Kommentar: Wo liegt eigentlich das Problem?

Von Maximilian Strache

In Bad Grund scheint so mancher seinem Nachbarn nicht die Butter auf dem Brot zu gönnen. Allein die Tatsache, dass sich eine Opposition formiert, die sich öffentlich gegen die Vergabe der Walpurgisfeierlichkeiten an einen externen Veranstalter ausspricht, ist schon haarsträubend. Doch das sich der neu gewonnene Veranstalter bei der Grundner Bevölkerung anbiedern muss, ist schlicht lächerlich. Da stellt sich doch die Frage, wo liegt eigentlich das Problem?
Ohne Investoren kann keine strukturschwache Gegend, und dazu zählt Bad Grund nun mal, auf Dauer überleben. Allein vom Peitscheknallen und fröhliche Harzer Lieder trällern hat noch niemand ein Brötchen auf den Tisch bekommen. Und auch das Gedenken an die Bergbautradition füllt keine Bäuche mehr. Das soll jedoch nicht heißen, dass diese alten Brauchtümer keine Berechtigung mehr haben.
Und auch um die Industrie ist es in der Region um Bad Grund eher schlecht bestellt. Das einzige Pfund mit dem die Bergstadt wuchern könnte, ist die Umgebung, die Harzer Natur. Die einzige auf absehbare Zeit erschließbare Geldquelle ist also der Tourismus. Doch um mit Tourismus Geld verdienen zu können muss ordentlich was geboten werden. Urlauber suchen neben Entspannung vor allem Abwechslung. Und genau darüber scheinen sich einige Gastronomen und Einwohner nicht einig zu sein. Es ist einfach, alles zu kritisieren und zu verteufeln oder gar als Untergang des „Abendlandes“ zu deklarieren. Doch, wenn es darum geht konkrete Ideen hervorzubringen oder eventuell bei der Umsetzung verschiedener Veranstaltungen mitzuwirken, wird es ganz schnell ruhig in der Ecke der eisernen Besitzstandeswahrer.
Wenn die Verantwortlichen des Kur- und Touristikvereins sich dazu entschließen, die Walpurgisfeierlichkeiten an einen externen Veranstalter zu übertragen heißt das doch nicht, dass ihnen die Tradition egal ist. Eher das Gegenteil ist der Fall. Um das Fest weiterhin am Leben zu erhalten, müssen neue Wege beschritten werden, müssen frisches Geld und frische Ideen hineingepumpt werden. Nur so hat die Traditionsveranstaltung Zukunft.
Natürlich sind einige Ressentiments gegenüber fremden Investoren nicht immer von der Hand zu weisen. Doch wenn es an konkreten Alternativen mangelt, müssen auch die Kritiker diesen Umstand hinnehmen.