Inhaber-Jubiläum für Tino Bielefeld bei Dörpmund

Tradition verbindet: Tino Bielefeld (rechts) führt seit 20 Jahren in vierter Generation die Buchhandlung Dörpmund. „Beobachter“-Verlagsrepräsentant Wolfram Marx überbrachte Glückwünsche der Lokalzeitung, die 1875 das erste Mal erschien und damit nur ein klein wenig älter ist. (Foto: Mühlhause)

Bad Grundner leitet seit 20 Jahren das Traditionsunternehmen / Neues Landkreis-Buch zu gewinnen

Seit über 130 Jahren am gleichen Ort und immer in Fa­mi­lien­hand: Das ist die außergewöhnliche Geschichte der Buch­handlung Dörpmund.

Kein anderes Geschäft der Bergstadt kann auf eine solch lange und bewegte Tradition zurückblicken. Seit 1884 dreht sich in der Osteroder Straße 40 alles um Bücher, Presse, Schreibwaren, Kunstgewerbe und vor allem um zufriedene Kunden.
Das war schon so, als Georg Wilhelm Otto Dörpmund im Jahre 1884 die Schreibwaren- und Buch­handlung eröffnete. Er gründete damit eine Fa­mi­li­en­tradition, die bis heute anhält. Im Laufe der Jahre wurde die Buch­handlung immer mo­der­ni­siert. „Der Tradition ver­bun­den, dem Fort­schritt ver­pflich­tet“, heißt es schon, als 1984 der 100. Geburtstag des Ladens gefeiert wurde. Für die Dörpmunds – die heute Bielefeld heißen – immer eine Selbst­verständ­lichkeit. Ende des 19. Jahr­hunderts, Bad Grund hatte damals 462 Haushalte und 1899 Einwohner, wurde eine Leihbücherei an das Geschäft angeschlossen. Als der Firmengründer 1922 starb, übernahm die zweite Generation das Ruder. Emil Wilhelm Otto Dörpmund hatte den Umgang mit Papier von der Pike auf gelernt, er war nicht nur Buchhändler, son­dern beherrschte auch das Kunsthandwerk des Buchbindens.
Der „Otto" genannte zweite Dörp­mund-Chef nutzte den Auf­schwung Bad Grunds als Kurort und Som­mer­frische-Residenz: 1922, 1928 und noch einmal 1933 baute er das Geschäft um und aus. Die Schau­fens­ter wurden größer, die Ver­kaufs­flächen ebenso. Während der natio­nal­sozialistischen Herr­schaft musste auch Otto Dörpmund an die Front. Seine Frau Sophie Luise Minna, eine geborene Bohnensack aus Bockenem, führte die Buch­hand­lung souverän durch die Kriegs­jahre. Dabei zog sie die beiden Töchter, Margarethe und Annaliese, groß. Den Büchern blieben beide treu. Margarethe wurde Bib­lio­thekarin, Annaliese ist bis heute im Geschäft.
In den Nachkriegsjahren, Otto war aus französischer Gefangenschaft zurückgekehrt, wurde weiter mo­der­nisiert. 1966, mittlerweile war auch Schwiegersohn Manfred Bie­le­feld ins Geschäft ein­ge­stieg­en, wurde ein großer Umbau in Angriff genommen. Aus zwei kleinen Läden, einem für Tabak, einem für Bücher, wurde einer. Damals erhielt das Ge­schäft seine neue Form, die Jahr­hun­derte alte Fachwerkfassade ihr heutiges Gesicht.
1974 übernahm die dritte Ge­ne­ra­tion offiziell die Buch­hand­lung Dörpmund. Zwar heißen Anna­liese, geborene Dörpmund, und Manfred mit Nach­namen Bie­lef­eld, der Firmen­name aber hat ebenso Bestand wie der Service für die Kunden. Dazu gehört jetzt auch der Verkauf der lokalen Tageszeitung „Beobachter“, die täglich auch eine Seite mit Berichten aus der Gemeinde Bad Grund veröffentlicht.
Neue Themen kommen hinzu – zum Bei­spiel Schulbuchlieferungen an Lehr­an­stalten in Bad Grund, Ba­den­hausen, Eisdorf, Gittelde, Osterode und Claus­thal-Zellerfeld. Die gute Zusam­men­arbeit mit den Schulen trägt auch dazu bei, den Bücher-Bestell-Service in der Gemeinde Bad Grund aufrecht zu erhalten. Ein Buch, heute bis 18 Uhr bestellt, ist am nächsten Morgen ab 7 Uhr abholbereit – das ist heute tägliches Geschäft. In Zeiten von großen anonymen und immer gleichen Ladenketten ist persönlicher Service und fachkundige Beratung vor Ort ein seltenes und gefragtes Gut geworden. Dieses Engagement zeichnet sich aus: Seit 1997 gehört die Buchhandlung Dörpmund zu den ersten in Südniedersachsen ausgezeichneten Presse-Fachhändlern – erkennbar an dem blauen Globus an der Fassade. Das Zeichen für besonderen Service und Angebot. Und das übrigens schon ab 6.30 Uhr morgens. Im Jahr 2004 kommt eine Toto-Lotto-Verkaufsstelle hinzu, seit 2007 ein Hermes-Paket-Shop.
Tradition gehört zum Geschäft. Denn mit vielen Lieferanten besteht bereits eine jahrzehntelange Part­nerschaft. So auch mit dem Seesener „Beobachter”, der hier von Montag bis Samstag erhältlich ist. Bücher, Presseerzeugnisse und Schreibwaren sind ebenso Be­stand­teil wie traditi­onelles erz­ge­bir­gi­sches Kunst­handwerk. Weih­nachts­engel und handgefertigte Holzfiguren der Firma Wendt & Kühn waren schon zu DDR-Zeiten und lange davor begehrt und sind derzeit im Laden gut nachgefragt.
Für Neuerungen zuständig ist Tino Bielefeld, der seit 1996 das mo­derne Traditionsunternehmen in vier­ter Ge­ne­ra­tion in der Osteroder Straße 40 führt und jetzt sein 20-jähriges Inhaber-Jubiläum hat.