Leere in der Bergstadt

In der Osteroder Straße fällt ein leerstehendes Gebäude nach dem anderen ins Auge.
 

Bad Grundner Ortskern von verlassenen Gebäude geprägt / Demografischer Wandel macht sich bemerkbar

„Günstige Wohnung zu vermieten”, „Zu verkaufen”, „Ladenfläche zu vermieten”. In Bad Grund bietet sich den Bewohnern und Touristen kein schöner Anblick, wenn sie mit dem Auto oder zu Fuß in der Ortschaft unterwegs sind. Vor allem in der Osteroder Straße fällt dem Betrachter ein leer stehendes Gebäude nach dem anderen ins Auge. An den Scheiben hängen meistens Schilder, die das Objekt zum Verkauf oder zur Vermietung anbieten. Die maroden und verlassenen Gebäude reihen sich im Ortskern regelrecht aneinander. Von der einstigen Harzer Touristenhochburg Bad Grund ist heute nicht mehr viel übrig geblieben.

„1962 hatten wir noch 4.500 Einwohner hier in Bad Grund. Heute sind es nur noch um die 2.000. Es ist wirklich traurig, wie sich unsere Ortschaft entwickelt hat”, sagt Peter Schwinger, der 1. Vorsitzende des Kur- und Touristikvereins Bad Grund. Er selbst habe seit drei Monaten eine leer stehende Wohnung ausgeschrieben, für die sich keine Mieter finden. Der ehemalige Mieter habe nur kurze Zeit darin gewohnt und sei dann wieder weggezogen, so Schwinger. Ein Blick auf den Bad Grundner Immobilienmarkt zeigt, dass nicht nur Peter Schwinger dieses Problem hat: Hier werden Wohnungen teilweise schon zusammen mit einem 750-Euro-Gutschein für einen Baumarkt angeboten und das obwohl der Quadratmeterpreis in Bad Grund mit 4,26 Euro sowieso schon sehr niedrig ist. In Goslar beläuft sich dieser zum Vergleich auf über sechs Euro.
Sehr bedauerlich sei auch, dass einstige Stammgäste ihren Urlaub in den vergangenen Jahren nicht mehr in der Bergstadt verbracht haben. „Da der Tourismus in Bad Grund enorm zurückgegangen ist, sind natürlich auch viele Geschäfte und Restaurants in finanzielle Schwierigkeiten geraten und mussten schließen”, so Schwinger. Viele Geschäftsleute seien hier in den letzten Jahren schon kläglich bei dem Versuch eine Existenz aufzubauen gescheitert. Zu einer Anfrage beim Gesundheitszentrum, wie es dort um die Besucherzahlen stehe, wollte sich dessen Leiterin Kerstin Peinemann gegenüber dem „Beobachter“ nicht äußern. Dort hieß es: „Dazu möchten wir uns nicht äußern“.
Ein weiteres Problem stelle oft auch die Tatsache dar, dass sich für manche Geschäfte, wie beispielsweise eine Bäckerei im Ortskern, oft nur schwer ein Nachfolger finden lässt. „Der Sohn der Besitzer wollte das Geschäft nicht übernehmen. Er bevorzugte eine Stelle in einer Großbäckerei, da dort die Entlohnung besser war”, berichtet Schwinger. „Die Ansprüche der Menschen werden immer höher und vor allem die Jugend wandert oft in größere Städte ab.”
Ortsbürgermeister Manfred von Daak betont jedoch, dass sich trotz des demografischen Wandels etwas im Ortskern bewege. So sei eine ehemalige Bäckerei in der Osteroder Straße kürzlich verkauft worden. „Die Auswirkungen des demografischen Wandels sind nicht wegzudiskutieren. Aber dieser Wandel macht sich in größeren Städten wie beispielsweise Herzberg noch deutlicher bemerkbar”, sagt von Daak. In solch einer Situation seien Bund und Land gefordert, entsprechende Programme aufzulegen, um den schrumpfenden Einwohnerzahlen entgegezuwirken. „Besonders wichtig erscheint mir, Arbeitsplätze anbieten zu können. Nur so könnten meines Erachtens nach junge Familien geworben werden”, so von Daak. Gemeinderatsbeschlüsse wie aktuell die Schließung der Bad Grundner Grundschule liefen jedoch genau in die falsche Richtung.
Auch Bürgermeister Harald Dietzmann bedauert die Situation in Bad Grund. Eine solche Entwicklung aufgrund des Bevölkerungsrückgangs sei jedoch laut Dietzmann in anderen südniedersächsichen Kommunen ebenfalls zu beobachten. Eine konkrete Zahl, wie viele Gebäude derzeit in Bad Grund leer stehen, konnte Harald Dietzmann dem Beobachter jedoch nicht nennen.
Die Einwohner verfolgen das Aussterben ihrer Heimat schon lange. „Es ist wirklich schrecklich, was hier in den letzten Jahren passiert ist”, so eine Bürgerin. „Ein Laden nach dem anderen geht hier zugrunde. Es ist ein Teufelskreis – umso weniger Angebote es hier gibt – umso unattraktiver wird unsere Stadt für potenzielle Touristen”, sagt die Frau weiter. Von der einstig belebten Kurstadt sei heute nicht mehr viel übrig.