeitung umblättert“, hat Isermann erfahren. Doch sind das Ausnahmen. Mit den meisten Besuchern, die sie durch die Bakterienschleuse ins Innerste des Stollens geführt hat, kommt sie prima aus. Da die ideale Kur wenigstens 21 Tage dauern sollte, ist ja auch reichlich Zeit, sich mit den Gästen zu beschäftigen.
Manche kommen auch nur drei Tage. „Ich bin zum Schnuppern hier“, sagt Bettina Schnor. Sie wohnt in Bad Gandersheim und nutzt das Schnupperangebot. „Ich habe Asthma mit unterschiedlichen Krankheitsschüben“, sagt sie. Bettina Schnor will testen, ob sich durch den Stollenbesuch eine Verbesserung bemerkbar macht, und hat schon am zweiten Tag einen kleinen Erfolg festgestellt: „Die Nase ist deutlich freier.“
Gerda Nickel ist bereist eine knappe Woche hier. Die Hallenserin leidet an chronischer Bronchitis und hofft hier auf eine spürbare Linderung. Grundsätzlich empfindet sie schon die gute Harzluft als Verbesserung für ihre Atemwege, aber „seitdem ich hier drin bin, huste ich gar nicht mehr viel.“ Georg Wörner genießt die täglichen Besuche im Eisenstollen ebenfalls bereits seit einer knappen Woche. „Ich werde hier sehr nett behandelt“, verteilt er zunächst ein Lob an die Mitarbeiter des Gesundheitszentrums. Der Senior aus Bad Brückenau schleppt „seit Jahren ein Schleimproblem“ mit sich, doch „der löst sich hier sehr gut, das ist sehr angenehm hier.“
Ein wenig lässt sich der Nutzen der Heilstollentherapie auch an Zahlen fest machen. „Über 80 Prozent der Patienten, die das Angebot wenigstens drei Wochen nutzten, hatten hinterher ein deutlich größeres Lungenvolumen“, fasst Kerstin Peinemann vom Gesundheitszentrum bereits ausgewertete Daten von 2010 zusammen. Kein Wunder also, dass der Eisensteinstollen in Bad Grund vom Heilstollenverband die höchste Auszeichnung in Form von drei Sternen verliehen bekam. Schließlich wird dort die heilende Kraft der Natur genutzt, und viele Patienten können endlich wieder frei durchatmen.