Pilgerweg als historisches & sinnliches Erlebnis

 

Über 200 Teilnehmer schritten trotz heftiger Regenfälle die alte Bahnstrecke
Gittelde - Bad Grund ab

Über 200 Menschen fast jeden Alters wollten den vierten Pilgerweg
beschreiten, zu dem die evangelischen und katholischen Kirchengemeinden der
Samtgemeinde Bad Grund geladen hatten. Dieser lange Zug setzte sich in
Bewegung, nachdem “Schaffner³ Horst Ahrens das Signal zum Aufbruch ertönen
ließ, und kam endgültig zum Stehen, als Pastor Michael Henheik von seinem
katholischen Kollegen, Pfarrer Mieczyslaw Kamionka, das Prozessionskreuz der
inzwischen geschlossenen St.-Barbara-Kirche überreicht bekam.

Bad Grund. Dazwischen lagen andere Stationen und viel Regen. Letzterer
hinderte jedoch niemanden daran, die alte Bahnstrecke getreu dem Motto
“Zieh deine Straße fröhlich³ entlang zu pilgern. Startpunkt war der
Gittelder Bahnhof, wo zur rechten Zeit fast symbolträchtig zwei Züge
einfuhren. Das Pastorenehepaar Gremse charakterisierte den Bahnhof als Ort
großer Gefühle: Aufbrüche und Übergänge, wie es sie häufig im Leben gäbe,
fänden hier verdichtet statt.
Horst Ahrens und Günther Freyer entführten mit dem gesprochenen Wort in die
100-jährige Geschichte der Kleinbahn. Der Posaunenchor Badenhausen sowie die
Harzclub Heimatgruppe aus Gittelde und die Windhäuser Burgfinken ließen
Instrumente und Stimmen erklingen. Schüler der Haupt- und Realschule
Badenhausen präsentierten selbst gezeichnete Bilder zum Thema “Bahn³, die
Schüler der Grundschule Gittelde Kollagen, bei denen der Betrachter mit
Fantasie problemlos Verbindungen zur Bahn herstellen konnte.
Zudem wurde an alle, die sich auf die Spuren der Kleinbahn begaben, eine
Fahrkarte übergeben. Letztere wiederum wurde beim Betreten der
St.-Johannis-Kirche in Windhausen gelocht. Der Spruch “Platz ist in der
kleinsten Hütte³ bewahrheitete sich in dem Gotteshaus, denn alle Pilger
passten hinein. Die in diesem Jahr konfirmierten Nesrin, Julia, Moritz,
Patrick, Janis und Tobias wiederum hatten unter Leitung von Vikarin Melanie
Grauer die Apostelgeschichte 8 “Er zog seine Straße fröhlich³ einstudiert
und sehr gut in Szene gesetzt.
Im Anschluss daran erläuterte Windhausens Bürgermeister Burkhard Fricke die
Anordnung der an der Kirchenmauer befestigten, wasserdicht verpackten
Bilder, die zu einer Reise durch die Geschichte der Kleinbahn Gittelde Bad
Grund einluden. Es fehlte selbstredend auch der Sandbahnhof Windhausen
nicht, der dort stand, wo heute das Rathaus der Samtgemeinde Bad Grund zu
finden ist. Bilder vom Haltepunkt Laubhütte waren ebenso zu sehen, wie der
Güter- und Personen-Bahnhof in Bad Grund sowie die Haltestellen Marktplatz
und am Roland. Fricke wusste aber auch zu berichten, dass die Diesellok V
272 zunächst nach Schleswig-Holstein und dann nach Dänemark verkauft wurde.
Dort habe sich ihre Spur im Jahre 2008 in Tondern verlaufen. Der Lokschuppen
wiederum sei bei der Museumsbahn “Arbeitsgemeinschaft Historische Eisenbahn³
(AHE) in Almstedt-Segeste wieder aufgebaut worden. Die dortigen
Eisenbahnfreunde haben übrigens auch den Güterwagen G 105 der Kleinbahn
Gittelde Bad Grund wieder restauriert. Beim Verein Braunschweiger
Verkehrsfreunde (VBV) wurde ein aus dem Jahr 1913 stammender Personenwagen
restauriert. Beide Wagen seien wieder betriebsfähig und werden in
Museumszügen eingesetzt.
Als der Pilger-Zug wieder anrollte, hieß das Ziel Parkplatz Rittertal, wo er
zur Station “Dampf ablassen³ einfuhr. Denn die evangelische Kirchengemeinde
Bad Grund hatte zu einer Kaffeepause eingeladen. Pastor Thomas Waubke, Silke
Fricke, Kerstin Gebhardt und Melanie Grauner gaben Tipps, wie man den Kessel
abkühlen kann wie es auch Jesus selbst im Tempel tat. Eigens dafür hatte
Petra Mackensen Bilder gezeichnet, welche die Worte noch verdeutlichten.
Außerdem hatten Jan-Niklas und Nils etwa 200 mit Mehl gefüllte Luftballone
an Holzwände angebracht, die mittels Dartpfeilen zum Platzen gebracht werden
durften.
Die vierte Station war der Platz, wo bis 1988 das Empfangsgebäude, die
Bushallen sowie die Lok- und Lagerschuppen des Bahnhofs von Bad Grund
gestanden hatten. Die Fahrpläne für diese Station des Lebens lagen in den
Händen der evangelischen Kirchengemeinde Eisdorf.
Danach wurde die zum Bahnhof “umgerüstete³ St.- Antonius-Kirche angesteuert,
wo Pfarrer Mieczyslaw Kamionka das Prozessionskreuz der ehemaligen
St.-Barbara-Kirche an Pastor Michael Henheik übergab. Dieser Mission
schlossen sich der Schlusssegen und ein gemeinsamer Imbiss an. Zuvor
überreichten aber auch die Mädchen und Jungen der Grundschule Bad Grund
selbst gefertigte Kerzen an die Pilger. Und die Diakonie- sowie
Sozialstation stellten sich und ihre Arbeit vor. Die Kollekte kommt übrigens
der Sozialstation und der Diakonie zugute.