„Jede Zeit hat ihre Herausforderungen“

Manfred von Daak, seinerzeit Schriftführer der ersten Sitzung. (Foto: Kluge)
 
Samtgemeinde-Bürgermeister Harald Dietzmann. (Foto: Kluge)

Nur drei Zuhörer besuchen die Jubiläumsveranstaltung zum 40-jährigen Bestehen der Samtgemeinde Bad Grund

Es war der 10. November 1972, als im Kurhaus in der Elisabethstraße der Rat der Samtgemeinde Bad Grund zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen trat. Heute ist in dem einstigen Kurhaus das Uhrenmuseum zu finden, und der Rat lud zu einer Jubiläumssitzung auf den Tag genau 40 Jahre später ein.
Doch fand diese Sitzung, in der einige Zeitzeugen einen Blick zurück in die Geschichte der Samtgemeinde warfen, kein öffentliches Interesse. Lediglich enttäuschende drei Zuhörer fanden sich im Atrium, um einem Heinrich Wachsmuth, immerhin neun Jahre als Samtgemeindebürgermeister im Amt, oder einem Arndt Beckmann, der die kompletten 40 Jahre einen Ratssitz inne hatte, zuzuhören, wie sie Anekdoten aus der jüngsten Vergangenheit erzählten. „Es war seinerzeit ein Startschuss in eine neue kommunalpolitische Zeit“, betitelte Manfred von Daak, seinerzeit Schriftführer der ersten Sitzung, heute Bürgermeister Bad Grunds und Vorsitzender des Samtgemeinderates. „Heute, an der Schwelle zur Einheitsgemeinde“, dränge sich ein Rückblick geradezu auf.
Wachsmuth, 26 Jahre lang SG-Ratsmitglied und davon neun als Bürgermeister, erinnerte sich noch an die vom Land beschlossene Gebietsreform und die vielen Entscheidungen, die nicht nur in seiner Heimatgemeinde Badenhausen zu fällen waren. Heinz Blume, SG-Ratsherr der ersten Stunde, verriet, dass sich sein Ort Eisdorf mit Willensen in „die Samtgemeinde eingeschleust“ habe. „Die kamen beide aus Osterode“, so Blume, doch der Entwicklungsplan vom Raumordnungsamt sah „keine Entwicklung für Eisdorf oder Willensen vor, weder ein Wohn- noch ein Gewerbegebiet.“ Dann wurden erste Pläne über eine Gemeinde Sösetal mit Förste und Dorste zusammen entwickelt. Da sprang dann auf den letzten Drücker Dorste ab. Schließlich habe man sich mit Gittelde und Windhausen zum Beitritt zur Samtgemeinde Bad Grund durchgerungen.
„Als klar war, dass Bad Grund sich nicht dem Oberharz anschließen wird, war der Weg zur Samtgemeinde frei“, stellte auch Arndt Beckmann fest. Der Gittelder hat die gesamten 40 Jahre dem SG-Rat angehört, alle Entwicklungen so mit entschieden. Das gilt für das zentrale Rathaus, dass schließlich 1976 in Windhausen gebaut wurde und die Verwaltungsaufsplittung auf Badenhausen, Gittelde und Bad Grund aufhob. In ein paar Stichworten wie Schulen- und Kindergartengründung oder neue Abwasserleitungen fasste er ein paar der Errungenschaften der jüngsten 40 Jahre zusammen. „Wir können stolz darauf sein, was wir geschafft haben und das keine Mitgliedsgemeinde benachteiligt wurde, was ich mir auch für die Zukunft wünsche“, zielte er auf die in Riesenschritten nahende Einheitsgemeinde ab.
Zufrieden durfte auch Karl Schwarze sein, Altbürgermeister Windhausens und SG-Ratsherr der ersten Stunde. „Eigentlich sah das Harzgesetz eine Eingemeindung von Windhausen bei Bad Grund vor“, erinnert er sich, doch auch heute noch ist Windhausen eine eigene Gemeinde. Mit Lächeln kann er auch auf heftige Diskussionen allein wegen der Wasserversorgung zurück blicken, wo Windhausen zwischenzeitlich gedroht wurde, dass das Wasser abgestellt werde. Von Daak bedauert auch heute nicht, dass Bad Grund sich seinerzeit gegen einen Zusammenschluss mit der SG Oberharz entschied, obwohl es zuvor im Landkreis Zellerfeld integriert war. „Wir sahen bessere Entwicklungschancen mit dem Vorharz zusammen“, sagte er. Schwierige kommunale Aufgaben seien erfolgreich gestemmt worden wie die Kläranlage in Förste.
Auch wenn die SG Bad Grund nun zur Einheitsgemeinde wird, „die Samtgemeinde ist kein Auslaufmodell“, stellte Uwe-Peter Lestin, Vorsitzender des Niedersächsischen Städte- und Gemeindebundes, fest. Brandenburger Gemeinden hätten sich noch neulich bei ihm vor Ort über das SG-Modell informiert. In lockerem Plauderton schilderte einige der Wünsche und Ziele, die der Verband gerne durchgesetzt bekäme. Mittel gehörten seiner Meinung nach bezüglich der zu bewältigenden Aufgaben verteilt und die Interkommunale Zusammenarbeit (IKZ) funktioniere sicher besser und effektiver, wenn sie keine Mehrwertsteuer- und Ausschreibungspflicht beinhalte. „Jede Zeit hat ihre Herausforderungen“, betonte der amtierende Samtgemeindebürgermeister Harald Dietzmann, „auch wenn diese sich ähneln.“ Sein Blick ging von der Samtgemeinde hin zur Einheitsgemeinde. Er skizzierte den Werdegang mit Zukunfts- und Gebietsänderungsvertrag bis zur derzeit laufenden „intensiven Diskussion um Hauptsatzung, Ortsratsbudget oder Geschäftsordnung.“ Doch gehe das sehr ruhig zu, denn „wir arbeiten mit den Gemeinden sehr gut und vertrauensvoll zusammen“, sprach er für die Verwaltung, „wir vermitteln einen geschlossenen und einheitlichen Eindruck.“
Nach der Jubiläumssitzung kam der Rat samt Gästen noch zu einem gemeinsamen Essen zusammen. Etwas, das wohl früher öfter üblich war. „Die Ratssitzungen fanden meist in Gaststätten statt und danach saß man immer noch gemütlich beisammen“, erinnerte sich wohl nicht nur Beckmann gerne zurück.