„Keiner muss Angst vor dem Rotstift haben“

Sportvereine der Gemeinde an einem Tisch / Kommune will weiter alle Einrichtungen kostenfrei zur Verfügung stellen

Fast 20 Jahre her ist es, dass letztmals Vertreter der Sportvereine, der damals noch Samtgemeinde Bad Grund, mit Vertretern der Verwaltung im Rathaus an einem Tisch saßen. Jetzt gab es auf Einladung der mittlerweile unter Einheitsgemeinde laufenden Verwaltung eine Neuauflage, zu der auch zwölf der 13 geladenen und betroffenen Vereine Vertreter entsandt hatten.

Wie damals ging es auch um Fragen der Zusammenarbeit und der Finanzen. Wobei der stellvertretende Bürgermeister Joachim Grupe betont, dass „keine Haushalts-Sanierung im Vordergrund des Treffens“ stand, sondern das Ziel eine einheitliche Sortierung und Ordnung sei. Denn „es hat sich einiges getan im Sport“, so Grupe, der diesbezüglich auf eine andere Altersstruktur genauso verwies wie auf ein verändertes Sportangebot. Als Beispiel nannte er den enormen Rückgang der Handball-Mannschaften oder das vermehrte Auftreten von Spielgemeinschaften nach der Jugend- nun auch im Seniorenbereich beim Fußball. Seinerzeit gelang es trotz finanzieller Engpässe den Mitgliedsgemeinden der Samtgemeinde, ihren Vereinen dennoch ein ordentliches Sportstättenangebot zu präsentieren. Das ist seit März mit der Einheitsgemeinde nun komplett Aufgabe der Gemeinde Bad Grund (Harz). Das betrifft zum einen Pflege und Verwaltung der Sportstätten, aber auch ein mögliches finanzielles Engagement.
Derzeit belaufen sich allein die Kosten für die Sporthalle in Badenhausen, die größte in der Gemeinde, auf etwa 31.000 Euro jährlich. Davon verursacht der Vereinssport knapp die Hälfte der Kosten. Die Sporthallen Bad Grund (19.500 Euro), Eisdorf (17.300 Euro) und Gittelde in ähnlicher Höhe kommen dazu. Nicht zu vergessen die anteiligen Kosten am Sportlehrer, der im Auftrag und finanziert durch mehrere Vereine und Gemeinden arbeitet, in Höhe von 8800 Euro. „Alles gut angelegtes Geld“, betont Grupe, „und es gibt keinen Grund zur Sorge, dass wir das jetzt einstellen wollen.“
Gemeinsame Neuordnung, gerechte Verteilung und erstellen von Synergien lautet das Ziel, „das Sportstättenangebot auf den veränderten Bedarf der Vereine anpassen.“ Zu diesem Zweck hat die Gemeinde einen Fragebogen erarbeitet, der ganz präzise über die Struktur der einzelnen Vereine Auskunft geben soll. Mitgliederbestand, Übungsgruppen, Alterstruktur und Mannschaften werden dabei erfasst, zudem ob Teams am Wettkampfgeschehen teilnehmen, in welchen Ligen sie starten oder auch die Trainingshäufigkeit sind relevant. Bis Mitte Dezember sollen die Vereine die Fragebögen ausgefüllt haben, damit dann der Arbeitskreis Jugend und Sport die Auswertung und Planung des Projektes übernehmen kann.
Freilich hofft die Gemeinde auch auf Einsparmöglichkeiten. Vielleicht muss die eine oder andere Halle nicht jeden Tag für den Trainingsbetrieb genutzt werden, wenn Trainingszeiten neu aufgeteilt werden, was dann immerhin einen kleinen Betrag spart, der dann wieder an anderer Stelle investiert werden kann. „Niemand muss Angst haben, dass der Rotstift kreist“, so Grupe, zumal „die Beträge für echte Sparmaßnahmen eh zu klein sind.“ Das Ziel ist eindeutig. „Die Kommune will weiter möglichst alle Einrichtungen kostenfrei zur Verfügung stellen“, sagt er.
Der Arbeitskreis wurde zudem mit drei Vereinsvertretern verstärkt. Sportlehrer Werner Bohnen für den Breitensport, Ulrich Pinneke (FC Eisdorf) für den Fußball und Björn Schwarze (FC Windhausen) für die Leichtathleten wurden für die Vereine in die Runde gewählt.
Grupe hatte jedenfalls den Eindruck, dass „die Vereine mitziehen. Ich glaube, das alles ist ganz gut rüber gekommen.“ Im Idealfall, so hofft er, entwickelt der Arbeitskreis sogar eine Art Leitbild für den Sport in der Gemeinde Bad Grund (Harz).