Schützengesellschaft ist ältester Verein in der Bergstadt

Die Schützengesellschaft Bad Grund wurde schon im Jahr 1590 gegründet. (Foto: bo)
 
Das Wappen der Schützengesellschaft. (Foto: bo)

Mit einem Frühschoppen soll der 420. Geburtstag am 6. Februar 2011 gefeiert werden

Mit Stolz können die Grundner Schützen in 2010 auf das 420-jährige Bestehen der Schützengesellschaft Bad Grund zurückblicken. Die Schützengesellschaft Bad Grund ist der älteste Verein in der Bergstadt Bad Grund. Sie ist ein Stück lebendiger Vergangenheit. Mit einem musikalischen Frühschoppen soll dieses Jubiläum am Sonnabend, 6. November, ab 11 Uhr, im Schützenhaus der Schützengesellschaft Bad Grund gefeiert werden.

Von Winfried Kippenberg

Um 1500 wurden im hiesigen Raum des Amtes Stauffenburg gemeinsame Schützenfeste ausgerichtet. Die Orte Badenhausen, Grund, Gittelde und Windhausen gehörten der Gittelder Schützengilde an. Die Herzogin Elisabeth von Braunschweig-Lüneburg förderte diesen Raum und auch das Schützenwesen. Nach ihr wurde in Bad Grund eine Straße benannt, die ursprünglich Herzogin-Elisabeth-Straße hieß und heute ohne diesen Zusatz den Namen Elisabethstraße führt. Als Kleinod stiftete sie den Einwohnern im Amt Stauffenburg einen „Silbernen Löwen“, der heute noch in Badenhausen, Gittelde und Windhausen ausgeschossen wird.
Schützenfeste in Bad Grund wurden mit dem damit verbundenen Schießen (Freischießen) in früheren Jahrhunderten auf dem Horstkamp durchgeführt. Zum Schießen „um das Beste“ wurde früher jedes Jahr im Monat Mai eingeladen.
Erstmalig wird die Grundner Schützengesellschaft urkundlich in einem Schreiben aus dem Jahre 1590 erwähnt. In diesem Schreiben wird Herzog Heinrich Julius gebeten, die Abhaltung eines Schützenfestes zu gestatten. Das erste Grundner Schützenfest wurde am 24. August 1590 auf einer großen Wiese am Horstkamp als Volksfest abgehalten. Die Schützen nahmen mit ihren Familien an diesem Fest teil. Die Gründer der Grundner Schützengesellschaft waren die „wehrhaften Bergleute“, denen das Recht verbrieft war, ein kurzes Schießrohr als Waffe zu tragen. Sie kamen in Bad Grund jährlich zusammen, um ihre „Best- und Meistmänner“ auszuschießen, während in der Gittelder Schützengilde ein Schützenkönig ausgeschossen wurde.
Im 30-jährigen Krieg hatten die Schützen zum Schutze der eigenen Bevölkerung eine besondere Bedeutung. Sie gingen gegen Raubgesellen und Deserteure vor, die Schutz in den Harzwäldern suchten und von dort aus ihre Überfälle vorbereiteten und tätigten.
Der Schützengesellschaft Bad Grund gehörten alle Bürger und Bürgersöhne und alle Berg- und Forstbeamte an. Der Bürgermeister der Bergstadt war und ist noch heute der jeweilige Oberschützenvogt, und der Vorsitzende der Schützengesellschaft führt die Bezeichnung „Schützenvogt“. Ihm zur Seite standen und stehen die Siebener mit weiteren Vorstandsmitgliedern.
Wegen des „Silbernen Löwen“ gab es oft Streit in der Gittelder Schützengilde, der die Grundner Schützen auch angehörten. Hin und wieder gab es Auseinandersetzungen. Im Mai 1714 wandte sich der Grundner Richter Flach an die Berghauptleute in Zellerfeld mit der Beschwerde, dass die Gittelder Schützen das Wiesenschießen für sich ausrichten wollten und die Grundner Schützen de facto ausschlossen. Unter anderem ging um die Aufbewahrung des „Silbernen Löwen“, wenn dieser von einem Grundner Schützen gewonnen wurde. Er sollte nach dem Wettbewerb wieder dem Amt Stauffenburg zur Aufbewahrung zugeführt werden. Außerdem würden die Schießwettbewerbe so festgelegt, dass die Grundner Bergleute wegen ihrer Tätigkeit an dem Schießen gar nicht oder nur unter beschwerten Bedingungen teilnehmen können. Die Berghauptleute einigten sich darauf, dass das jährliche Löwenschießen in der Gittelder Schützengilde auf einem Sonntag nach der Predigt durchgeführt werden soll.
Die Streitigkeiten nahmen kein Ende. Schließlich führte jeder Ort sein Schützenfest durch. Die Orte Badenhausen, Gittelde und Windhausen einigten sich darauf, dass alljährlich im Wechsel dieses Fest durchgeführt wird. Diese Tradition wird heute noch gepflegt. Deshalb finden nur alle drei Jahre Schützenfeste in diesen Gemeinden statt.
Bedingt durch den Bergbau und die Regelungen des Schützenwesens durch die Berghauptleute zu Zellerfeld bildete die Schützengesellschaft Bad Grund mit den übrigen Schützenvereinigungen der Bergstädte Zellerfeld, Lautenthal und Wildemann eine Gemeinschaft. Die Bergbehörde regelte Details des Schützenwesens und der Schützenfeste mit den damit verbundenen „Preisschießen“. 1652 wurden die Schützengesellschaften –auch zum Schutz der Bevölkerung gegen Dritte – mit Schützenordnungen und Schießregeln ausgestattet.
1672 wurde in Zellerfeld ein großes Schützenfest unter Teilnahme der benachbarten Schützengesellschaften abgehalten. 1733 und 1750 fand mit Schützen der Bergstädte das „große Freischießen“ statt. Aber auch die Verbundenheit mit der Gittelder Schützengilde wurde weiterhin gepflegt. In den Akten der Schützengilde ist nachzulesen, dass Schützenmeister in dieser Gilde die Grundner Schützen unter anderem 1776 und 1778 Corporal Mersmann und 1801 Bürger Eckert waren.
1806 wurde das Amt Stauffenburg durch Napoleon aufgehoben. Damit erlosch nach und nach das Zusammenwirken in der Gittelder Schützengilde. 1813 wurde die Gittelder Schützengilde nach einem Rechtsstreit vor dem Königlich Westfälischen Friedensgericht in Seesen am 10. Dezember 1812 aufgelöst. Das Gericht sprach den Gittelder Schützen den „Silbernen Löwen“ zu, und die übrigen Schützenvereinigungen erhielten eine Entschädigung.
Seinerzeit wurden mit großkalibrigen Büchsen Schießübungen in Bad Grund auf der heutigen Pfarrwiese abgehalten. Später wurde ein zweiter Schießstand oberhalb der Knesebecker Halde (Schacht Knesebeck) angelegt. Der dritte Schießstand wurde 1867 am Rohland (ehem. Haus Dieter Beermann, auf dem Berg neben dem Grundstück Rögener, Elisabethstraße) eingerichtet. Geschossen wurde längs des Hanges in Richtung Teufelstal. 1951 wurde der heutige Schießstand im Teufelstal eingeweiht.
In der Vergangenheit wurde jährlich ein Schützenfest in Bad Grund gefeiert. Seit einigen Jahren war dies aus verschiedenen Gründen nicht mehr möglich, so dass die Schützenmajestäten zwar jährlich im fairen Wettkampf ermittelt wurden, sie wurden aber im Rahmen der Vereinsaktivitäten als neue Best- und Meistmänner ausgerufen.