Schneeballschlacht muss dieses Jahr ausfallen

Der Iberger Alberttrum ist eine der ursprünglichsten und damit schönsten Bauden im gesamten Harz. Da ist sich Bodo Probst sicher. (Foto: Kluge)
 
Georg Heberle, Ingeborg Kallweit und Bodo Probst (von links) im Kaffeegarten am Fuß des Albertturmes. (Foto: Kluge)

Ingeborg und Joachim Kalweit wollen für das nächste Jahr wieder Schnee in den Gletschertöpfen sammeln

Von Camillo Kluge, Bad Grund

Eine Schneeballschlacht mitten im Sommer im Harz – das dürfte nun wahrlich nichts Alltägliches sein. Für diesen Sommer ist das Thema allerdings durch. „Wir haben keinen Schnee mehr“, sagt Ingeborg Kalweit. Gemeinsam mit ihrem Mann Joachim führt die Bad Grunderin die Gastwirtschaft am Albertturm auf dem Iberg, und das bereits seit 1997.
„Im Winter karren wir Schneemassen in die natürlichen Gletschertöpfe im Iberg“, verrät sie das Geheimnis. Im Sommer wurde der Schnee dann an Sonntagen bedarfsweise hervorgeholt um Schneemänner zu bauen und Schneeballschlachten zu machen. „Im kommenden Jahr ändern wir das“, verrät Kalweit, denn „viele Gäste möchten das lieber am Samstag mitmachen, sitzen am Sonntag schon auf der Autobahn.“
So wie in diesem Fall der Gast König ist, versuchen Kalweits auch ansonsten die Wünsche der Gäste zu erfüllen. Die Küche, die bewusst ohne Friteuse auskommt und auch keine Schnitzel bietet, hat dafür andere deftige und einfache Speisen für jeden Geldbeutel im Angebot. Dazu das gemütlich-urige Ambiente im Gasthaus oder die herrliche Natur mit der schönen Aussicht am Fuße des Turms genießen. „Die Schneise hier wird noch etwas verbreitert“, verrät Bodo Probst, Vorsitzender Harzklub-Zweigvereins Bad Grund, dem Albertturm und Gaststätte gehören und diese an Kalweits verpachtet. Es habe Gespräche mit der Forst gegeben und die wolle sich um eine Verbreiterung der Aussicht kümmern.
Vom Turm, der sich immerhin 33 Meter hoch auf dem 563 Meter hohen Iberg erhebt, hat man bei guter Witterung bereits jetzt eine gigantische Rundum-Sicht. „Solling, Weserbergland, Fernsehsender in der Hildesheimer Börde, Nörten-Hardenbereg und angeblich sogar die Spitze des Kiffhäuser“, zählt Wegewart Georg „Schorse“ Heberle auf, was neben dem Brocken vom Turm alles zu entdecken ist. Und Heberle, selbst lange Jahre Wirt auf dem Iberg, weiß noch viel mehr von der Geschichte des Turms zu berichten.
Zum ersten Mal wurde er 1886 errichtet, hatte eine Höhe von 25 Metern und war komplett aus Holz. „Allerdings stand er da, wo heute die Gaststätte ist“, erläutert Probst. 1905 war das hölzerne Ungetüm dann verwittert und es wurde ein neuer Turm an seinem heutigen Platz errichtet. Albert Schneider, langjähriger Vorsitzender des Harzklubs damals, hatte schon für den ersten Turm viel Initiative und Herzblut aufgewendet. Als der Neubau dann stand, wurde der Turm ihm zu Ehren Albertturm getauft. Und seit jenem Neubau gibt es auch eine Restauration auf dem Berg.
Anfangs noch im Turm integriert, wurde später ein eigenes Gebäude errichtet. Auch am Turm wurde noch Hand angelegt: 1955 wurde das rissige Mauerwerk saniert, acht Jahre später der Turm um zehn Meter aufgestockt, da die umliegenden Buchen den Blick mittlerweile versperrten. Bis 1960 war in der Wintersaison auch kein Betrieb auf dem Iberg. Das ging erst los, „als der 1. Harzer Jodelmeister Harry Brandt das hier eingeführt hat“, erinnert sich Heberle.
Als Heberle 1978 die Gaststätte übernahm, gab es weder fließend Wasser noch Strom. Von daher verständlich, dass Heberle nicht hier wohnte. Doch „früher hat ein Pächter hier auch gewohnt, unterm Dach, mit den Kindern“, weiß Schorse zu berichten. Er war schon vier Jahre hier, als er 1982 endlich an die Strom- und Wasserversorgung angeschlossen wurde.
Und seitdem hat sich der Iberg nebst Albertturm kaum verändert. „Meine Gästen behaupten immer“, so Probst, „dies sei eine sehr ursprüngliche Baude, eine der schönsten Bauden im ganzen Harz.“