Rituelle Begräbnisstätte aus der Bronzezeit

Dr. Stefan Flindt und Dr. Susanne Hummel präsentieren die Forschungsergebnisse im HöhlenErlebnisZentrum Bad Grund.

Dr. Stefan Flindt und Dr. Susanne Hummel stellten in Bad Grund neueste Forschungsergebnisse zur Lichtensteinhöhle vor

Intensive Forschungsarbeit, Knochenfunde von 62 Individuen der Bronzezeit und viele offene Fragen. Anthropologin Dr. Susanne Hummel vom Johann-Friedrich-Blumenbach Institut der Universität Göttingen und Kreisarchäologe Dr. Stefan Flindt haben im HöhlenErlebnisZentrum Bad Grund ihre aktuelle Publikation und damit die neuesten Forschungsergebnisse zur Lichtensteinhöhle präsentiert.

Bei weiteren Ausgrabungen hatte das Forschungsteam neben vielen Tierknochen und Schmuck erneut Menschenknochen in der Höhle gefunden. „Unsere jahrelange Arbeit hat sich auf jeden Fall gelohnt”, sagte Dr. Susanne Hummel. Bisher hatten die Forscher angenommen, dass es sich bei der Höhle um eine Menschenopferstätte handelt. Aktuelle Untersuchungen hatten jedoch ergeben, dass die gefundenen Knochen keinerlei Einwirkungen von Gewalt aufweisen. Jetzt wissen die Forscher, dass die Lichtensteinhöhle eine rituelle Begräbnisstätte war. „Es handelt sich hier vermutlich um einen Zweitbestattungsplatz. Das heißt, dass die Verstorbenen erst in der Erde bestattet wurden. Jahre später wurde dann ein Teil ihrer Knochen im Rahmen eines zweiten Bestattungsrituals in die Höhle gebracht”, so Dr. Stefan Flindt. Weil die gefundenen Knochen eine überdurchschnittlich gute DNA aufweisen, ist es den Wissenschaftlern gelungen, den bisher ältesten Stammbaum, der über mindestens fünf Generationen reicht, aufzustellen. Dass die Überreste in der Lichtensteinhöhle so gut konserviert sind, sei ein großer Glücksfall. „Der Fund der Familie ist eine Sensation”, sagte Flindt weiter.
Weitere Untersuchungen werden noch fünf bis sechs Jahre weiterlaufen. Mit der Publikation des Buches „Neues von der bronzezeitlichen Großfamilie aus der Lichtensteinhöhle” haben die Forscher lediglich den derzeitigen Stand der Untersuchungen dargelegt. Nach Abschluss werde es dann eine wissenschaftliche Abschlusspublikation geben, so Hummel. Das Buch ist im Museumsshop des HöhlenErlebnisZentrums erhältlich.