„Ich wollte die schon lange mal live sehen!“

Chris Harms, Frontmann von Lord of the Lost. (Foto: Dolle)

Initiator Daniel Schulz gelingt es jedes Jahr, Bands auf die „Devil Stage“ zu holen, die sich einen Namen gemacht haben

Im Rahmen der Walpurgisfeier in Bad Grund mit dem traditionellen Open Air Theater am Hübichenstein und dem durch eine große Bühne und zahlreichen Buden und Attraktionen zum Hexenkessel umgestalteten Ortskern hat sich auch das Walpurgis Rockfestival am Hübichplatz etabliert. Seit einigen Jahren gelingt es Initiator Daniel Schulz Bands auf die „Devil Stage“ zu holen, die sich innerhalb der Szene und häufig auch darüber hinaus einen Namen gemacht haben.
Den Anfang machten in diesem Jahr Maerzfeld, die bereits am Nachmittag härtere Töne anschlugen und mit ihrem Industrial-/Metalsound auf die spät in der Nacht als letzte Band spielenden Stahlmann vorbereiteten. Beide Bands begeisterten mit harten, mechanischen, direkt in den Magen und die Beine fahrenden Klängen, auch wenn Stahlmann am Abend weitaus mehr Publikum vor die Bühne locken konnten. Das wiederum liegt zum Teil am Erfolg der Band, zum Teil aber auch an der Verbundenheit mit der Region, so dass man häufig den Satz „Ich wollte die schon lange mal live sehen!“ hören konnte. Die Erwartungshaltung wurde nicht enttäuscht, lieferten die vier versilberten Musiker eine mitreißende Show ab.
Doch auch zwischendurch wurde ein abwechslungsreiches und hochkarätiges Programm geboten. Bereits zum dritten Mal wurde die Wacken Metal Battle präsentiert, bei der drei Newcomerbands um den Einzug ins Finale auf dem Wacken Open Air spielen. In diesem Jahr konnten sich Aeons Confer in der Gunst der Jury gegen Die in Vain und Purid durchsetzen.
Mittelalterrock beziehungsweise Folk-Metal gab es anschließend von der Band Harpyie, die unter anderem schon mit den ebenfalls kürzlich in Osterode gastierenden Vogelfrey auftraten. Sie boten ausgefeilte und mit Dudelsack, Flöten und Geige instrumentierte Songs in deutscher Sprache, die gleichermaßen ungewohnt wie eingängig klangen.
Akustische und im Vergleich zu allen anderen Bands deutlich leisere Töne gab es vom Subway to Sally-Frontmann Eric Fish, der mit seinem Soloprojekt Eric Fish and friends zu Gast war. Er dankte Daniel Schulz für den Mut, seiner Musik in diesem Rahmen Raum zu bieten, das Publikum wiederum dankte es den Musikern mit begeistertem Applaus für einige Stücke, die zeigten, dass es beim Rockfestival auf mehr als Lautstärke und elektrischen Gitarrensound ankommt.
Dass die harten Töne allerdings nicht fehlen dürfen, bewiesen die Musiker von Lord of the Lost, deren charismatischer Sänger Chris Harms nicht nur eine kraftvolle Show, sondern auch eine beeindruckende Bandbreite mal düsterer, mal pulsierender, mal bombastischer Songs präsentierte. Wie bereits im vergangenen Jahr sorgte die Band für dichtes Gedränge und tolle Stimmung vor der Bühne und dafür, dass auch bei ihrem Auftritt die Zeit viel zu schnell verflog. Allerdings ist nicht ausgeschlossen, dass die Harzer Fans Lord of the Lost wiedersehen werden. „Bad Grund ist das genaue Gegenteil von unserer Heimat St. Pauli und, soweit ich das heute Nachmittag gesehen habe, ein Ort, an dem ich mir vorstellen könnte, alt zu werden“, sagte Harms nach der Show.