Moderne Frau mit Herz fürs Brauchtum

Ellen Bredow aus Bad Grund ist eine leidenschaftliche Jodlerin.

Seit über 40 Jahren ist Ellen Bredow aus Überzeugung und mit viel Leidenschaft Jodlerin bei den Harzer Rollern

Ellen Bredow ist eine moderne Frau, die mitten im Leben steht. Sie habe immer gearbeitet, weil das ganz wichtig für die Frauen von heute sei, wie sie selber sagt. Ihren Mann verlor sie durch Krankheit bereits vor 17 Jahren. Seitdem alleinstehend, ist sie inzwischen Inhaberin eines Friseurgeschäftes in Bad Grund.

Als Ausgleich zur ihrer Tätigkeit übt sie jedoch ein nicht ganz so populäres Hobby aus. Bredow ist Jodlerin und seit Anfang der 70er Jahre Mitglied bei den Harzer Rollern Bad Grund.
Bereits als fünfjährige habe sie bei der damaligen örtlichen Brauchtumsgruppe mitgejodelt. „Deshalb brauchte ich in der Schule auch nicht singen. Ich sollte immer nur jodeln“, erzählt sie lachend.
Für den Feinschliff ihrer Jodelstimme sei allerdings der musikalische Leiter des Chores Uwe Klingebiel verantwortlich, der durch seine Ausfeilungstechnik ihre Stimme erst zu der gemacht habe, wie sie heute sei. Manche würden Bredow sogar als Ausnahmejodlerin bezeichnen, da sie einen bemerkenswert weichen Jodelumschlag habe. Der Jodelumschlag bezeichnet den Wechsel von der Brust- zur Kopfstimme.
„Ich finde, das Jodeln macht gute Laune“, sagt die Friseurin „mir geht es einfach gut dabei, auch wenn es oft belächelt wird und als angestaubt gilt. Ich finde es wichtig, alte Traditionen aufrecht zu erhalten“.

Training bei laufendem Staubsauger

Ihr Hobby erfordere allerdings viel Training und durch die Auftritte und Wettstreite auch viel Zeit an den Wochenenden. Wenn Ellen Bredow zu Hause neue Stücke einstudiert, ließe sie jedoch dabei immer den Staubsauger laufen, sagt die sympathische 61-jährige. „Jodeln ist eben nicht gerade leise und ich möchte die Nerven meiner Nachbarn nicht unnötig strapazieren“. Ansonsten trifft sich der Chor jeden Montagabend zum Üben im Chor- und Vereinsheim Taubenborn. Zu Wettkämpfen werde drei Monate vorher noch intensiver geübt.
Die Bewertung im Wettkampf setzt sich dabei aus mehreren Punkten zusammen. Zum einen wird das Erscheinungsbild, also der Auftritt in der Festtagstracht bewertet. Dazu kommen Wertungspunkte für die Ruhe und Sicherheit, die der Jodler während des Vortrags ausstrahlt und seine Stimmhaltung, die zeigt wie gut jemand die Töne halten kann. Ganz besonders wichtig sei aber auch der saubere Jodelumschlag. In einem Wettbewerb dürfe man nur zwei Strophen eines Liedes mit einem Jodler singen. Dem schließt sich ein Naturjodler an, der maximal 90 Sekunden dauern und nur ohne Musik dargeboten werden dürfe. Um in der Meisterklasse antreten zu können, müsse man in dem Jahr davor erst einmal die allgemeine Klasse gewinnen. „Ich bezeichne das immer als eine Art Bundesliga des Jodelns“, erzählt die lebenslustige Sängerin „dann fällt von fünfen der oder die Schwächste raus und der Gewinner der niedrigeren Klasse kann im Folgejahr in die Meisterklasse aufsteigen“.

In sieben Jahren sechs Mal unter den Ersten

Ellen Bredow nimmt seit sieben Jahren an den Wettbewerben, überwiegend in Clausthal-Zellerfeld, teil und konnte dabei fünf Mal den ersten Platz und einmal den zweiten Platz erreichen.
Nach ihren Auftritten bekäme sie von Zeit zu Zeit auch Fanpost mit Fotos von begeisterten Zuhörern. „Ich habe sogar schon mal einen Brief aus Holland erhalten auf dem als Adresse stand: an die jodelnde Friseurin in Bad Grund“, erzählt sie „da muss man vor der Post den Hut ziehen – der Brief ist tatsächlich so bei mir angekommen.“
Über den Sketch von Loriot „Das Jodeldiplom“ könne sie im Übrigen herzhaft lachen. „Der Sketch ist einfach wunderbar. Ich mag den Humor von Loriot. Und wenn dadurch ein folkloristischer Brauch auf humorvolle Art wieder mehr in den Vordergrund rückt, finde ich das gut“, sagt sie, auch wenn es viele der dort verwendeten Jodelsilben in Wirklichkeit gar nicht gäbe.

Info

Ursprünge des Jodelns
In wahrscheinlich allen gebirgigen und unwegsamen Regionen der Welt gibt es verschiedene Techniken, um mit Rufen weite Distanzen akustisch zu überbrücken. Die Ursprünge des Jodelns gehen auf vorhistorische Zeiten zurück: Jodelnd verständigten sich Hirten und Sammler, Waldarbeiter und Köhler. Nicht nur in den Alpen wurde von Alm zu Alm mit Almschrei oder Juchzer kommuniziert oder auch das Vieh mit einem Jodler (Viehruf) angelockt. Jodel-Kommunikationsformen existieren bei den afrikanischen Pygmäen, bei den Inuit, im Kaukasus, in Melanesien, Palästina, China, Thailand und Kambodscha, in den USA, Spanien, Lappland, Schweden, Polen, Slowakei, Rumänien, Georgien und in Bulgarien. (Quelle: Wikipedia)