Hoffnung, dass sich die Fördermentalität wieder ändert

Auch zahlreiche Wege im WeltWald entstanden durch Kräfte der Beschäftigungsinitiative.

Joachim Grupe hat sich mit Mitarbeitern den Kopf zerbrochen, wir man Bürger über BIS weiterbeschäftigen kann

Durch die veränderte Sozialgesetzgebung fallen zum Ende des Jahres auch die letzten so genannten Ein-Euro-Jobs in der Samtgemeinde Bad Grund weg. Doch sind von diesen Mitarbeitern viele Tätigkeiten ausgeführt worden, die sonst nicht erledigt worden wären, sei es aus Kostengründen, sei es mangels freier Kapazitäten.
Doch ist das beileibe nicht der einzige Grund, warum sich der stellvertretende Samtgemeinde-Bürgermeister Joachim Grupe mit einigen Mitarbeitern den Kopf zerbrochen hat, wie man die über die „Beschäftigungs-Initiative Samtgemeinde“ (BIS) Bürger weiter beschäftigen kann. „Viele dieser Menschen wurden von uns über Jahre betreut“, sagt SG-Bürgermeister Harald Dietzmann, „wir kennen die Leute gut, ihre Stärken und ihre Schwächen.“ Dabei handelt es sich vorrangig um Mitbürger, die sonst wohl nicht mehr in eine Tätigkeit vermittelbar wären. „Manche haben gesundheitliche, manche andere Probleme“, so Dietzmann weiter, „mit der BIS und dem Verein Arbeiten und Lernen haben sie einen Halt gehabt.“ Die Befürchtung, dass mancher ohne diesen Halt sozial noch weiter abrutscht, ist berechtigt.
Also gilt, „erstens wollen wir den Menschen weiter helfen“, sagt Dietzmann, aber eben so, dass „zweitens die Öffentlichkeit auch etwas davon hat.“ Dabei genießt weiterhin höchste Priorität, dass diese Mitarbeiter weder Handwerksbetrieben noch dem Bauhof Aufgaben wegnehmen. „Es handelt sich immer um Dinge, die sonst keiner erledigt hätte“, so Dietzmann. Manchmal war die Verfügbarkeit dieser Kräfte sogar ein Katalysator. „Vielleicht hätte der eine oder andere Förderverein ein Spielgerät nicht für den Kindergarten gekauft, wenn nicht über die BIS eine günstige Aufstellung gesichert gewesen wäre“, meint Dietzmann.
Das ist nun zum Jahresende vorbei. Doch ist man in der Verwaltung davon überzeugt, dass diese veränderte Sozialgesetzgebung zumindest in diesem Punkt über kurz oder lang revidiert wird. Und so haben „wir versucht, mit allen Mitteln, die wir kennen, und Möglichkeiten, die wir erschließen können, dem entgegen zu wirken“, sagt Grupe. Auf ein Jahr wurde nun ein Konzept angelegt in der „Hoffnung, dass sich die Fördermentalität wieder ändert.“ Mittels der Rücklagen, die der Verein Arbeiten und Lernen in den Jahren erwirtschaftet hat, ist wenigstens ein Jahr die neue „Betreuungs-Initiative Gemeinde Bad Grund“ (BIG) finanziell gesichert.
Die BIG ermöglicht auch eine Fortsetzung des Projektes Bürgerarbeit, neun Plätze wurden da bewilligt, doch konnten nur sieben besetzt werden. Für die beiden anderen fand sich kein qualifizierter Arbeiter. Die Bürgerarbeiter werden dann über den BIG beschäftigt, über die Gemeinde „wäre das zu teuer gewesen“, so Grupe. Zudem sind sowohl die Bürgerarbeiter, die sicher am ehesten eine Chance haben wieder Fuß im Berufsleben zu fassen, als auch die über BIS, demnächst BIG- Beschäftigten, sofort bereit gewesen, weiter zu machen.
Über den Winter werden zunächst die drei Mitarbeiter im Jugendcafé sowie fünf in der Werkstatt anfangen. Wenn der Schnee dann weg ist, wird die Helferzahl für Tätigkeiten unter freiem Himmel um etwa ein Dutzend Stellen aufgestockt. Grupe betont noch einmal, dass „die Leute ansonsten nicht vermittlungsfähig“ sind. Bei diesen Tätigkeiten hingegen blühen sie auf, geben etwas zurück, „das Selbstwertgefühl steigt“, so Grupe. Doch dieser Umstand erklärt auch die Kosten. Zwar bekommen diese Mitarbeiter nur einen Euro pro Stunde, maximal 100 Euro im Monat, doch muss stets eine Aufsicht dabei sein, nicht zuletzt schon wegen der Arbeitssicherheit. Geschult werden sie teilweise auch. Einige haben einen Gabelstaplerschein, andere einen Kettensägenschein oder einen EDV-Grundkurs besucht.
Zwar sind mit den Behörden die wesentlichen Eckpunkte abgeklärt, das Jobcenter hat Zustimmung und Unterstützung signalisiert und auch der Samtgemeinderat hat das Konzept einstimmig abgenickt, dennoch befürchtet Dietzmann, dass „vielleicht noch der eine oder andere theoretische oder juristische Fallstrick auftaucht.“ Dennoch wird das Projekt angegangen, erstmal bis Ende Juni 2013. Dann wird geprüft, ob die Rechnungen, die der Verein aufstellte, aufgehen und entweder weiter gemacht bis Jahresende oder aber „sofort die Reißleine gezogen“, so Grupe. Für die Gemeinde gibt es absolut kein Risiko, „das trägt allein der Verein“, sagt Grupe, der auch 2. Vorsitzender ist.