Hitzige Debatte über Kur-Status der Bergstadt

Stadtdirektor Dietzmann zeigt kein Verständnis für den Antrag auf Anerkennung als Erholungsort

Bad Grund (bo). Kurort oder Erholungsort? Diese Frage erregte die Gemüter der Ratsherren und des Stadtdirektors. Als Ratsherr der FWG hatte Jürgen Knackstädt die Überlegung in den Raum gestellt, für Bad Grund nicht den Status „Heilklimatischer Kurort“, sondern nur den Status „Erholungsort“ zu beantragen, um Kosten für das Anerkennungsverfahren zu sparen.
Vor Behandlung dieses Tagesordnungspunktes unterbrach Bürgermeister Manfred von Daak die Ratssitzung für eine Bürgerfragestunde, um Dr. Oswald Sander, als privatem Betreiber der Kureinrichtungen, die Möglichkeit zu geben, warum zusätzlich zur Anerkennung als „Kurort mit Heilstollenkurbetrieb“ die Anerkennung als „Heilklimatischer Kurort“ angestrebt wird. In seinen Ausführungen - wie auch in der Begründung zum Antrag auf Prädikatisierung als „Heilklimatischer Kurort“ nachzulesen - ging Dr. Oswald Sander darauf ein, wie gut sich die Heilstolleninfrastruktur mit den Heilanzeigen für heilklimatische Kurorte ergänzt, um den Wellness- und Gesundheitstourismus zu beleben. Bad Grund habe mit seinen Einrichtungen ideale Angebote für Kur-, Gesundheit- und Erholungssuchende. Als Erholungsort könnten diese nicht erhalten werden. Übrigens seien die Kosten für die Anerkennung gleich hoch.
Das hob auch Stadtdirektor Harald Dietzmann hervor, der für die Überlegung „Antrag auf Anerkennung als Erholungsort“ kein Verständnis zeigte und darauf hinwies, dass für die weniger erforderlichen Einrichtungen als Erholungsort die Kurtaxe auf rund 50 Cent gesenkt werden müsste. Und damit könnten die bestehenden Kureinrichtungen nicht erhalten bleiben.
Ratsherr Uwe Sommermeyer hielt ein „brennendes Plädoyer“ für den Erhalt des Fremdenverkehrs und sprach sich vehement für den Antrag zur Prädikatisierung als „Heilklimatischer Kurort“ aus. Ratsherr Karl-Hermann Rotte machte deutlich, dass die Anerkennung als „Kurort mit Heilstollenkurbetrieb“ nicht den gewünschten Erfolg gebracht habe. Die Bemühungen, die Höhlentherapie als anerkanntes Heilmittel in den Leistungskatalog der kassenärztlichen Vereinigung aufnehmen zu lassen, sei nicht erreicht worden und es sei fraglich, dieses in nächster Zukunft zu erreichen. Ratsherr Dieter Reinecke brachte ein Beispiel aus der Privatwirtschaft, mit dem deutlich wurde, dass ohne Qualitätssicherung und Zukunftsplanung keine Erfolge zu erreichen seien.
Nach Rückkehr zur Tagesordnung erklärte CDU-Fraktionssprecher Peter Schwinger die Zustimmung der CDU-Fraktion. Unter Hinweis auf die Notwendigkeit zum Erhalt des Status „Kurort“ und dem Verweis darauf, dass die Bergstadt zwar formell Antragstellerin sein müsse, die Kosten jedoch von der Gesundheitszentrum Bad Grund GmbH (GZ) getragen würden. Außerdem sei eine Neukalkulation der Kurtaxe ohnehin erforderlich. Von der GZ sei nachgewiesen worden, dass eine Anhebung der Kurtaxe von 1,50 Euro auf 1,80 Euro pro Übernachtung zum Erhalt der Einrichtung erforderlich ist. Von der Verwaltung sei dem Rat eine neue Kurbeitragskalkulation vorzulegen, um abschließend darüber zu entscheiden. Anmerkung: Die bestehende Kalkulation sah einen Betrag von 1,76 Euro vor, der aus „optischen Gründen“ auf 1,50 Euro gesenkt wurde. Die Diskussionsbeiträge überzeugten letztendlich auch den Ratsherren Jürgen Knackstädt, und dem Antrag auf Anerkennung als „Heilklimatischer Kurort“ wurde einstimmig zugestimmt.