Nicht finanzierbar – Einziger Ausweg ist die Fusion

Die Fusion wird vorbereitet. (Von links): als Vertreter des Genossenschaftsverbandes Gunther Hedrich, Aufsichtsratsvorsitzender Thomas Blum, die Bankleiter Markus Creydt, Martin Spitzer und Karl Heinrich Ufer (Foto: Schwinger)

Für Groß- und Kleinbanken gelten die selben Spielregeln

„Die genossenschaftliche Struktur der Volksbanken bietet Sicherheit für jeden Einzelnen!“, so Bankleiter Markus Creydt auf der Gesellschafterversammlung im vergangenen Jahr. Um diese Sicherheit zu erhalten muss eine Fusion mit der Volksbank im Harz erfolgen, das wurde auf der diesjährigen Vertreterversammlung deutlich.

Von Peter Schwinger

Bad Grund. Nachdem Aufsichtsratsvorsitzender Thomas Blum die Vertreterversammlung eröffnet hatte, übergab er das Wort zum mit Spannung erwarteten Bericht des Vorstandes an Bankleiter Markus Creydt. „Auch wenn im vergangenen Jahr noch Hoffnung bestand, die Eigenständigkeit der Volksbank Oberharz zu erhalten. Die Auswirkungen der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise haben wir auch in unserer Region zu spüren bekommen“, so Markus Creydt. Es werde national und international versucht, durch Regulierungen und besondere Anforderungen an die Finanzbranche, Herr der Lage zu werden. Für kleine regionale Kreditinstitute gäbe es dabei keine Erleichterungen, sie würden behandelt wie Großbanken, das sei finanziell nicht zu leisten. Man müsse sich Gedanken machen, wie sich eine kleine Genossenschaftsbank für die Zukunft aufstellen kann, um diese Rahmenbedingungen zu erfüllen. Der Bankleiter hob dabei hervor: „Das genossenschaftliche Geschäftsmodell ist mit seiner einzigartigen Transparenz und Stabilität sehr gut positioniert und zukunftsfähig!“
„Aufgrund der Finanzkrise kommen weitere erhebliche Reglementierungen der Finanzaufsicht auf die Volksbank zu!“, bestätigte Bankleiter Martin Spitzer, der den Bericht des Vorstandes über das Geschäftsjahr 2009 gab. Für eine kleine Bank sei der Kostendruck zu hoch. Die Verwaltungskosten lägen bei 60 Prozent und seien nicht beeinflussbar. Die Bilanzsumme hat sich zum 31. Dezember 2009 auf 37,8 Millionen Euro vermindert, die Kundeneinlagen auf 31,9 Millionen Euro und das Vermögen der Kunden auf 42,4 Millionen Euro. Der aktuelle Mitgliederbestand liegt bei 1666 Mitgliedern. Zinsüberschuss und Provisionen ergaben 1,7 Millionen Euro.
Auf die Zukunft eingehend sah Martin Spitzer aufgrund des kleinen Geschäftsgebietes keine Bilanzsummenerweiterung. Die Werte der Immobilien seien „im freien Fall“. Die Insolvenz der FUBA und die demografische Entwicklung bewirkten eine weitere Reduzierung. Der Personalbestand sei auf 13 Mitarbeiter reduziert worden. Um einen ordentlichen Geschäftsbetrieb zu gewährleisten, seien weitere Personaleinsparungen nicht möglich.
Ein großes Problem ist die Einstellung von zwei neuen Bankleitern. Für Bankleiter Martin Spitzer wurde kein Nachfolger gefunden. In Vereinbarung mit dem Aufsichtsrat wurde seine Dienstzeit daher bis zum 30. Juni 2011 verlängert. Bankleiter Markus Creydt wurde zum 31. Dezember diesen Jahres aus seinem Dienstvertrag entlassen, um ihm die Chance zu geben, den Vorstandsposten einer größeren Bank übernehmen zu können. Nachdem beide Vorstandsposten vakant werden, wurde beschlossen mit der Volksbank im Harz zu fusionieren. Im Einvernehmen mit dem Genossenschaftsverband haben Vorstand und Aufsichtsrat am 1. November dazu einen Kooperationsvertrag abgeschlossen.
Zielgerichtet soll die Fusion beider Häuser in 2011 erfolgen. Als 2. Bankleiter wird Karl Heinrich Ufer von der Volksbank im Harz befristet für die Volksbank Oberharz freigestellt, da die Bank ansonsten nicht handlungsfähig wäre. Auf der Vertreterversammlung stellte sich Karl Heinrich Ufer den Vertreten vor. In Vertreterversammlungen im Mai/Juni 2011 soll die Fusion beider Banken auf den 31. Dezember 2010 beschlossen werden.
Bankleiter Martin Spitzer stellte fest: „Vorstand und Aufsichtsrat sind einhellig der Meinung, dass der richtige Zeitpunkt für eine Fusion mit der Volksbank im Harz gekommen ist!“ Mit der Fusion seien weiterhin in unmittelbarer Nähe gute Bankgeschäfte zu tätigen. Die Fusion beinhalte sogar einen Mehrwert für die Mitglieder, denn aufgrund der Kapazitäten einer größeren Bank sei ein guter Rundum-Service in allen Geldangelegenheiten gewährleistet.
Als Vertreter des Genossenschaftsverbandes gab Gunther Hedrich ein positives Statement. Mit der aktuellen Entwicklung wurde ebenfalls der richtige Zeitpunkt für eine Fusion gesehen, um die Zukunftsfähigkeit der Volksbank Oberharz zu erhalten. „Alle Aspekte sprechen für eine Fusion!“, so das Urteil des Verbandes. Auch Bankleiter Markus Creydt sah in seiner „Abschiedsrede“ nur in der Fusion die Möglichkeit, die Volksbank Oberharz zukunftsfähig zu erhalten. Mit dieser Volksbank werden neben Bad Grund modernisierte Zweigstellen in Wildemann und Lautenthal eingebracht. Insbesondere jedoch hoch motiviertes Personal, auf das er sich stets habe verlassen können. Mit diesem Dank beendete der Bankleiter die Vertreterversammlung.
Im Übrigen wurden alle Beschlüsse einstimmig gefasst. Von der Feststellung des Jahresabschlusses, der Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat bis zur Wiederwahl von Karl-Hermann Rotte in den Aufsichtsrat.